Jüdischer Friedhof

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Eingangstor des Jüdischen Friedhofs 2012. Links das Taharahaus

Der Jüdische Friedhof ist die historische Begräbnisstätte für jüdische Kielerinnen und Kieler. Er befindet sich seit 1852 an der Michelsenstraße 22, wird aber erst seit Ende der 1990er Jahre wieder genutzt, nachdem sich die Jüdische Gemeinde Kiel und Region gegründet hatte.[1]

Der Friedhof umfasst eine Fläche von 2.493 m².[2] Wie bei jüdischen Friedhöfen üblich, wird er von einer Mauer umschlossen. Links vom Eingangstor liegt das Taharahaus (Leichenhalle mit Andachtsraum). Den Mittelweg bildet eine mächtige Lindenallee. Die Belegung erfolgte von Norden, sodass die ältesten Gräber im hinteren Bereich liegen, die jüngeren im Eingangsbereich.

Seit 2017 steht der Friedhof unter Denkmalschutz.

Geschichte

Der Jüdische Friedhof ist älter als der nahe gelegene Südfriedhof. Das Gelände außerhalb des Stadtgebietes, eine Koppel am nach Osten abknickenden Teil des Winterbeker Weges (heute Michelsenstraße), erwarb die Jüdische Gemeinde erst 1852.[1] Die Einrichtung des Friedhofs musste vom König und vom Magistrat der Stadt Kiel genehmigt werden; ein entsprechendes Gesuch hatte bis dahin keinen Erfolg gehabt. Die seit dem 17. Jahrhundert bestehende Gemeinde musste ihre Toten auf dem Jüdischen Friedhof in Westerrönfeld bei Rendsburg beisetzen.[2]

"Die erste Bestattung fand im August 1852 statt. Bei der verstorbenen Person handelte es sich um Hannatha Levy aus Lütjenburg. Die älteste heute noch lesbare Grabinschrift lässt sich auf dem Grabstein von Israel Wulff finden, der 1884 auf dem Friedhof beigesetzt wurde."[2]

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Lindenallee am Mittelweg gesetzt; sie wurde vom Vorsteher Julius Lask gespendet und zunächst als Spende eines Unbekannten ausgegeben. Erst nach seinem Tod erfuhr man den Namen des Wohltäters.[3]

Das ca. 30 m² große Taharahaus wurde 1887 errichtet, der Bau der Mauer dauerte bis in das Jahr 1906.[2]

Wohl 1932 wurde eine „Chewra Kaddischa“ gegründet, eine Institution, die sicherstellt, dass Verstorbene gemäß den jüdischen Gesetzen und Traditionen beigesetzt werden. Sie wurde 1938 zwangsweise geschlossen.[2]

In der Zeit des Nationalsozialismus wurde der Friedhof mehrfach geschändet, blieb jedoch bestehen. Hieran erinnern mehrere Grabinschriften.[1]

"Das Totenbuch wurde 1941 (vorläufig) abgeschlossen und verzeichnete zu dieser Zeit 279 Beerdigungen. Bis heute sind die Spuren des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges auf dem Friedhof sichtbar. So fehlen beispielsweise Grabumrandungen, Plaketten und metallene Buchstaben von Inschriften, die im Zuge der sogenannten Reichsmetallspende vom Friedhof geplündert wurden. Zudem schlug im Jahr 1945 im Nordwestteil des Friedhofes eine Bombe ein, die die Mauer beschädigte, das Gelände zerwühlte und Grabsteine zerstörte. Auch das Taharahaus wurde im Krieg beschädigt."[2]

Nach Ende der NS-Herrschaft setzte sich besonders Heinz Salomon für den Friedhof ein. Dank seiner Bemühungen wurden der jüdischen Gemeinde im Juni 1946 von der Stadt Kiel 9.495 Reichsmark für die Wiederherstellung bereitgestellt.[2] Heinz Salomon wurde 1969 dort beigesetzt. Bis zu seiner Schließung 1973 wurde der Friedhof allerdings nur noch wenig genutzt.[1]

"Erst durch die Zuwanderung der sogenannten Kontingentflüchtlinge aus Osteuropa, vor allem aus der ehemaligen Sowjetunion in den 1990er Jahren, entstand neues jüdisches Leben in Kiel, sodass auf dem Friedhof wieder Beisetzungen stattfanden. Im Jahre 1992 wurden 230 erhaltene historische Grabsteine auf dem Friedhofsgelände gezählt."[2]

Von da an nutzte ihn die neu gegründete Jüdischen Gemeinde Kiel und Region in der Wikingerstraße.[1] Aus Platzgründen werden seit 2022 keine neuen Gräber mehr angelegt; Beisetzungen finden nur noch in reservierten Gräbern bereits bestehender Grabstätten statt.

Gegenwart

Ein neues Jüdisches Gräberfeld steht der Jüdischen Gemeinde Kiel und Region seit 2006 auf dem Alten Urnenfriedhof in der Eichhofstraße 50 zur Verfügung.[3] Auch die 2004 gegründete Jüdische Gemeinde Kiel in der Waitzstraße verfügt dort über ein eigenes Gräberfeld.[2]

Der alte Jüdische Friedhof ist nicht frei zugänglich, schon weil der Besuch nach jüdischer Tradition nicht immer möglich ist: „Am Schabbat (Samstag), an jüdischen Feiertagen und nach Sonnenuntergang wird der Friedhof nicht betreten.“[2] Die Jüdischen Gemeinde Kiel und Region ist jedoch gern bereit, Führungen anzubieten. Die Kontaktdaten sind der Homepage der Jüdischen Gemeinschaft Schleswig-Holstein K.d.ö.R. zu entnehmen.

Bilder

  • Harck, Ole.: Der Jüdische Friedhof. Namen die keiner mehr kennt. In: Paravicini, Werner/Albrecht, Uwe/Heming, Annette (Hrsg.): Begegnungen mit Kiel (Gabe der Christian-Albrechts-Universität zur 750-Jahr-Feier der Stadt. Neumünster 1992), S. 350-353
  • Jüdische Gemeinschaft Schleswig-Holstein K . d. ö. R.: Verwaiste jüdische Friedhöfe - Jüdischer Friedhof in Kiel (dort auch Angaben zum Kontakt, etwa für Besichtigungen)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 Rothert, Hans-F.: Jüdischer Friedhof, in: Tillmann/Rosenplänter: Kiel Lexikon, 2. Auflage, Neumünster 2010, ISBN 978-3529025563, S. 164
  2. 2,00 2,01 2,02 2,03 2,04 2,05 2,06 2,07 2,08 2,09 Jüdische Gemeinschaft Schleswig-Holstein K.d.ö.R.: Verwaiste jüdische Friedhöfe - Jüdischer Friedhof in Kiel, abgerufen 23.7.2026
  3. 3,0 3,1 Jüdische Gemeinschaft Schleswig-Holstein K.d.ö.R.: Jüdische Friedhöfe in Kiel, abgerufen 23.7.2026