Werft

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Die HDW-Werft in Kiel

Eine Werft (alt-niederländisch/friesisch: Der am Wasser baut; niederdeutsch, seit 1700: werf) ist ein Betrieb zum Bau und zur Reparatur von Booten und Schiffen.

Der klassische Schiffbauplatz einer Werft ist die Helling oder der Helgen,[1] die man vielerorts an der Kieler Förde fand, um Fischerboote herzustellen.

In Kiel waren Hellinge und Werften anfangs am Kieler Hafen in der heutigen Altstadt vom Schuhmachertor Richtung Norden zu den entstandenen Hafenanlagen unterhalb des Schlosses zu finden.[2]

Als Kiel 1865 preußische Marinestation und 1871 Reichskriegshafen wurde, erfolgten großen Werftgründungen. Hintergrund war die unter Marineminister Albrecht von Roon betriebene Politik, eine Kriegsflotte aus Eisenschiffen mit Dampfantrieb aufzubauen und dabei die einheimische Schiffbauindustrie zu fördern, die im Gegensatz zu fortschrittlicheren, vor allem britischen Werftbetrieben, bislang nur auf den Bau von Holzschiffen ausgerichtet war.

Die Schiffbaubetrieb verlagerte sich an die Hörn und an das Ostufer mit drei großen Werften.

Ehemalige und heutige Schiffbaubetriebe

(sortiert nach Gründungsjahr)

  • Werft Reuter & Ihms (1842-1885) auf dem aufgeschütteten Ufergelände (Vorstrand) (heute der Ostseekai und Seegarten) vor dem Kieler Schloss. Gegründet von den Schiffbaumeistern Gebrüder Ihms und Marcus August Rudolf Reuter (* 2. Dezember 1834; † 25. September 1871, bei einem Bootsunfall verunglückt). Zum damaligen Werftgelände am Westufer erwarb Reuter noch das Gelände nördlich der Schwentinemündung als Betriebserweiterung für den Eisenschiffbau, auf der Georg Howaldt 1876 mit seiner Schiffswerft begann und 1889 in der Howaldtswerke AG aufging.[3] Die Gebrüder Ihms, die sich auch auf Dampfkessel für Schiffe verlegten, richteten zwischen 1886 und 1889 auf ihrem abgetakelte Schiff Wilhelmine einer schwimmenden Schiffsschmiede.[4]
  • Conradi-Werft (1844-1878) des Schiffbaumeisters Anton F.H. Conradi unterhalb des Kieler Schlosses neben der Werft Reuter & Ihms. Auf der Conradi-Werft wurden etwa 70 Segelschiffe gebaut, u. a. Schonerbrigg Zwey Gebrüder (1858) für den Fehmarner Reeder N. Meislahn im Ostasienhandel.[5] Von den älteren, in Kiel ansässigen Betrieben wagte lediglich die Conradi-Werft und Reuter & Ihms den Schritt vom Holz- zum Eisenschiffbau. 1863 baute Conradi eine Schmiede auf dem Werftgelände. Zusammen mit Reuter & Ihms machte Conradi und Sohn 1866/1867 Schmiedearbeiten für die Königliche Marinedepot. Doch die Werft ging 1878 in Konkurs.
