Nord-Ostsee-Kanal

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Nord-Ostsee-Kanal von der Prinz-Heinrich-Brücke in Richtung Westen fotografiert. 2020.

Der Nord-Ostsee-Kanal (NOK; internationale Bezeichnung Kiel Canal, bis 1948 in Deutschland Kaiser-Wilhelm-Kanal) verbindet die Nordsee / Elbmündung mit der Ostsee (Kieler Förde). Diese Bundeswasserstraße[1] ist nach Anzahl der Schiffe die meistbefahrene künstliche Wasserstraße der Welt. 2012 passierten sie 34.690 Schiffe.[2]

Der Kanal durchquert auf knapp 100 km das Bundesland Schleswig-Holstein von Brunsbüttel bis Kiel-Holtenau und erspart den etwa 900 km längeren Weg um die Nordspitze Dänemarks durch Skagerrak und Kattegat.

Die erste Verbindung zwischen Nord- und Ostsee für seegängige Schiffe war der 1784 in Betrieb genommene und 1853 in Eiderkanal umbenannte Schleswig-Holsteinische Canal.[3]

Beschreibung[Bearbeiten]

Der Kanal gehört zu den spiegelgleichen Seekanälen und wird an beiden Enden durch Schleusen gegen die wechselnden Wasserstände (verursacht durch Gezeiten oder Windstau) der Nordsee und der Ostsee abgeschlossen. Die Endpunkte befinden sich in Brunsbüttel an der Elbe (km 0,38) und in Kiel-Holtenau an der Kieler Förde (km 98,64). Sie liegen 98,26 km auseinander (Luftlinie 85,5 km). Die Fließgewässerkennziffer 5978 ordnet den Kanal offiziell dem Flusssystem der Elbe zu.

Schleusen[Bearbeiten]

Die Schleusen in Holtenau

Die Schleusen an beiden Enden des Kanals, sowohl in Brunsbüttel als auch in Kiel-Holtenau, haben jeweils zwei kleine Schleusenkammern (Alte oder Kleine Schleuse) und zwei große Schleusenkammern (Neue oder Große Schleuse).

Geschichte[Bearbeiten]

Bereits im späten 14. Jahrhundert war durch den Stecknitz-Kanal eine schiffbare Möglichkeit geschaffen worden, von der Trave in die Elbe und damit von der Ost- in die Nordsee zu gelangen. Etwa 100 Jahre später wurde ein später wieder stillgelegter und in Teilen zugeschütteter Kanal zwischen dem Trave-Nebenfluss Beste und der Alster gebaut.

Seit dem 16. Jahrhundert hatte es eine Reihe von weiteren Plänen gegeben, die Nord- und die Ostsee durch eine künstliche Wasserstraße zu verbinden. Mit dem 1784 eröffneten Schleswig-Holsteinischen Kanal war schließlich eine 34 km lange Verbindung zwischen Holtenau und der Eider bei Rendsburg gebaut worden, die nach gut 100 Jahren den Anforderungen allerdings in keiner Weise mehr genügte.

Der Hamburger Reeder Heinrich Dahlström legte 1878 eine Denkschrift für eine Wasserstraße vor, die eine private Finanzierung vorsah. 1880 wurde er beauftragt, eine Trassenführung zu planen, die von der Elbmündung in die Kieler Förde führte. Am 16. März 1886 erklärte der Reichstag mit dem Gesetz betreffend die Herstellung des Nord-Ostsee-Kanals das Projekt zur Reichssache.

Am 3. Juni 1887 erfolgte die Grundsteinlegung durch Kaiser Wilhelm I. in Kiel-Holtenau; leitender Ingenieur war Otto Baensch. Bis zu 8900 Arbeiter bewegten circa 80 Mio. m³ Erdreich. Der Kanal war in dieser ersten Ausbaustufe an der Oberfläche 66,7 m, an der Sohle 22 m breit und 9 m tief.

