Levensauer Hochbrücke

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Die alte (vorn) und neue Levensauer Hochbrücke, 2017

Unter der Bezeichnung Levensauer Hochbrücke werden heute zwei nebeneinanderliegende Brücken verstanden, die den Nord-Ostsee-Kanal im Kieler Stadtteil Suchsdorf überqueren.

Ausblick nach Westen über den Nord-Ostsee-Kanal, 2017

Alte Levensauer Hochbrücke[Bearbeiten]

Die westliche, ältere der beiden Brücken liegt im Verlauf der Eckernförder Straße. Sie wurde in den Jahren 18931894 als kombinierte Eisenbahn- und Strassenbrücke erbaut und hat eine Länge von 180 m. Die Grundsteinlegung erfolgte am 21. Juni 1893, die Einweihung am 3. Dezember 1894. Sie galt damals als größte Schweißeisenbrücke Deutschlands.

Bis 1915 benutzte der Straßenverkehr mit den Zügen eine gemeinsame Trasse; für den Zugverkehr wurde damals die Straße nach Bedarf durch Schlagbäume gesperrt. Bereits 1928 war eine grundlegende Sanierung der Brücke erforderlich, weil sich die Brücke gesenkt hatte und mehrere Zentimeter tiefe Risse im Mauerwerk der Türme entstanden waren. 1938 sollte die Brücke eigentlich 3 km weiter westlich durch eine neue Brücke ersetzt werden. Das konnte kriegsbedingt nicht mehr geschehen. 1953/54 wurde die Brücke an die Erfordernisse des gestiegenen Straßenverkehrs angepasst, indem die Fahrbahn verbreitert, die Tragfähigkeit der Brücke von 22 auf 60 Tonnen vergrößert und die von Hermann Muthesius entworfenen Portaltürme beseitigt wurden.[1]

Als Straßenbrücke lag die Brücke bis zum Bau der östlichen Brücke (s. u.) im Verlauf der Bundesstraße 76, seitdem führt nur noch die Kreisstraße 27 über die Brücke; als Eisenbahnbrücke ist sie Teil der Bahnlinie Kiel-Eckernförde-Flensburg. Die Brücke hat einen stählernen Fachwerkbogen, der von der Fahrbahntafel geschnitten wird. Sie ist begehbar und bietet in Richtung Westen einen guten Fotografierstandort.[2]

Neue Levensauer Hochbrücke[Bearbeiten]

Die östlich danebenliegende "neue" Brücke wurde 1980-1983 erbaut, hat eine Länge von 365 m und ist in Form eines stählernen Hohlkastens erstellt. Sie liegt im Verlauf des vierspurig ausgebauten Olof-Palme-Damms, übernahm mit ihrer Inbetriebnahme die Kanalquerung der Bundesstraße 76 und ist in ihrer Funktion als Kraftfahrstraße nicht begehbar.[3]

Fledermaus-Überwinterungsquartier[Bearbeiten]

Die westliche Brücke büßte 1953/54 zwar ihre Türme ein, soweit sie die Fahrbahn überragten, nicht aber die Turmfundamente. Diese bilden an den beiden Kanalufern gemauerte Widerlager für die Brücke, in denen sich jeweils eine Halle mit Fensteröffnungen befindet. Beide Widerlager dienen Jahr für Jahr etwa 6000 Fledermäusen als Winterquartier. Die Tiere können durch die Fenster einfliegen und überwintern in den Dehnungsspalten des Mauerwerks, die nur etwa 2 cm breit, aber einen Meter tief sind. Das Brückenlager galt als größtes bekanntes Winterquartier für Fledermäuse im Mitteleuropa. Dort überwintern Große Abendsegler, Zwerg-, Wasser-, Teich-, Fransen- und Breitflügelfledermäuse.[4]

Neubauplanung[Bearbeiten]

Der Modernisierung im Jahr 1954 fielen die burgartigen Turmbauwerke an den Brückenportalen zum Opfer, weil es notwendig geworden war, die Straßendurchfahrt für den gestiegenen Verkehr zu verbreitern. Mittlerweile steht die Brücke aber im Ganzen der geplanten Verbreiterung des Kanals im Wege, der inzwischen den größer gewordenen Containerschiffen nicht mehr genug Ausweichmöglichkeiten bietet. Dafür muss die Brücke bis 2024 vollständig erneuert werden. Der Neubau soll wie die vorhandene Brücke außer der Fahrstraße einen Fuß- und Radweg sowie ein Eisenbahngleis bekommen.

Dabei soll sich die Kanalverbreiterung auf das nördliche Ufer beschränken und das südliche Widerlager erhalten bleiben. Projekte zur Umsiedlung der im Nordlager heimischen Fledermäuse sind noch nicht abgeschlossen, weil inbesondere der Große Abendsegler auf seinem angestammten Platz beharrt.

Verkehrseinschränkungen 2019[Bearbeiten]

Wegen der Sanierung des zu erhaltenden südlichen Widerlagers muss die Brücke zunächst von April bis August 2019 für den Kraftfahrzeugverkehr gesperrt werden. Als Umleitung steht die östliche Brücke zur Verfügung; obwohl eigentlich Kraftfahrstraße, darf sie dann auch von Fahrzeugen unter 60 km/h befahren werden. Für Radfahrer und Fußgänger war sie nur im Frühjahr nicht passierbar, es gab dann aber einen kostenlosen Buspendelverkehr. Statt des Zugverkehrs über die Brücke gibt es während der Sommerferien (1. Juli bis 18. August) zwischen Kiel und Eckernförde einen Schienenersatzverkehr.

Bilder[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Levensauer Hochbrücke – Sammlung von Bildern

Karte „Levensauer Hochbrücke“ auf dem Online-Stadtplan der Stadt Kiel, aufrufbar auf kiel.de

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kieler Nachrichten vom 16.09.2015
  2. Die Levensauer Hochbrücke auf apt-holtenau.de, abgerufen 03.12.2017
  3. Die Brücken über den Nord-Ostsee-Kanal auf karl-gotsch.de, abgerufen 03.12.2017
  4. Mehr zum Fledermaus-Winterquartier bei nabu.de, gelesen am 11. Oktober 2017