    Danach hatte der Schiffbaumeister A. Conradi (vermutlich der Sohn Anton F. H. Conradi) 1886 an der Schönberger Straße im Germaniawerft-Gelände ein Lagerschuppen errichtet. Eine geplante Schiffswerft am Mönkeberger Strande wurde wahrscheinlich durch den Einspruch der Anlieger nicht verwirklich, dafür an der Kaistraße eine Schmiede, wo Dampfkessel hergestellt wurden (1889-1904).[6]
  • Schweffel & Howaldt (1838-1880): 1825 errichtete Johann Schweffel einen Schiffbauplatz auf der Rosenwiese südlich der Altstadt an der heutigen Kaistraße, den er später verpachtete. Schweffel besaß drei eigene Segelschiffe und das Dampfschiff Löven für die Verbindung Kiel – Korsör. Maschinenmeister auf der Löven war August Ferdinand Howaldt. Am 29. September 1838 gründeten Schweffel und Howaldt die Firma Schweffel & Howaldt, eine Maschinenbauanstalt und Eisengießerei. Gleichzeitig sicherte Schweffel sich Lade- und Löschplätze vor der Rosenwiese. 1853 wurde die Eisengießerei an den kleinen Kiel verlegt. 1879 schied die Familie Schweffel aus dem Unternehmen aus und die Familie Howaldt übernahm das Unternehmen das ab dem Jahreswechsel 1879/1880 unter dem Namen Maschinenfabrik Gebrüder Howaldt firmierte.[7]
  • Bruhnsche Werft (1863-1867): An der Wilhelminenhöhe, Andreas Ludwig Diederichsen betrieb hier an der Schönbergerstraße das Ausflugslokal Sandkrug (ab 1838 Wilhelminenhöhe), gleichzeitig befand sich an der Wilhelminenhöhe auch die Schiffswerft „Andreas Ludwig Diederichsen“ auf der vor 1840 bereits dänische Orlogschiffe gebaut wurden. Der Bau dieser Schiffe war nicht kostendeckend und der Schiffsbaumeister Hilbert übernahm für kurze Zeit den Schiffbauplatz. Der Schiffbauplatz wurde anschließend von der Conradi Werft übernommen. Ein aus England stammender Schiffbauer nutzte, gegen den Willen der Kieler Schiffbaumeister den Schiffbauplatz für den Bau von englischen Fischkuttern. Der dänische König untersagte die Fortführung des Betriebes. Der Schiffbaumeister Theodor Christian Bruhn aus Bornhöved erhielt am 12. März 1863 vom dänischen König Frederik VII. eine Konzession zur Fortführung des Schiffbauplatzes an der Wilhelminenhöhe. Von 1864 bis 1867 lieferte Bruhns fünf hölzerne Neubauten ab, musste aber anschließend Konkurs anmelden. Die Stadt Kiel stellte unentgeltlich das Gelände der Bruhnsche Werft am 8. März 1865 der in Gründung befindlichen NSAG zur Verfügung.
  • Norddeutsche Schiffbau AG (1865 bis 1866): Im Oktober 1864 unterbreiteten englische Geschäftsleute dem preußischen Staat eine Zusammenarbeitsvereinbarung hinsichtlich einer Werftgründung in Kiel für den Bau und Ausrüstung aller Arten eiserner Kriegsschiffe sowie deren Reparaturen. Der preußische Staat verweigerte aber eine finanzielle Beteiligung an dem geplanten Unternehmen. Daraufhin wurde die Norddeutsche Schiffbau AG mit Sitz in Berlin am 4. Mai 1865 gegründet. Zweck der Gesellschaft war die Gründung und Errichtung einer Schiffswerft mit der entsprechenden Infrastruktur für den Neubau und die Reparatur aller Arten von Kriegs und Handelsschiffen aus Holz und Eisen. Auch die Stadt Kiel unterstützte 1865 das geplante Gründungsvorhaben mit der unentgeltlichen Überlassung des Geländes der Bruhnschen Werft am Gaardener Strand. Die Norddeutsche Schiffbau AG nahm am 2. Juni 1865 offiziell die Geschäftstätigkeit auf. Aber bereits am 19. Februar 1866 wurde die Gesellschaft wieder aufgelöst, weil die finanzielle Ausstattung der Gesellschaft unzureichend war. Zu den einflussreichen Persönlichkeiten, die bei der Gründung und während der Geschäftstätigkeit der NSAG aus dem Hintergrund ihre Fäden zogen, gehörte auch der namhafte Kieler Banker Dr. Wilhelm Ahlmann (1817-1910).