Am 21. Juni 1895 konnte Kaiser Wilhelm II. nach acht Jahren Bauzeit den nach seinem Großvater „Kaiser-Wilhelm-Kanal“ benannten neuen Wasserweg eröffnen.

Bereits in den Jahren 1907 bis 1914 war eine erste Kanalerweiterung notwendig:

  • Der Kanal wurde um 2 m vertieft, die obere Breite von 66,7 m auf 102,5 m verbreitert und die Sohlenbreite von 22 m auf 44 m verdoppelt.
  • Im Zuge der Verbreiterung werden die Kurvenradien vergrößert. So wird die Kanalkurve zwischen Holtenau und Knoop begradigt.
  • In Kiel und Brunsbüttel werden die bisherigen Schleusenkammern von 125 m x 22 m um je zwei weitere Kammern von 310 m x 42 m ergänzt.
  • Der Kanal erhält die fünf "klassischen" Hochbrücken in Holtenau (Straße), Levensau (Straße/Eisenbahn), Rendsburg (Eisenbahn), Grünental (Straße) und Hochdonn (Eisenbahn).

Der Grund für die Erweiterung war nicht allein das gewachsene Verkehrsaufkommen, sondern auch die marinestrategische Bedeutung der Wasserstraße: Der Kanal diente der schnellen Verbindung zwischen den Marinebasen in Kiel und Wilhelmshaven. Ab 1906 baute England Schlachtschiffe von Dreadnought-Typ, die deutlich länger und breiter waren, als die bis dahin üblichen Linienschiffe. Deutschland hielt mit seinen Großlinienschiffen dagegen und musste den Kanal für diese Schiffe nutzbar machen.

1948 wurde der Kaiser-Wilhelm-Kanal in Nord-Ostsee-Kanal umbenannt, wie er schon in der Planungs- und Bauphase bezeichnet wurde; im internationalen Verkehr heißt er jedoch weiterhin „Kiel Canal“. Von 1965 bis 2000 wurde der Kanal zum zweiten Mal erweitert. Zum Schutz der Böschung wuchs die Breite an der Oberfläche von der Schleuse Brunsbüttelkoog bis zum Kanalkilometer 80 (Weiche Königsförde) auf 162 Meter. Auf der so genannten Oststrecke von dort bis zur Schleuse Holtenau von beließ man es zunächst beim Kanalquerschnitt von 1914, weil die Böschung dort hinreichend standfest war.

Dadurch fehlen dort Ausweichmöglichkeiten, so dass die Oststrecke zum Engpass geworden ist. Der Ausbau auf die Breite von 167 m soll dort ab 2020 erfolgen.

Bereits am 7. Oktober 2006 wurde das neue elektronische Verkehrslenkungssystem, in das 13,5 Mio. Euro investiert wurden, eingeweiht. Es hatte die Zentralisierung der Leitstelle in Brunsbüttel zur Folge.

Brücken, Fähren[Bearbeiten]

Kanalquerungen sind grundsätzlich für den querenden Verkehr kostenlos. Das heißt zum Beispiel nicht nur, dass die Fähren gratis benutzt werden können, auch bei Eisenbahnstrecken wird der Unterhalt der Brücken vom Bund bezahlt.

Mittlerweile gibt es zehn Hochbrücken und 14 Fähren über den Kanal. Vier der Brücken und eine der Fähren befinden sich in oder bei Kiel.

