Georg Howaldt, Kieler Schiffswerft

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Georg Ferdinand Howaldt**

Georg Ferdinand Howaldt (geb. 24. März 1841 in Kiel, gest. 10. Mai 1909 in Wildbad); war der zweite Sohn der Eheleute August Ferdinand & Emma Petra Howaldt geb. Diederichsen. Sein älterer Bruder August Ferdinand Howaldt verstarb bereits 1838 kurz nach seiner Geburt. Von den drei verbliebenen Söhnen des Ehepaares Howaldt war Georg Ferdinand von der Idee des Eisenschiffbaus überzeugt. Da er seine Vorstellungen in der väterlichen Firma (Schweffel & Howaldt) nicht verwirklichen konnte gründete er 1865 eine eigene Werft auf dem Ostufer am Ellerbeker Strand. Während seiner beruflichen Tätigkeit in Kiel wurde Georg Howaldt zu einer herausragenden Persönlichkeit des Kieler Wirtschaftslebens. ** Quellen: www.treffpunkt-howaldt.de

    • Familienforschung Heinz Howaldt, Brief Emma Heesch geb. Howaldt an Heinz Howaldt, Februar 1919
    • Familienforschung Heinz Howaldt, Brief Alwine-Antonie Howaldt geb. Bammel an Heinz Howaldt, Februar 1856
    • Familienforschung Heinz Howaldt, Brief Johanne Grave geb. Bammel an Heinz Howaldt, Januar 1920
    • 125 Jahre Kieler Howaldtswerke, 1963 Hrsg. Kieler Howaldtswerke Aktiengesellschaft Kiel, Manuskript Hellmut Kleffel

Georg Howaldt wurde mit dem Ehrentitel eines (preußischen) Kommerzienrats ausgezeichnet. Er war dreimal verheiratet. Aus diesen Ehen gingen insgesamt 12 Kinder hervor. Georg Howaldt und Familie bewohnten im Jahre 1907 das Haus Düsternbrooker Weg 75**. ** Quellen: **Kieler Adressbuch K.A.B., 1907. Seite 479, Howaldt, Georg, Kommerzienrat, Director Howaldtswerke, Düsternbrook 75 (FA26) Er verstarb am 10. Mai 1909 in Wildbad und wurde auf dem Kieler Südfriedhof beigesetzt. Rund 500 Schiffe wurden bis zu seinem Tod auf der von ihm gegründeten Werft gebaut. Die von Georg Howaldt gegründete Werft gehörte zum Zeitpunkt seines Ablebens neben Kaiserlicher Werft und Germaniawerft zu den drei größten Schiffbauplätzen an der Kieler Förde.

Der Schiffbauer

Georg Ferdinand Howaldt besuchte die Kieler Gelehrtenschule und erlernte bei der Firma Schweffel & Howaldt den Maschinenbau. Nach der Ausbildung sammelte er weitere Berufserfahrung bei der englischen Schiffswerft und Maschinenfabrik Summers and Day in Southampton. Diesen praktischen Tätigkeiten folgte ein längeres Studium, zunächst von 1861 bis 1864 am Polytechnikum in Zürich und dann ein Schiffbaustudium an der Gewerbeschule in Hamburg. Nach erfolgreichem Abschluss nahm er seine Tätigkeit bei Schweffel & Howaldt wieder auf. Bedingt durch seine bisherige Ausbildung sah Georg Howaldt seine berufliche Zukunft aber im modernen Schiffbau. Anmerkung: Im Vergleich mit der britischen Werftindustrie waren die deutschen Schiffbauer bis 1865 nicht auf den Eisenschiffbau vorbereitet. Der Bau von hölzernen Schiffen war die primäre Ausrichtung der Deutschen – und somit auch der Kieler Schiffbaubetriebe. Im Sommer 1865 gründete Georg Howaldt auf dem ehemaligen Marineplatz in Kiel Ellerbek eine eigene Werft und begann dort mit dem Eisenschiffbau. Noch im gleichen Jahr lief der Dampfer Vorwärts (93 BRT) vom Stapel. Der Kieler Reeder Christian Ahrens setzte den Dampfer zwischen Kiel und Kappeln ein. Weil der Preußische Fiskus den Bauplatz für den Ausbau der Werft in Ellerbek benötigte, musste Georg Howaldt bereits 1868 sein Werftgelände wieder räumen. Am 16. April 1867 gründeten, nach einem missglücktem 1. Versuch, englische Geschäftsleute unter Beteiligung des Bankhauses Ahlmann erneut die Norddeutsche Schiffbau Aktiengesellschaft (NSAG), mit Firmensitz in Gaarden. Zu den Aktionären der neuen Werft gehörten neben Georg Howaldt auch sein Vater August Ferdinand Howaldt und Johann Schweffel. Von 1867 – 1875 war Georg Howaldt leitender Direktor der NSAG. Ihm gelang es mit verschiedenen deutschen Kunden (z.b. Sartori & Berger, Geb. Lange, Krupp, Bugsier, HAPAG usw.) Neubauaufträge für die NSAG abzuschließen. Die Ablieferung des ersten Neubaus mit der Bau-Nr. 1, der Fracht- und Passagierdampfer Holsatia für die Reederei Sartori & Berger erfolgte daher schon im Juni 1868. Die Rechnung von Georg Howaldt ging auf, denn für das Geschäftsjahr 1868/69 konnte wenigstens ein bescheidener Gewinn verbucht werden. Im Jahre 1876 verließ auf eigenen Wunsch Georg Howaldt die NSAG. Bis 1879 wurden insgesamt 83 Schiffe bei der NSAG auf Kiel gelegt, unter anderem auch die Kaiserjacht Hohenzollern, deren Fertigstellung sich jedoch bis 1880 verzögerte. Trotz aller Bemühungen musste am 29. März 1879 die Norddeutsche Schiffbau AG Konkurs anmelden. Auch August Ferdinand Howaldt beteiligte sich an dem Versuch, einen drohenden Konkurs der Norddeutschen Schiffbau AG mittels einer außergerichtlichen Liquidation zu verhindern. Die Zahlungsunfähigkeit war nicht mehr abzuwenden und die Werft meldete im Frühjahr 1879 Konkurs an. Auch der Vater von Georg Howaldt, August Ferdinand Howaldt büßte durch den Konkurs der NSAG erhebliches Kapital ein.