  • Schiffswerft in Ellerbek (1865-1868): Georg Howaldt verließ 1865 das väterliche Unternehmen und gründete noch im Sommer 1865 in Ellerbek eine eigene Schiffswerft. Auf dem Gelände, dass 1849 für die schleswig-holsteinische Marine angelegt wurde, erfolgte bereits 1865 der Stapellauf des ersten Dampfers „Vorwärts“ für den Kieler Reeder Chr. Ahrens. Insgesamt wurden sieben kleinere eiserne Schiffe auf dem Werftgelände in Ellerbek gebaut. Georg Howaldt musste 1868 das Werftgelände endgültig räumen, da der Fiskus das Gelände für das neue Marineetablissement, ab 1871 kaiserliche Werft, beanspruchte. Georg Howaldt wurde im Mai 1867 Direktor der neugegründeten Norddeutschen Schiffbau AG in Gaarden. Unter seiner Leitung entstand eine moderne Eisenschiffswerft. 1875 gab Georg Howaldt zum Jahresende die Leitung der Norddeutschen Schiffbau AG ab. Das Unternehmen lieferte insgesamt 81 Neubauten ab, musste aber 1879 Konkurs anmelden. [8]
  • Norddeutsche Schiffbau AG (1867 bis 1880): Am 16. April 1867 gründeten erfolgreich die gleichen englischen Geschäftsleuten mit Unterstützung der Stadt Kiel erneut die NSAG. Der Firmensitz wurde lediglich nach Gaarden verlegt. Weiterhin wurde der Kieler Georg Howaldt(1841-1909) ab 1867 bis 1875 erster leitender Direktor der NSAG. Das Gründungsdatum der NSAG kann auf den 19. Mai 1867 festgesetzt werden, als ein entsprechendes Statut erlassen wurde, dass dem des Jahres 1865 weitestgehend ähnelte. Zu den Aktionären der neuen Werft gehörten auch August Ferdinand Howaldt sowie sein Sohn Georg, Johann Schweffel und die Firma Schweffel & Howaldt. Der Werftaufbau zog sich bis in das zweite Geschäftsjahr 1868/69 hin. Georg Howaldt als Direktor der NSAG (1867 – 1875) gelang es mit verschiedenen deutschen Kunden (z.b. Sartori & Berger, Geb. Lange, Krupp, Bugsier, HAPAG usw.) Neubauaufträge abzuschließen. Die Ablieferung des ersten Neubaus mit der Bau-Nr. 1, der Fracht- und Passagierdampfer Holsatia für die Reederei Sartori & Berger erfolgte aber schon im Juni 1868. Die Rechnung von Georg Howaldt ging auf, denn für das Geschäftsjahr 1868/69 konnte wenigstens ein bescheidener Gewinn verbucht werden. Bis 1879 wurden insgesamt 83 Schiffe bei der NSAG auf Kiel gelegt, unter anderem auch die Kaiserjacht Hohenzollern, deren Fertigstellung sich jedoch bis 1880 verzögerte. Trotz aller Bemühungen musste am 29. März 1879 die Norddeutsche Schiffbau AG Konkurs anmelden.
  • Norddeutsche Schiffbau AG (1879 bis 1882): Nach der Zwangsversteigerung am 20. Oktober 1879 wurde die Märkisch-Schlesische Maschinenbau und Hütten Aktiengesellschaft (Hersteller von Dampfmaschinen aus Berlin) neuer Eigentümer der Norddeutschen Schiffbau AG. Die neue Eigentümerin übernahm den noch vorhandenen Auftragsbestand und führte den Betrieb zunächst als NSAG weiter. Nachfolger von Georg Howaldt wurde der Schiffbauingenieur Otto Schlick.