  • Doppelbrücke in Kiel-Holtenau:
    Die Brücken führen die B 503, die hier auch als innerstädtische Kieler Verkehrsverbindung dient, über den Kanal.
    Die östliche Brücke wurde 1969 bis 1972 neben der dort bereits seit 1912 bestehenden Prinz-Heinrich-Brücke erbaut. Dadurch bekam die Bundesstraße dort für jede Richtungsfahrbahn eine Brücke, damit sie den steigenden Straßenverkehr in die nördlich des Kanals liegenden Stadtteile Holtenau, Friedrichsort, Pries und Schilksee bewältigen konnte. Dies war insbesondere für die Segelolympiade 1972 in Schilksee notwendig geworden. Daher wird sie auch als Olympiabrücke bezeichnet
    Die westliche Brücke war ursprunglich eine Stahl-Fachwerk-Konstruktion, die ab 1909 durch Friedrich Voß gebaut worden war. Sie wurde in den Jahren 1992 bis 1995 durch eine Schwesterbrücke der Olympiabrücke ersetzt. Beim Abbruch der alten Brücke kam es am 2. August 1992 zu einem Unfall, als ein Kran unter der Last eines 40 m langen Fachwerk-Brückenteils abknickte, das 280 t schwere Stahlteil herunterfiel und dabei einen weiteren Kran mitriss. Kräne und Brückenteile fielen auf die Uferstraße am Holtenauer Kanalufer. Trotz des spektakulären Unfalls und der vielen Zuschauer, die am Sonntagabend die Demontage des Mittelteils der Brücke beobachten wollten, entstand nur Sachschaden.[4]
    Hauptartikel: Prinz-Heinrich-Brücke
  • Doppelbrücke bei Levensau:
    Die Brücken führen die B 76, die dort von Kiel nach Eckernförde führt, über den Kanal.
    Die historische Levensauer Hochbrücke von 1893/94 bekam 1980/83 eine Nachbarbrücke. Anders als in Holtenau nimmt die Neubaubrücke beide Fahrtrichtungen der bis Gettorf autobahnähnlich ausgebauten Bundesstraße auf, während die Straße auf der alten Brücke, über die auch die Eisenbahnlinie nach Eckernförde und Flensburg führt, zur Kreisstraße herabgestuft wurde.
    Die historische Brücke wurde bereits 1953/54 an die Erfordernisse des Verkehrs angepasst, indem die imposanten Brückenportale abgebrochen wurden, um die Straße zu verbreitern. Die Unterteile der ehemaligen Brückentürme dienen als Widerlager für den Fahrbahnträger und als Fledermaus-Überwinterungsquartier.
    Im Zuge der Kanalverbreiterung wird die Brücke erneuert werden. Dafür muss auch das nördliche Widerlager beseitigt werden, um Platz für den Kanal zu schaffen. Das südliche soll, wenn auch ohne statische Bedeutung für die neue Brücke, als Fledermausquartier erhalten bleiben.
    Hauptartikel: Levensauer Hochbrücke
  • Personenfähre Holtenau:
    Die kleinste Kanalfähre und gleichzeitig die einzige, die nur Fußgänger und Fahrräder transportiert, verbindet die Wik mit Holtenau. Die auf dieser Route seit dem Mai 1984 verkehrende Adler I darf maximal 49 Passagiere und 24 Fahrräder transportieren und wird wegen ihres kantigen Aufbaus von den Holtenauern liebevoll als "Schuhkarton" bezeichnet.
    In Holtenau gab es nach dem Bau des Kanals zunächst eine Prahmdrehbrücke, um die vom Kanal unterbrochene Verkehrsverbindung in die Wik wieder herzustellen. Nach dem Bau der Prinz-Heinrich-Brücke erstritten sich die Bewohner Holtenaus, dass sie trotz der Brücke eine Fähre erhalten sollten, um nicht den Umweg über die Brückenrampen nehmen zu müssen. Dabei sollte es sich um ein "Fährboot aus Eichenholz mit einem 10-pferdigen Benzin-Motor und einer Beförderungskapazität von 25 Personen" handeln. Die Fähre war anfangs nur für die direkten Anwohner kostenlos, für andere aufgrund der existierenden Brückenverbindung kostenpflichtig. Diese Kostenpflicht entfiel 1977. Die Kosten trägt die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes.
    Anfang 1977 wurde die Fähre Wik durch die neu gebaute Fähre Hubert ersetzt. Am Abend des 28. Januar wurde diese bei einer Kollision mit einem Frachter versenkt, wobei ein Passagier ums Leben kam. Daraufhin versah die Wik die Verbindung erneut bis 1983. Nach der Ausmusterung der Wik setzte die Nordstrander, heute Sylter, Reederei Paulsen dort zunächst für einige Monate ihre Adler III ein. Diese wurde ab Mai 1984 durch die nach Vorgaben der Kieler Verkehrsplanung neu gebaute Adler I ersetzt.[5][6]
    Die Stadt Kiel möchte die Fährverbindung gerne in eine künftige Premium-Veloroute 2 einbinden. Dem stehen allerdings das geringe Platzangebot für Fahrräder und der nicht mehr zeitgemäße Dieselantrieb entgegen. Der Vertrag mit dem Betreiber der Fähre läuft Ende 2024 aus. Die Stadtverwaltung hat daher in einem Letter of Intent (LOI) mit der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung vereinbart, eine gemeinsame Planung für den anschließenden Betrieb unter den sich verändernden Anforderungen vorzunehmen.[7][8]