Freunde drängten Georg Howaldt als selbstständiger Unternehmer seine bisherigen Schiffbauaktivitäten (Schiffswerft in Ellerbek (1865-1868) wieder aufzunehmen. Er übernahm das von Reuter am nördlichen Ufer der Schwentine erworbene 440m² große Grundstück und gründete am 1. Oktober 1876 in Dietrichsdorf sein eigenes Unternehmen, die Firma Georg Howaldt, Kieler Schiffswerft. Die neue Werft nahm bereits im November 1876 den Betrieb auf. Zunächst wurden auf der Werft 95 Arbeiter beschäftigt. Da die Kieler Schiffswerft sehr schnell expandierte, umfasste 1883 die Betriebsfläche aber schon 6600m² und auf der Werft waren bereits 1195 Arbeiter beschäftigt.

Schiffswerft Reuter & Ihms

Auf dem Vorstrand am Kieler Schloss in Höhe der Damenstraße / Wall (Seegarten)befand sich zwischen 1842 und 1885 die von den Schiffbaumeistern Gebrüder Ihms und Reuter gegründete Schiffswerft Reuter & Ihms. 1859 lieferte die Werft lieferte ihr erstes Frachtschiff ab und baute bis 1876 noch zahlreiche, weitere Segelschiffe für hiesige Reeder. Da die Umstellung auf den Eisenschiffbau anstand, erwarb der Schiffbaumeister Reuter zusätzlich zu dem Werftgelände auf dem Westufer ein weiteres Betriebsgelände am nördlichen Ufer der Schwentine in Dietrichsdorf. Neben dem Gelände zur Betriebserweiterung führte Reuter auch Gespräche die alten, nicht mehr benutzten Schleusen bei Holtenau als Trockendocks zu nutzen. Da Reuter aber am 25. September 1871 bei einem Bootsunfall tödlich verunglückte wurden die Expansionspläne nicht mehr verfolgt. Somit konnte Georg Ferdinand Howaldt das 440m² große Grundstück am nördlichen Ufer der Schwentine von der Schiffswerft Reuter & Ihms übernehmen. Die Gebrüder Ihms hielten sich bis 1885 mit Reparaturarbeiten an Frachtseglern über Wasser. Dann errichteten sie eine schwimmende Schiffsschmiede für die Fertigung von Dampfkessel.