  • Schiff- und Maschinenbau AG Germania (1882 bis 1902): Die finanziellen Schwierigkeiten dauerten jedoch auch unter den neuen Eigentümern an. Kurz vor dem Konkurs verkaufte die Märkisch-Schlesische Maschinenbau und Hütten AG im November 1882 die Werft an die Schiff- und Maschinenbau AG Germania. Die Gesellschaft, mit Sitz in Berlin und Gaarden, war mit einem Stammkapital von drei Millionen Goldmark ausgestattetet. Die neuen Eigentümer führten die Werft als Schiff- und Maschinenbau AG Germania weiter. Es gelang der Einstieg in den Kriegsschiffbau und bis 1889 wurden sogar noch Frachtsegler und Segelyachten gebaut. Der für die Werft notwendige Maschinenbau wurde aber weiterhin in Berlin betrieben. Die Werft erhielt sowohl Aufträge von der Kaiserlichen Marine als auch von ausländischen Marinen. Zwischen 1882 und 1896 wurden insgesamt 24 Kriegs- und 23 Handelsschiffe von der Werft abgeliefert. Ein besondere Fachkompetenz erwarb sich das Unternehmen mit dem Bau von Torpedobooten. Trotz aller Bemühungen befand sich das Unternehmen finanziell aber in einer Schieflage. Der gesamte Werftbetrieb wurde daher, um den Konkurs zu vermeiden, ab 1896 im Rahmen eines Überlassungsvertrages an die Friedrich Krupp AG, Essen verpachtet. Die Schiff- und Maschinenbau AG Germania wurde von Krupp grundlegend zwischen 1898 und 1902 modernisiert. Zusätzlich musste die Schiff- und Maschinenbau AG Germania 1899 fast die gesamte nördliche Betriebsfläche der Werft für eine notwendige Erweiterung der Kaiserlichen Werft an den Fiskus abgetreten. Das gesamte Werftgelände wurde daher in Richtung Süden verschoben. Parallel zu diesen Aktivitäten verlegte die Schiff- und Maschinenbau AG Germania ihre Maschinenbauwerkstätten von Tegel nach Kiel. Ab 1906 verlegte Krupp ebenfalls den seit 1890 in Essen betriebenen Dieselmotorenbau an die Kieler Förde.
  • Fried. Krupp Aktiengesellschaft Germaniawerft (1903 bis 1923): Auf der, durch Ausbau des Kanals 1895 entstandenen Kanalinsel bei Projensdorf errichtete die Fried. Krupp Aktiengesellschaft Germaniawerft 1921 eine Werft für den Bau von Binnenschiffen. Da Aufgrund konstruktiver Gegebenheiten Binnenschiffe quer ins Wasser vom Stapel laufen, stattete man die Werft mit einem entsprechenden Helgen aus, auf dem bis zu 8 Schleppkähne gleichzeitig gebaut werden konnten. Neben den Schleppkähnen wurden aber zusätzlich Schlepper sowie Bergungsschlepper am Kanal gebaut. In Projensdorf nahm man ebenfalls den Bau von Segelyachten wieder auf. 1925 stellte die Binnenschiffswerft ihren Betrieb ein.
  • Kaiserliche Werft Kiel (1867 bis 1919): Am 23. Mai 1867 erging die königliche Anweisung am Strand von Ellerbek ein Marineetablisement einzurichten. Die Königliche Werft Kiel nutzte auch das Gelände der Werft von Georg Howaldt in Ellerbek und wurde nach der Reichsgründung 1871 in Kaiserliche Werft Kiel umbenannt. Bis 1910 hatte sich die Werft von der Schwentinemündung und bis nach Gaarden-Ost ausgedehnt. Ab dem 12. November 1918 wurde die ehemalige Kaiserliche Werft als Reichswerft weiter betrieben.
