Sokratesplatz

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Sokratesplatz

Ort
Kiel
PLZ
24149
Stadtteil
Neumühlen-Dietrichsdorf
Hist. Namen
Sokratesstraße
Querstraßen
Heikendorfer Weg, Langensaal, Klein-Ebbenkamp, Eichenbergskamp
Nutzung
Fußverkehr, Radverkehr, Autoverkehr
Sokratesplatz

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sokratesplatz wurde 1894 angelegt und erschien im Kieler Adreßbuch zunächst unter der Bezeichung Sokratesstraße. Am 23. Mai 1996 erfolgte auf Beschluss der Kieler Ratsversammlung die Umbenennung in den heutigen Namen.[1]

Im Hochhaus Sokratesplatz Nr. 2, das Anfang der 1960er Jahre errichtet wurde, war früher die Verwaltung der Howaldtswerke-Deutsche Werft AG untergebracht.[2] Der Name des Platzes bezieht sich nicht – wie die heutige Nähe zur Fachhochschule vermuten ließe – auf den griechischen Philosophen, sondern hat einen "abenteuerlichen" Ursprung: Er wurde nach einem Neubau der Howaldtswerke von 1881 benannt. In der Geschichte der Werft heißt es dazu:

"1879/80 [...] wurde ein nicht gerade alltäglicher wie auch etwas geheimnisvoller Auftrag eingeholt. Es ging um zwei Dampferneubauten für die „Passagier-, Vieh- und Postfahrt“. Sie wurden 1881 als Dampfer DIOGENES (#39) und SOKRATES [korrekt: SOCRATES] (#40) fertiggestellt.
Daß es mit diesen beiden Neubauten etwas Besonderes auf sich hatte, erwies sich am 3. August jenen Jahres, als ein Kommando der Kaiserlichen Marine an Bord der Schiffe erschien und diese festsetzte. Dieser spektakuläre Vorgang führte zu einer heftigen Diskussion im Kieler, aber auch auswärtigen Blätterwald. Aufgrund ihrer Kon­struktion erregten die beiden Schiffe den berechtigten Verdacht, keine Handels-, sondern in Wirklichkeit Kriegs­schiffe zu sein. Obwohl Georg Howaldt beharrlich zum tatsächlichen Auftraggeber schwieg (vermutlich gab es in Hamburg einen Zwischenhändler), kristallisierte sich schnell die [...] Vermutung heraus, daß in Wirklichkeit die peruanische Marine hinter diesem Auftrag steckte. Das war insofern delikat, weil sich der Andenstaat gerade mit Chile im Konflikt, dem sogenannten „Salpeterkrieg“ (1879-1884), befand. Obwohl damals der Export von Kriegsschiffen – im Gegensatz zu heute – noch nicht genehmigungs­pflichtig war, tangierte diese Affäre die außenpolitischen Interessen des Deutschen Reichs, denn dessen offizielle Neutralität konnte dadurch in Zweifel gezogen werden. [...] Ein Doppelgutachten, das nach einer genauen technischen Prüfung beider Schiffe von militärischer (der Kaiserlichen Marine) und ziviler (der Kieler Polizeibehörde) Seite am 25. August 1881 erstellt worden war, stellte anhand einiger eindeutiger Einbauten fest, daß eine militärische Nutzung (etwa als Korvette) sehr wohl anzunehmen war.
Die Auseinandersetzung in der Presse hielt über den Sommer 1881 an. In deren Verlauf setzte sich Georg Ho­waldt, unterstützt von juristischem Beistand, zur Wehr. Schließlich wurde es im Herbst still um diese Angelegenheit. Ende 1881 standen die beiden Schiffe zum Verkauf und wurden 1882 freigegeben, nachdem sich ein englischer Käufer gefunden hatte. Dieser fungierte wohl nur als Zwischenhändler. DIOGENES diente von 1898 an lange Jahre der US Navy als Kanonenboot USS TOPEKA. SOKRATES gelangte tatsächlich nach einer Schamfrist nach Peru, wo das Schiff erst Mitte der 1930er Jahre außer Dienst gestellt wurde."[3]

Platzgestaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Platz befindet sich die Installation Straßenboje des Düsseldorfer Künstlers Karl-Ludwig Schmaltz (* 1932 in Vellahn/Mecklenburg).[4] Das Objekt stand vorher bereits für fast vier Jahrzehnte im Universitätsklinikum zwischen der Schittenhelm- und der Feldstraße.[5] Im Oktober 2015 zog es auf den Sokratesplatz um und wurde bei dieser Gelegenheit auch erstmals endgültig fertiggestellt, was seit der Erstaufstellung noch nicht geschehen war.[6].

Von Schmaltz befinden sich mit Raumzeichen alpha, Makrokern 375 und GANGLION beta a drei weitere Kunstwerke im öffentlichen Raum in Kiel.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kiel „Sokratesplatz“ auf dem Online-Stadtplan der Stadt Kiel, aufrufbar auf kiel.de

 Commons: Sokratesplatz (Kiel) – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hans-G. Hilscher: Kieler Straßenlexikon. Fortgeführt nach 2005 durch Dietrich Bleihöfer, ab 2022 durch Frank Mönig, Amt für Bauordnung, Vermessung und Geoinformation der Landeshauptstadt Kiel, Stand: Januar 2021. Abrufbar auf www.kiel.de oder als .pdf-Datei, ca. 1,5 MB
  2. Straßennamen in unserem Stadtteil - Was steckt dahinter? – In Der Poggendörper vom August 2007
  3. Ostersehlte, Christian: Von Howaldt zu HDW. 165 Jahre Entwicklung von einer Kieler Eisengießerei zum weltweit operierenden Schiffbau- und Technologiekonzern (Koehler, Hamburg 2004) ISBN 3-7822-0916-8, S. 99
  4. Mehr zur Straßenboje bei sh-kunst.de
  5. Rönnau, Jens: Open Air Galerie Kiel, Neumünster (Wachholtz) 2011, ISBN 978-3-529-05433-4, S. 236
  6. Bilder vom Umzug des Kunstwerks bei fh-kiel.de