Auf dem von der Werft Reuter & Ihms übernommen übernommenen 440m² großen Grundstück gründete Georg Howaldt in Dietrichsdorf am 1. Oktober 1876 die Georg Howaldt, Kieler Schiffswerft. Der neu gegründete Betrieb beschäftigte zunächst 95 Arbeiter. Die von Georg Howaldt gegründete Kieler Schiffswerft arbeitete sehr erfolgreich. Das junge Unternehmen expandierte sehr schnell. Maschinen und Zubehör für die Schiffsneubauten bezog die Werft zunächst von der Maschinenbauanstalt Schweffel & Howaldt und nach Ausscheiden der Familie Schweffel von der Maschinenfabrik Gebrüder Howaldt. Bis 1882 hatte die Werft schon 75 Neubauten mit einer Tragfähigkeit von 12.723RT abgeliefert. Den hundertsten Stapellauf feierte die Werft bereits am 14. August 1883. Es war der Frachtdampfer „Emma“ für die Reederei Sartori & Berger. Zur Probefahrt am 12 September 1883 erschien als Gast auch Johannes Schweffel. Auf der ersten Reise nach Libau strandete die „Emma“, konnte aber auf der Bauwerft wieder instandgesetzt werden. Die Werft expandierte weiter. Sie umfasste insgesamt fünf Helgen. 1884 gründete Georg Howaldt die Kieler-Dampfer-Compagnie. Ziel dieser Gesellschaft war der Betrieb von zwei Frachtdampfern Arnold und Kiel. Die Arnold war ein Neubauauftrag von einer Stettiner Reederei die Konkurs anmelden musste. Howaldt baute die Arnold fertig und erbaute dann auch auf eigene Rechnung den Frachtdampfer Kiel. Beide Neubauten wurden der neu gegründeten Reederei angegliedert. Nach einer kurzfristigen Schiffbaukrise ab 1886 konnte sowohl die Kieler Schiffswerft und die Maschinenfabrik ab 1887 wieder einen steigenden Auftragseingang verbuchen. An dem zu erwartenden Aufschwung wollten auch die Arbeiter beider Betriebe ihren Anteil haben. Im März 1888 kam es zu einem Streik, der dann nach sieben Wochen aber ergebnislos abgebrochen wurde. Ab dem Spätsommer 1888 verschlechterte sich das Verhältnis zwischen den Brüdern Georg und Bernhard Howaldt deutlich. Bernhard Howaldt schied aus der Betriebsleitung der Maschinenfabrik Gebrüder Howaldt aus. Das Ausscheiden von Bernhard Howaldt machte den Weg für einen Zusammenschluss der beiden Betriebe Gebrüder Howaldt, Maschinenfabrik und Georg Howaldt, Kieler Schiffswerft frei.

Nach der Insolvenz der NSAG schieden sowohl August Ferdinand Howaldt wie auch Johann Schweffel aus der Maschinenbauanstalt Schweffel & Howaldt aus. Am 30. Dezember 1879 verließ auch Johann Schweffel jun. die Maschinenbauanstalt. Die drei Söhne von A. F. Howaldt, Georg, Bernhard und Hermann Howaldt übernahmen gemeinsam das Unternehmen, das als Maschinenfabrik Gebrüder Howaldt fortgeführt wurde. Die Werkstätten auf dem Westufer, Gießerei am kleinen Kiel und Kesselschmiede auf Rosenwiese erwiesen sich bald als zu klein. Daher fasste man den Entschluss neben dem Gelände der Kieler Schiffswerft zwischen 1880 und 1884 eine neue Maschinenfabrik zu errichten. Die Brüder Howaldt erwarben zusätzlich insgesamt 144.248m² Grundstücksfläche, wobei aber lediglich 32.762m² für die neuen Betriebsstätten vorgesehen waren. Die restlichen Grundstücksflächen dienten der Errichtung von neuen Arbeitersiedlungen. (Ortsteil neu Dietrichsdorf). Im Herbst 1881 verlegte man die Kesselschmiede nach Dietrichsdorf. Es folgten Maschinenbauhalle und Eisengießerei. Im Mai 1883 nahm dann die neue Maschinenfabrik ihren Betrieb auf. Als letztes nahm 1884 die noch heute existente Metallgießerei den Betrieb auf.

Um auch Neubauten in einem Dock untersuchen und auch Reparaturen am Unterwasserschiff ausführen zu können bauten die Maschinenfabrik Gebrüder Howaldt und die Georg Howaldt, Kieler Schiffswerft auf gemeinschaftliche Rechnung ein Schwimmdock. Für den Dockbetrieb wurde 1884 eine eigenständige Aktiengesellschaft, die Swentine-Dock-Gesellschaft, gegründet.