  • Reichswerft (1918 bis 1925): Die staatseigene ehemalige Kaiserliche Werft wurde ab dem 12. November 1918 als Reichswerft weiter betrieben. Die Werft musste Betriebsmittel und Inventar entsprechend des Versailler Vertrages an die Siegermächte abliefern. Am 22. Oktober 1919 wurde die Werft an das Reichsschatzministerium übergeben. Um Reparaturmöglichkeiten für die Ostseeflotte der Reichsmarine vorzuhalten trennte man den nördlichen Teil der Reichswerft ab. Die Nordwerft wurde am 1. Oktober 1925 endgültig als Marinearsenal Kiel übernommen. Das verbliebene südliche Gelände der Reichswerft wurde am 17. Juni 1920 von der zwischenzeitlich gegründeten Deutschen Werke AG, Berlin übernommen. Am 28. Mai 1925 überführte man dann die Reichswerft und die Torpedowerkstatt Friedrichsort in die eigenständige Deutsche Werke Kiel AG.
  • Deutsche Werke Kiel AG (1925 bis 1955): Der Reichstag fasste am 20. März 1925 den Beschluss die Reichswerft und dass Werk Friedrichsort in einer neuen, eigenständigen Gesellschaft zusammenzufassen. Die neue Gesellschaft, die Deutsche Werke Kiel AG wurde am 28. Mai 1925 gegründet. Anteilseigner blieb das Reichsfinanzministerium. Betriebsabläufe und -strukturen wurden den neuen Herausforderungen angepasst. Die Infrastruktur (Helgen, Docks, Schiffbauhallen, Maschinen- und Kraneinrichtungen) wurden entsprechend für den zivilen Schiffsneubau und die Reparatur von bis zu 200 m langen Schiffen erweitert und modernisiert. Das Werftgelände umfasste eine Fläche von rund 1qkm. Der alleinige Anteilseigner war das Reichsfinanzministerium. Das 1925 vom Reichsfinanzministerium gehaltene Aktienkapital in Höhe von 7,5 Millionen RM wurde in den nächsten Jahren auf 11 Millionen RM und am 19. Dezember 1934 auf 26 Millionen Reichsmark aufgestockt. Das Finanzministerium trat am 1. Oktober 1935 das gehaltene Aktienkapital der Deutschen Werke Kiel AG an das Reichskriegsministerium ab. Das Reichskriegsministerium übertrug die Wahrnehmung der öffentlichen Interessen und die Unternehmensführung an den Oberbefehlshaber der Kriegsmarine. Generaldirektor Heinrich Middendorf übernahm 1935 die Geschäftsführung und 1936 den alleinigen Vorsitz des Vorstandes. Bis Ende 1938 stockte der Staat das Aktienkapital der DWK auf 40 Millionen RM auf. Somit hatte sich das Aktienkapital gegenüber 1937 mehr als verdoppelt. Durch die gute Auslastung der Werft konnte die Deutsche Werke Kiel AG bereits ab 1935 schwarze Zahlen schreiben. Ab 1936 begann ein kontinuierlicher Ausbau der Betriebsanlagen. Anfang 1937 erteilte die Werftleitung den Auftrag zum der Bau einer dritten Helling mit einer Länge von 323,5 m. Für die Instandsetzung von in der Ostsee stationierten Flotteneinheiten eröffneten die Deutsche Werke Kiel 1941 in Gotenhafen einen weiteren Werftbetrieb die Deutsche Werke Werk Gotenhafen. Bei Kriegsende 1945 war ein großer Teil der Werftanlagen zerstört. Der U-Bootbunker Konrad wurde gesprengt und die wenigen, noch intakten Werftanlagen demontiert. Die beiden Trockendocks V und VI wurden aber ab 1946 von den Howaldtswerken Kiel gepachtet und für Reparaturen genutzt. Das Marinearsenal Kiel übernahm ab Juni 1957 einen Teil des