Sternwarte Kiel

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FH-Hochhaus in Dietrichsdorf mit der weißen Kuppel der Sternwarte

Die jetzige Sternwarte Kiel der Fachhochschule Kiel befindet sich am Sokratesplatz 2. An der Sternwarte werden regelmäßig öffentliche Himmelsbeobachtungen durchgeführt.

Geschichte[Bearbeiten]

Schradersche Sternwarte[Bearbeiten]

Der aus Braunschweig 1790 nach Kiel gekommene Professor Johann Gottlieb Friedrich Schrader (* 1753; † 1832 oder -33) hielt an der Kieler Universität physikalische Vorlesungen und zeigte sich gleichzeitig als Erbauer von Spiegelteleskopen. Solche Teleskope waren damals stark nachgefragt, seit 1781 durch Friedrich Wilhelm Herschel der Planet Uranus entdeckt worden war. Es war nicht unüblich, dass sich Astronomen damit einen Nebenverdienst schafften. Schrader stellte die parabolischen Teleskopspiegel selber her und ließ die weiteren Tischler- und Mechanikerarbeiten von Handwerkern ausführen.

Von 1792 bis 1793 besuchte Schrader für neun Monate den Astronomen Johannes Hieronymus Schroeter in Lilienthal bei Bremen, der dort eine eigene Sternwarte mit Teleskopen aus der Herschelschen Spiegelmanufaktur besaß. In Lilienthal fertigte Schrader eine Reihe von Teleskopen für unterschiedlich Astronomen in Deutschland und Dänemark. Darunter auch ein Instrument für Schröter, der damit das größte Spiegeltelekop auf dem europäischen Festland besaß.

1793 nach Kiel zurückgekehrt, begann Schrader mit der Anfertigung eines Spiegels für eigene Zwecke, der für ein Teleskop bestimmt war, welches das Schrötersche noch übertreffen sollte. Für die Aufstellung des Instruments fand Schrader einen Platz in Gaarden in der Nähe der Kieler Förde. Dort entstand in Anlehnung an die Schrötersche Sternwarte und unter Verwendung von Herschelschen und eigenen Konstruktionsdetails ein hölzerner Sternwartenbau, der als "bizarre Kreuzung aus Bockwindmühle, Hafenkran und Sternwarte" beschrieben wird. Eine sechseckige, Beobachtungskabine konnte auf einem feststehenden Bock in alle Richtungen gedreht werden und besaß einen Kranausleger, an dem das Telekop so befestigt war, dass es in der Höhe ausgerichtet werden konnte. Die gesamte Anlage erhob sich etwa 10 m über den Boden und maß ebensoviel in der Horizontalen, von der Kranspitze bis zu den Gegengewichten.

Der Hauptspiegel, der ursprünglich 47,5 cm Durchmesser bekommen sollte, wurde dann aber mit 33,2 cm deutlich kleiner ausgeführt, um Kosten zu sparen und um das Instrument schneller fertig stellen zu können. Die Brennweite, die im Wesentlichen die Länge des Teleskoptubus bestimmt, betrug 7,60 m. Damit war das Lilienthaler Instrument zwar in der Brennweite, aber nicht im Durchmesser übertroffen. So konnte das Schradersche Teleskop zwar eine stärkere Vergrößerung liefern, das aber bei geringer Lichtstärke. Dennoch war es das drittgrößte seiner Zeit.

1798 folgte Schrader einem Ruf in die damalige russische Hauptstadt St. Petersburg wo er offenbar mit geringem Erfolg teils als Professor, teils als physikalischer Instrumentenbauer tätig war. Über das weitere Schicksal seiner Kieler Sternwarte und des Fernrohrs ist nichts bekannt. Wahrscheinlich wurde das Gebäude bald nach seinem Weggang zur Wiederverwendeung des Holzes abgebaut. Vom Teleskop sind keine Reste erhalten und nicht einmal der genaue Standort ist heute noch feststellber, nachdem Gaarden durch die Ansiedlung der Werften grundlegend verändert wurde.[1]

Universitätssternwarten[Bearbeiten]

Ehemalige Königliche Sternwarte der Universität Kiel

Im Jahre 1873 wurde die erste Sternwarte Kiel, die Universitätssternwarte, auf dem Linsberg an der Keplerhöhe (jetzt Sternwartenweg) errichtet.

Im Jahr 1821 gründete Heinrich Christian Schumacher (1780-1850) in Altona auf Geheiß des dänischen Königs die Astronomischen Nachrichten, die älteste existierende astronomische Fachzeitschrift der Welt, und errichtete dort 1822 eine Sternwarte.[2] Nach der Abtrennung Altonas von Dänemark im Jahre 1866 wurden die Sternwarte und der Sitz der Astronomischen Nachrichten nach Kiel an die Christian-Albrechts-Universität verlagert.

