Volksbad

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In Zeiten, als es noch nicht zum Standard einer Wohnung gehörte, dass sie über ein Bad verfügte, kam man der Reinlichkeit in sogenannten Volksbädern nach. Das waren öffentliche Einrichtungen, in denen die Bürger warme Wannen- und Duschbäder nehmen konnten.

In Kiel gab es mehrere städtische Volksbäder. Das Adressbuch von 1914 verzeichnet drei Bäder:

Das Gebäude stand auf der Fläche der heutigen Jugendverkehrsschule. Es wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.
Das Gebäude stand auf dem Dreieck, das von den beiden Armen der Saldernstraße am Knooper Weg gebildet wird. Es wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, aber danach noch notdürftig weiter betrieben. Am 29. März 1953 wurde ein Reinigungsbad im Gebäude der Schwimmhalle am Lessingplatz in Betrieb genommen und gleichzeitig das Volksbad endgültig geschlossen. Nach einer ausführlichen Diskussion in der Sitzung vom 20. August 1953 beschloss die Ratsversammlung dann am 15. Oktober 1953 den Abbruch des auch nicht mehr für eine Nachnutzung in Frage kommenden Gebäudes.
Im ehemaligen Volksbad befinden sich heute der Gebetsraum und das Gemeindehaus der Kieler orthodoxen jüdischen Gemeinde. Das Gebäude ist eingetragen in die Liste der Kulturdenkmale in Kiel-Gaarden-Ost.[1]
Das ehemalige Volksbad in der Turnstraße

Noch nicht verzeichnet ist dort das ab 1910 gebaute und am 12. August 1911 in Betrieb gegangene Alte Volksbad in Neumühlen-Dietrichsdorf, Turnstraße 7, weil der Stadtteil erst 1924 eingemeindet wurde. Ein Wannenbad 1. Klasse kostete inklusive Handtuch und Seife 50 Pfennige, in der 2. Klasse 30 Pfennige. Ein Duschbad gab es für 15 Pfennige. Das denkmalgeschützte Gebäude[1] ist heute Stadtteilzentrum der Arbeiterwohlfahrt.

Das Adressbuch von 1934 verzeichnet die genannten drei Bäder und das Dietrichsdorfer Bad sowie zusätzlich eines unter der Adresse Friedrichsort, Deutsche Werke. Dieses war aber anders als die oben genannten nicht an allen Werktagen geöffnet (Dietrichsdorf sogar "täglich"), sondern nur sonnabends.

1940 ist nach dem Adressbuch noch ein viertes städtisches Volksbad hinzugekommen:

Das Bad befand sich auf dem Gelände der heutigen Matthias-Claudius-Schule. Es war nur freitags und sonnabends an den Nachmittagen geöffnet, ab 1972 war die Öffnung auf einen Tag in der Woche reduziert.

Eine weiteres Volksbad gab es später auch in Holtenau. In der Kastanienallee 2, an der Ecke zur Richterstraße nennt das Adressbuch von 1959/60 eine Warmbadeanstalt. Als Betreiber ist dort ein privater Unternehmer genannt. Die Einrichtung muss aber später von der Stadt übernommen worden sein, denn 1974 wird in einem Antrag an die Ratsversammlung[2] im Zusammenhang mit den Betriebskosten der städtischen Volksbäder auch die Warmbadeanstalt Holtenau genannt.

In den 1970er-Jahren endete mit der Verbesserung der Wohnbedingungen die Ära der Volksbäder und Warmbadeanstalten. Neumühlen-Dietrichsdorf war schon 1962 geschlossen worden. Das Obergeschoss mit der ehemaligen Hausmeisterwohnung und das Dachgeschoss wurden danach zu Wohnzwecken genutzt; das Erdgeschoss, in dem sich das Warmbad befunden hatte, stand leer und verfiel. Erst nachdem der neu gegründete Ortsverein der Arbeiterwohlfahrt dort eingezogen war, wurde das Gebäude schrittweise modernisiert.

Das Bad in Friedrichsort schloss am 31. Mai 1970, Holtenau am 30. September 1970. Elmschenhagen beendete den Betrieb am 30. Juni 1974.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 1,0 1,1 Flag of Schleswig-Holstein.svg Liste der Kulturdenkmale in Kiel (nach Stadtteilen gegliedert) in der deutschsprachigen Wikipedia
  2. Drucksache 84 als Vorlage zu Punkt 33 der Tagesordnung für die Ratsversammlung am 24. Mai 1974