Ökologie[Bearbeiten]

Der Bau des Kanals hatte insbesondere schwere Auswirkungen auf den Wasserhaushalt der Eider. Diese wurde durch den Kanalbau von ihrem Oberlauf abgeschnitten. Dadurch verringerte sich insbesondere die Strömung Richtung Meer. Der Einfluss der Nordsee wurde dominant, Deiche zur Sturmflutsicherung mussten bis Rendsburg gebaut werden. Zudem trägt der Flutstrom mehr Sedimente, insbesondere Faulschlamm in die Eider, als die Ebbe und die nun wesentlich schwächere natürliche Strömung wieder heraustragen, der Fluss drohte zu versanden, was wiederum das Sturmflutrisiko erhöhte. Durch den Bau der Schleuse Nordfeld 1937 konnte das Problem für den Mittellauf der Eider gelöst werden, insgesamt hat sich der Wasserhaushalt der Eider jedoch bis heute nicht vom Kanalbau erholt.

Ähnliche Auswirkungen hatte der Bau auch auf andere vom Kanal durchtrennte Fließgewässer, etwa die Wilsterau, die zunehmend verschlickt, oder die Holstenau, die ungefähr parallel zum Kanal verläuft und durch ihn in drei Teile getrennt wurde. Auch die Gieselau wurde vom NOK durchtrennt.

Touristik[Bearbeiten]

Der befestigte Betriebsweg am Kanal ist für Fußgänger und Radfahrer freigegeben und ermöglicht beidseitig nahezu auf voller Länge steigungsfreie Radtouren in nächster Nähe zu den Schiffen. Das Übersetzen auf die jeweils andere Kanalseite mit einer der zahlreichen Fähren ist kostenlos. Dies hatte bereits Kaiser Wilhelm in einer Anordnung verfügen lassen, um eine größere Akzeptanz in der Bevölkerung zu erreichen, da die künstliche Wasserstraße ältere Verkehrswege durchschneidet.

Die Radwege am Nord-Ostsee-Kanal sind Teil der im Mai 2004 eröffneten Deutschen Fährstraße, einer rund 250 Kilometer langen Ferienstraße, die von Bremervörde an der Oste bis Kiel führt.

Bilder[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Verzeichnis E, Lfd.Nr.38 der Chronik, Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes
  2. nach Angaben der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Nord
  3. Wikipedia: „Nord-Ostsee-Kanal“
  4. Zwei Videos Video 1, (2:48 Minuten) und Video 2 (5:17 Minuten) zum Unfall beim Brückenabriss, bei YouTube, abgerufen am 7. Februar 2019
  5. Kieler Nachrichten vom 15. Juni 2020 (Druckausgabe)
  6. Mehr zur Geschichte der Fähre bei apt-holtenau.de, abgerufen am 18. Juni 2020
  7. Drucksache 0487/2020 zu TOP 12.15 der Ratsversammlung am 11. Juni 2020
  8. Geschäftliche Mitteilung des Letter of Intent in der Ratsversammlung am 11. Juni 2020