Die Königliche Sternwarte der Universität Kiel wurde die erste ernstzunehmende astronomische Forschungsstätte der Kieler Universität. Unter der Leitung des Professors für Astronomie Adalbert Krueger (* 9. Dezember 1832 in Marienburg; † 21. April 1896 in Kiel) erlebte die Universitätssternwarte von 1880 bis 1896 ihren Höhepunkt mit dem neuesten Stand der Technik und internationaler Anerkennung.[3] Die Universitätssternwarte wurde 1938 geschlossen und ihre Geräte auf andere Sternwarten in Deutschland aufgeteilt.

Trotzdem überlebte der Name für Jahrzehnte durch das Institut für Theoretische Physik und Sternwarte (später umbenannt in Institut für Theoretische Physik und Astrophysik - ITAP): Dem Kieler Astrophysiker Albrecht Unsöld (* 20. April 1905 in Bolheim, † 23. September 1995 in Kiel), der bereits im Jahr 1932 als 26-jähriger den Lehrstuhl für Theoretische Physik der CAU übernommen hatte, gelang es nach der Schließung der Sternwarte, die wertvolle astronomische Bibliothek vor dem Bombenkrieg zu retten und in Kappeln zwischenzulagern.
Im Jahr 1956 wurde auf Unsölds Initiative der Bau des deutschlandweit ersten Radioteleskops auf dem Gelände der CAU bewilligt. Heute befindet es sich am Ende der Max-Eyth-Straße.[4] Eine kleine Sternwarte zu Übungszwecken für Studierende steht auf dem Dach des in den 1970er Jahren bezogenen Instituts in der Leibnizstraße.[5]

Sternwarten der Fachochschule Kiel[Bearbeiten]

Rechts zu sehen die Kuppel der Sternwarte der Staatliche Ingenieurschule 1963

Die erste Sternwarte der Fachhochschule Kiel wurde Anfang der 1960er Jahre auf dem Gebäude der Ingenieurschule (heute Muthesius Kunsthochschule) in der Legienstraße errichtet. Als das Gebäude 1988 saniert wurde und die Blechkuppel entfernt werden musste, scheiterte der Wiederaufbau am Einspruch eines Anwohners.

Daraufhin wurde auf dem Dach des Hochhauses der Fachbereiche Wirtschaft und Sozialwesen der FH am Sokratesplatz eine 4 m große Beobachtungskuppel aus Kunststoff errichtet, in der das Teleskop untergebracht ist. Unterhalb der Kuppel befindet sich der Seminarraum der Sternwarte. Zur Betreuung wurde eine Arbeitsgemeinschaft gegründet, die aus Studierenden, Beschäftigten der FH und einer amateurastronomischen Vereinigung, der Gesellschaft für volkstümliche Astronomie, besteht.[6]

Literatur[Bearbeiten]

  • Lühning, Felix: "Eine ausnehmende Zierde und Vortheil ...". Geschichte der Kieler Universitätssternwarte und ihrer Vorgängerinnen 1770-1950 (Sonderveröffentlichung 56 der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Neumünster 2007), ISBN 9873529024979

Weblinks[Bearbeiten]

Karte „Sternwarte Kiel“ auf dem Online-Stadtplan der Stadt Kiel, aufrufbar auf kiel.de
Karte „Radioteleskop“ auf dem Online-Stadtplan der Stadt Kiel, aufrufbar auf kiel.de; dort als eingetragenes Kulturdenkmal Radio-Sternwarte[7]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lühning, Felix: "... eine ausnehmende Zierde und Vortheil - Geschichte der Kieler Universitätssternwarte und ihrer Vorgängerinnen - 1770-1950", Neumünster (Wachholtz), 2007, ISBN 978 3 529 02479 9 (Habilitationsschrift; Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Bd. 56), dort S. 40-65
  2. Weitere Informationen zum Thema "Heinrich Christian Schumacher" und "Astronomische Nachrichten" in der deutschsprachigen Wikipedia
  3. Weitere Informationen zum Thema Adalbert Krueger in der deutschsprachigen Wikipedia
  4. Gudrun Wolfschmidt: Das Kieler Radioteleskop auf Institut für Theoretische Physik und Astrophysik, abgerufen am 25. Dezember 2018. Weitere Informationen zum Thema Albrecht Unsöld in der deutschsprachigen Wikipedia;
  5. Die Sternwarte der Universität Kiel (pdf) auf der Webseite Die Sternwarte der CAU, abgerufen am 25. Dezember 2018
  6. Wikipedia: „Sternwarte Kiel“
  7. Abgefragte Informationen: Baudenkmal (bauliche Anlage) Objektnummer: 29338 LD Beschreibung: Radio-Sternwarte Art extern: eingetragenes Kulturdenkmal