Geländes und der Gebäude der Deutschen Werke Kiel AG (Gebäude 112 / 142 und 152). Nach Demontage und Sprengung wurden Ausrüstungs- und Baubecken mit Trümmerschutt aus der Stadt aufgefüllt und planiert. Die DWK war somit vollständig demontiert und zum größten Teil auch planiert. Anfang September 1953 kauften die Kieler Howaldtswerke AG von der Deutschen Werken Kiel AG die beiden, bereits gepachteten Trockendocks (Dock V u. VI), um sie im Wesentlichen als Bauplatz für größere Schiffsneubauten zu verwenden Nach Neuordnung des Bundesvermögens übernahm die bundeseigene Kieler Howaldtswerke AG die Deutsche Werke Kiel AG. Diese Zusammenlegung war das Ende der DWK. Die Fusion beider Betriebe wurde bereits mit Wirkung vom 1. Juli 1955 wirksam. Am 30. April 1955 wurde durch Beschluss des Amtsgerichtes Kiel, die Deutsche Werke Kiel AG für erloschen erklärt.[9]
  • Stocks & Kolbe (1893 bis 1930): Eine kleinere Werft, die an der Wellingdorfer Seite der Schwentinemündung beheimatet war. Dort wurden bis 1929 gemäß den Baunummern 253 Schiffe mit bis zu 660 BRT gebaut. Von 1907 bis nach dem Ersten Weltkrieg gehörte auch die Düppelwerft in Sonderburg, heute Sønderborg/Dänemark, als Tochterunternehmen dazu. Nach dem Ausscheiden des Werftgründers Christian Stocks (1920) wurde das Unternehmen von Christian Kolbe alleine als Kolbewerft weiter geführt. Nach dem Tod von Kolbe im April 1930 wurde der Werftbetrieb zum 1. Juni 1930 beendet. Auf dem Werftgelände entstand nach dem Zweiten Weltkrieg ein Teil des Kieler Seefischmarkts.
  • Howaldtswerke (1889 bis 1926): Am 4. Mai 1889 schlossen sich dann die Maschinenfabrik Gebrüder Howaldt und die Georg Howaldt, Kieler Schiffswerft zu einer gemeinsamen Aktiengesellschaft zusammen die als Howaldtswerke in das Handelsregister eingetragen wurde. Firmensitz blieb Dietrichsdorf. Das Grundkapital der Gesellschaft betrug 2 Millionen Mark, aber bereits 1898 verdoppelte sich das Aktienkapital auf 4 Millionen Mark. Es folgte 1893 eine Beteiligung an einer Werft an der Adria in Fiume (Rijeka), die aber bereits 1903 wieder aufgegeben wurde. 1900 beteiligten sich die Howaldtswerke zur Sicherstellung von Materiallieferungen (Schiffbaubleche) an dem Stahl- u. Walzwerk Rendsburg. 1911 ging das Rendsburger Werk in Konkurs und wurde über eine Beteiligung der Howaldtswerke als Eisenhütte Holstein AG aufgefangen. Der Werftbetrieb musste für den Bau größerer Neubauten dringend ausgebaut und modernisiert werden. Ab 1889 wurde daher auch das Firmengelände vergrößert. So umfasste im Geschäftsjahr 1892/93 das Werftgelände schon bereits 4000qm. Ab 1895 begann man, nach dem Erwerb zusätzlicher Grundstücksflächen, mit einem totalen Werftausbau. Letztlich reichte das Werftgelände an der Kieler Förde in Richtung Mönkeberg bis an das Munitionsdepot. Im März 1896 wurde zur Finanzierung der geplanten Werfterweiterung eine Kapitalerhöhung vorgenommen. Ab 1908 beteiligte sich finanziell die Turbinenbau-Firma Brown, Boverie & Cie. an der Aktiengesellschaft Howaldtswerke. Auf Veranlassung des neuen Anteilseigners wird 1909 das Kapital der Aktiengesellschaft neu organisiert. Diese neue Strukturierung führt dazu, dass