Ab dem 22. Juni 1889 vereinten sich die [[Georg Howaldt, Kieler Schiffswerft und die Maschinenfabrik Gebrüder Howaldt zu einer gemeinsamen Aktiengesellschaft. Diese Gesellschaft wurde als Howaldtswerke ins Handelsregister eingetragen. Firmensitz war das Gelände in Dietrichsdorf an der Mündung der Schwentine auf dem dann bis 1983 Schiffbau betrieben wurde.Bis zur Jahrhundertwende konnten die Howaldtswerke bereits 390 Neubauten abliefern. Die Brüder Georg und Herrmann Howaldt übernahmen als Vorstandsmitglieder die Leitung der neuen Aktiengesellschaft. Der Aufsichtsrat wurde von Konsul F. Mohr, Kiel geleitet. Weitere Mitglieder waren Justizrat Henrich Meyer, Kiel und Carl Diederichsen, Hamburg. Die Durchführung der anstehenden organisatorischen Veränderungen übernahm auf Wunsch der beiden Vorstandsmitglieder ab dem 01. Oktober 1889 Friedrich Gottlieb Urlaub. Als Prokurist, Vorstands- und Aufsichtsratsmitglied blieb Urlaub fast ein halbes Jahrhundert der Werft, auch in schwierigen Zeiten der Werft treu verbunden. Trotz aller Schwierigkeiten verstanden es die Howaldtswerke bis zum Geschäftsjahr 1903/04 schwarze Zahlen auszuweisen. Wiederum musste aber die Werft für den Bau größerer Neubauten dringend ausgebaut und modernisiert werden. Ab 1889 wurde daher, neben kleineren Investitionen an den Fertigungsstätten auch das Firmengelände vergrößert. So umfasste im Geschäftsjahr 1892/93 das Werftgelände schon bereits 4000m². Ab 1895 begann man, nach dem zusätzliche Grundstücke erworben wurden, wegen der veränderten Schiffsgrößen dann mit einem totalen Werftausbau. Letztlich reichte das Werftgelände an der Kieler Förde in Richtung Mönkeberg bis an das Munitionsdepot. Im März 1896 wurde zur Finanzierung der geplanten Werfterweiterung eine Kapitalerhöhung vorgenommen. Die an der Schwentine gelegenen Helgen ließen nur maximale Schiffslängen von 100m zu. Am Ufer der Kieler Förde entstanden daher zusätzlich 4 größere Helgen. Zusätzlich wurden 3 Helgen mit noch größeren Dimensionen bereits geplant. Der erste von den zusätzlichen Helgen wurde bereits 1895/96 fertig. Auf den neuen Helgen liefen die Schiffe in Richtung Norden in die Kieler Förde vom Stapel. Im Jahr 1900 waren die 4 Helgen bereits fertiggestellt und erlaubten den Bau von Schiffen mit einer maximalen Länge von 230m.Für diese Investition war eine Summe von 1,6 Millionen Mark erforderlich. Für den Bau von großen Überwasserschiffen für die kaiserliche Marine wurden 1909 die neuen Helgen mit einem Helgengerüst mit einer Kranlänge von 175m ausgestattet. Der Ausrüstungskai wurde mit einem 150t tragenden Drehkran ausgestattet. Dieser Kran war auf der Weltausstellung von Paris eine Sensation und lange ein Wahrzeichen der Howaldtswerke. Ab 1908 beteiligt sich dann die Turbinenbau-Firma Brown, Boverie & Cie. finanziell an den Howaldtswerken. Auf Veranlassung des neuen Anteilseigners wird 1909 das Kapital der Aktiengesellschaft neu organisiert. Diese neue Strukturierung führte dazu, dass mehrere Mitglieder der Familie Howaldt aus dem Unternehmen ausscheiden mussten. Nach dem Tode seines Bruders Herrmann am 17. Mai 1900 übernehmen Georg Howaldt und sein 1870 geborener Sohn August Jacob Georg Howaldt die Leitung des Unternehmens. Am 10. Mai 1909 verstarb Georg Howaldt. Georg Howaldt jun. übernimmt die Leitung des Betriebes und scheidet aber schon 1910 aus dem Unternehmen aus. Anmerkung: Von der Georg Howaldt Kieler Schiffswerft und der Maschinenfabrik Gebrüder Howaldt steht heute nur noch die 1884 durch den Kieler Architekten Moldenschardt, errichtete Alte Metallgießerei.

Literaturverzeichnis

Bock, B. (1988). Gebaut bei HDW 150 Jahre Howaldtswerke Deutsche Werft AG. Herford: Köhler. Brustat-Naval, F. (1973). zwischen Ostsee und Ostasien, Aus der Kieler Schifffahrtsgeschichte, Die Förde Schifffahrt: Zwischen Ost- und Westufer, S. 66 ff. (H. J. MKStG 60, Hrsg.) Herford: Köhlers Verlagsgesellschaft mbH. Ostersehlte, C. (2003). Das 100. Schiff - Ein Werftjubiläum von 1883 (Georg Howaldt). Bremerhaven: Deutsches Schifffahrtsarchiv Nr. 26, S. 193-216. Ostersehlte, C. (2004). Von Howaldt zu HDW. Hamburg: Koehlers Verlagsgesellschaft mbH. Ostersehlte, C. (2014). Schiffbau in Kiel. Kleine Werftengeschichte, von den Anfängen bis zur Gegenwart. (Bd. SVGKStG Band 74). (J. Jensen, Hrsg.) Husum: Husum Druck- und Verlagsgesellschaft mbH u. Co. KG. Radunz, K. (1957). Kieler Werften im Wandel der Zeiten. Kiel: Mitteilungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte 1957 Heft 1/2 Seite 171 / 187.