Schulwesen

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Als Schulwesen lässt sich die Organisation der allgemeinbildenden Schulen im Hinblick auf die Schulformen und ihren Bildungsauftrag bezeichnen.

Das Schulwesen steht stets im Spannungsfeld der gesellschaftlichen und politischen Randbedingungen und ist damit wie diese ständigen Veränderungen unterworfen. Es unterscheidet sich von jeher auch regional, weil die genannten Randbedingungen das tun.

Hier wird die Entwicklung des Schulwesens in Kiel seit der Mitte des 19. Jahrhunderts betrachtet.

Schularten und Abschlüsse

Neben der schon im 14. Jahrhundert als Lateinschule entstandenen Gelehrtenschule gab es in Kiel seit alters her ein Neben- und Durcheinander vieler unterschiedlicher kleiner Schulen.

Der dadurch entstandene Flickenteppich war unter Beratung durch den Historiker und PolitikerGustav Droysen bereits 1861 geordnet worden. Es gab danach in Kiel neben der Gelehrtenschule zwei Freischulen (Volksschulen), zwei Bürgerschulen (Mittelschulen) und zwei Höhere Bürgerschulen, je eine für Jungen und Mädchen. Das entsprach einer Abwendung von der Standesschule und der Hinwendung zu Schulen, die der Begabung der Schüler entsprechen. Es folgte dem preußischen Schema eines dreigliedrigen Schulsystems, wie es in Schleswig-Holstein mit Hauptschulen, Realschulen und Gymnasien bis zum Schuljahr 2011/12 bestand.

Nach dem Deutsch-Dänischen Krieg von 1864 und dem Deutschen Krieg von 1866, der mit dem Sieg Preußens über Österreich endete, verleibte sich Preußen 1867 die Herzogtümer Schleswig und Holstein ein. Damit wurde auch in Schleswig-Holstein das preußische Schulwesen eingeführt. Dieses sah erstmals ein "Berechtigungssystem" vor, nachdem man durch eine bestimmte Abschlussprüfung die Berechtigung auf eine genau festgelegte weitere berufliche Ausbildung erhielt.

Die verordnete Übernahme des preußischen Schulwesens fiel der Stadt leicht, da sie bereits 1861 das städtische Schulwesen entsprechend umorganisiert hatte. Es war lediglich erforderlich, die Höhere Bürgerschule um zwei Klassenstufen zu erweitern, um die Form der preußischen Realschule zu erreichen.

Dabei entsprach dieser Schultyp trotz des Namens nicht der späteren Realschule mit dem mittleren Bildungsabschluss. Sie war dagegen eine höhere Schule, an der mehrere Naturwissenschaften und zwei moderne Sprachen unterrichtet wurden. Die Schüler konnten erstmals 1874 nach der vorletzten Klasse und einer Prüfung die Schule mit der "Berechtigung für den einjährigen Militairdienst", kurz "das Einjährige" verlassen. Dadurch wurde die dreijährige Preußische Wehrdienstzeit auf ein Jahr verkürzt. Im Gegenzug mussten die Rekruten sich auf eigene Kosten ausrüsten und verpflegen. Vom Schuljahr 1880/81 an wurde die Höhere Bürgerschule in Konkurrenz zur Gelehrtenschule um eine weitere Klasse aufgestockt. Damit hatte sie neun Klassenstufen und wurde 1882 als "Vollanstalt" zur Oberrealschule erklärt.