mehrere Mitglieder der Familie Howaldt aus dem Unternehmen ausscheiden. Nach dem Tode seines jüngsten Bruders Herrmann am 17. Mai 1900 übernehmen Georg Howaldt und sein 1870 geborener Sohn Georg die Leitung des Unternehmens. Am 10. Mai 1909 verstarb Georg Howaldt. Georg Howaldt jun. übernahm die Leitung des Betriebes und scheidet aber schon 1910 aus dem Unternehmen aus. Der Bau von Schiffen für die Kaiserliche Marine sicherte die Fortführung der Howaldtswerke. Obwohl in der Nachkriegszeit zwischen 1920 und 1924 für in Bau befindliche Schiffe staatliche Beihilfen zugesichert wurden, gerieten die Howaldtswerke in finanzielle Schieflage. 1921 wurden die Anteile der Howaldtswerke an der Eisenhütte Holstein AG an die Rombacher Hüttenwerke veräußert. Auch die Firma Brown, Boverie & Cie. verkauft ihre Aktienmehrheit an die Rombacher Hüttenwerke. Ein letzter Tanker wurde im Juli 1926 abgeliefert, neue Aufträge waren nicht in Sicht. Am 15.September 1926 beschloss eine außerordentliche Generalversammlung die Liquidation der Aktiengesellschaft Howaldtswerke.
  • Howaldtswerke Aktiengesellschaft Werk Kiel (1943 bis 1953): Die Kriegsmarinewerft in Kiel konnte wirtschaftlich nicht überzeugen. Daher gliederte die Kriegsmarine das Werk Kiel der Howaldtswerke wieder aus. Der Rückkauf der Kieler Werft und die erneute Vereinigung mit dem Hamburger Betrieb erfolgte zum 1. Juli 1943. Hamburg blieb Hauptsitz der Howaldtswerke Aktiengesellschaft Kiel und Hamburg. Adolf Westphal übernahm jetzt die kaufmännische Leitung der Kieler Stammwerft. Auf Vorschlag Westphals verständigte man sich auf den Verzicht einer zentralen Steuerung beider Werke. Sowohl Kiel als auch Hamburg wurden eigenständig geführt.
  • Howaldtswerke – Deutsche Werft AG, Hamburg und Kiel (1967 bis 1986): Ab Anfang der 1960er Jahre zeichnete sich ein Ende des Schiffbaubooms der 1950er Jahre ab. Die geringere Nachfrage nach Schiffsneubauten und der steigende Konkurrenzdruck der asiatischen Schiffbauindustrie führten zu erheblichen Marktanteilsverlusten für die westdeutschen Werften. Auch die Kieler Howaldtswerke Aktiengesellschaft, Kiel war von dieser Entwicklung betroffen. Um die internationale Wettbewerbsfähigkeit des bundesdeutschen Schiffbaus wiederherzustellen, wurde die Fusion westdeutscher Werften als Lösungsansatz auch vom Kieler Werftchef Adolf Westphal mit Nachdruck verfolgt. So kam es, dass mit Unterstützung der Bundesregierung bereits im Mai 1966 die Anteilseigner der drei Werften, Deutsche Werft AG, Hamburg, Howaldtswerke Hamburg AG, Hamburg und Kieler Howaldtswerke Aktiengesellschaft, Kiel eine entsprechende Absichtserklärung hinsichtlich einer möglichen Fusion der drei Werften unterzeichneten. Da die Anteilseigner sich über die Bewertung der finanziellen Beteiligungen an dem neuen Werftenverbund im vereinbarten Zeitrahmen nicht einigen konnten, wurde zunächst eine Betriebsführungsgesellschaft gegründet. Diese neue Gesellschaft pachtete und verwaltete die drei beteiligten Werften. Am 21. Dezember 1967 wurde das zur damaligen Zeit größte deutsche Schiffbauunternehmen, die Howaldtswerke – Deutsche Werft AG (HDW) mit Sitz in Hamburg und Kiel gegründet.
  • ThyssenKrupp Marine Systems Aktiengesellschaft (2005 bis 2013): Die ThyssenKrupp Marine Systems Aktiengesellschaft (TKMS) entstand 2005 durch den Zusammenschluss der ThyssenKrupp AG (Blohm+Voss Hamburg und Nordseewerke Emden) mit denen der Howaldtswerke-Deutsche Werft AG (HDW) und ihren Tochtergesellschaften (Kockums in Schweden, Hellenic Shipyard in Griechenland, Rendsburger Werft Nobiskrug). Das Konsortium, die ThyssenKrupp Marine Systems Aktiengesellschaft, hatte seinen Sitz in Hamburg. TKMS war eine eigenständige Business Unit innerhalb der ThyssenKrupp Technologies, die ihrerseits zur ThyssenKrupp AG gehörte. Im Januar 2005 nahm TKMS mit Sitz in Hamburg die Arbeit auf. Das Konsortium teilte sich in die Teilbereiche Unterwasserschiffbau in Kiel und Überwasserschiffbau in Hamburg auf. Neben dem Marineschiffbau ("graue Schiffe") befasst sich TKMS auch mit dem Handelsschiffbau ("weiße Schiffe"). Zwischen 2005 und 2012 erfolgt eine umfassende Neuorganisation der Geschäftsbereiche Zivil- und Marineschiffbau. 2011/2012 wird der Handelsschiffbau in Kiel und Hamburg ebenfalls veräußert.


Anmerkungen

  1. 1,0 1,1 Die deutsche German Naval Yards Holdings GmbH (GNYH) vereint die Werften German Naval Yards Kiel (vormals HDW), Lindenau (Kiel) und die Nobiskrug im Rendsburg. Wikipedia: „German Naval Yards Holdings“

Einzelnachweise

  1. Wikipedia: „Werft“
  2. Der blaue Weg: Kieler Schloss und Seegarten auf kiel.de, abgerufen am 06. Januar 2019
  3. Wikipedia: „Rudolf Reuter“
  4. Akten des Stadtarchivs Kiel, Signaturen 2879, 26672
  5. Kieler Schonerbrigg "Zwey Gebrüder" im Orkan bei Pulo Sabata Gemälde (um 1860) mit Beschreibung und weitere Informationen auf dem Museumsportal Museen Schleswig - Holstein & Hamburg, aufgerufen am 09. Februar 2019
  6. Conradi-Werft vor dem Kieler Schloss Gemälde von Heinrich Reimers(1899) mit Beschreibung und weitere Informationen auf dem Museumsportal Museen Schleswig - Holstein & Hamburg, aufgerufen am 09. Februar 2019; Akten des Stadtarchivs Kiel, Signaturen 18936, 1640, 19936, 9525, 43693, 21428, 26648
  7. Stadtpräsidentinnen und Stadtpräsidenten: Johann Schweffel 1796-1865 und Kieler Erinnerungstag: 1. Oktober 1838 Gründung der Maschinenfabrik und Eisengießerei Schweffel & Howaldt auf kiel.de, abgerufen am 06. Januar 2019
  8. Kieler Erinnerungstag: 23. Mai 1867 Errichtung einer Marinewerft in Ellerbek auf kiel.de, abgerufen am 06. Januar 2019
  9. Wikipedia: „Deutsche Werke Kiel (DWK)“
  10. Wikipedia: „Howaldtswerke-Deutsche Werft“; Wikipedia: „Kaiserliche Werft Kiel“ Wikipedia: „Germaniawerft“
  11. Wikipedia: „Gebr. Friedrich-Werft“
  12. Website der Yacht- und Bootswerft Rathje, abgerufen am 06. Januar 2019
  13. Wikipedia: „Lindenau Werft“
  14. Website der Knierim Werft, abgerufen am 06. Januar 2019
  15. Website der Yachtwerft Dick, abgerufen am 06. Januar 2019