Winterhude (Schiff)

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Die Winterhude war ein 1898 gebauter dreimastiger Frachtsegler, der von 1945 bis 1949 als Auflieger an der Kieler Blücherbrücke lag, bevor er in Hamburg abgewrackt wurde.[1]

Ostasien-Frachtfahrer als Mabel Rickmers

Das Schiff war auf der Rickmers-Werft in Bremerhaven als Mabel Rickmers gebaut worden. Es war das letzte einer Serie von drei Schiffen. Ihm gingen jeweils im Jahresabstand das Typschiff Rickmer Rickmers und die Erik Rickmers voraus. Alle drei wurden als Dreimast-Vollschiffe gebaut. Rumpf und Masten waren aus Stahl; die Masten waren dreiteilig und besaßen Mars- und Bramstengen, die beiden vorderen Masten auch fest aufgepfropfte Royalstengen. Die Rickmer Rickmers dient heute in Hamburg als Museumsschiff, die Erik Rickmers strandete bereits 1899 bei Nebel vor den Scilly-Inseln und musste aufgegeben werden.

Die Mabel Rickmers wurde von der Rickmers-Reederei in der Ostasienfahrt eingesetzt. Sie transportierte auf ihrer Jungfernfahrt Kohle von der US-amerikanischen Ostküste nach Südafrika und anschließend Reis von Ostasien, damals noch um das Kap der Guten Hoffnung herum, nach Deutschland. Solche Reise dauerte etwa ein Jahr. Auf ihren weiteren Reisen fuhr sie Kanister-Petroleum von der amerikanischen Ostküste nach Japan und auf der Rückreise wieder Reis. Lediglich auf ihrer zweiten Reise diente sie nicht als Reisfrachter, sondern fuhr weiter über den Pazifik nach Oregon, um dort Weizen für Hamburg zu laden.

Bereits auf ihrer Jungfernreise verlor sie im Atlantik bei einem Sturm die Großbramstenge, eine Reihe Segel und einen Teil des Bugspriets. Das sollte aber bei weitem nicht die einzige Havarie bleiben. Das Schwesterschiff Rickmer Rickmers war schon 1904 nach einem Sturmschaden in Kapstadt zur Bark umgetakelt worden. Es hatte sich herausgestellt, dass die Reisegeschwindigkeit dadurch nicht wesentlich geringer geworden war, wohl aber die Betriebskosten, weil das Schiff so mit einer um drei Mann kleineren Besatzung gefahren werden konnte.

Im Frühjahr 1909 geriet die Mabel Rickmers kurz vor dem Ende ihrer Heimreise auf der Engelsmanplaat, zwischen Ameland und Schiermonnikoog, auf Grund. Die anschließend erforderliche einmonatige Werftliegezeit wurde nicht nur für die Reparatur des Rumpfes, sondern auch für eine Umtakelung zur Bark genutzt.

Winterhude und Selma Hemsoth

1912 trennte sich die Rickmers-Reederei wegen des Rückganges des Petroleum-Geschäfts von den meisten ihrer Frachtsegler, darunter auch von der Mabel Rickmers. Sie wurde an das Hamburger Handelshaus Schlüter & Maack verkauft, das sie im Winterhude umbenannte und in der Chile-Salpeter-Fahrt einsetzte. Auch beim neuen Eigner war die erste Fahrt von einer Havarie begleitet: Die Winterhude kollidierte bei der Ausreise im Ärmelkanal mit einem englischen Kriegsschiff. Die schwere Beschädigung der Takelage führte zu einem Monat Wertliegezeit in Southhampton.

Auf ihrer zweiten Salpeterfahrt wurde sie im August 1914 in Chile vom Ausbruch des Ersten Weltkrieges überrascht. Bis Ende 1920 war sie mit 56 anderen deutschen Seglern in Chile interniert. Erst im März 1921 konnte sie in Oostende ihre Salpeterladung löschen. Das Schiff ging nach dem Krieg als Reparation an Frankreich, wurde aber bald von der französischen Regierung für den Schrottpreis eine eine neu gegründete Hamburger Handelsgesellschaft verkauft. Diese ließ das Schiff im Freistaat Danzig registrieren und wollte es in der Guanofahrt einsetzen.

Die erste Fahrt für die neuen Eigner war wirtschaftlich erfolglos. Sie dauerte vom April 1922 bis zum Oktober 1923 und führte lediglich zum Transport einer Ladung Guano von Peru nach Florida. Daraufhin wurde das Schiff Anfang 1924 erneut verkauft, und zwar an die Hamburger Firma Wilhelm Hemsoth. Diese taufte sie in Selma Hemsoth um und ließ sie in Hamburg registrieren. Sie fuhr in einer 18-monatigen Weltumsegelung böhmische Gipssteine um das Kap der Guten Hoffnung nach China und anschließend chilenischen Weizen um Kap Horn nach Dublin.

Anschließend kaufte der finnische Großreeder Gustav Erikson die Selma Hemsoth. Er nannte sie wieder in Winterhude um und ließ sie unter finnischer Flagge in Mariehamn registrieren.

1939 wurde sie in Stavanger als Getreidespeicher aufgelegt. 1944 kaufte die deutsche Kriegsmarine das Schiff und verwendete es in Kopenhagen als Hulk. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kam sie in britischen Besitz und wurde 1945 nach Kiel verholt, wo sie wiederum, an der Blücherbrücke liegend, als Hulk diente.

Im November 1949 wurde sie durch den Nord-Ostsee-Kanal nach Hamburg geschleppt, um dort abgewrackt zu werden. Um das Passieren der Kanalbrücken zu ermoglichen, mussten dazu die Bramstengen gefiert werden. Die letzten Bilder zeigen das Schiff daher in einem desolat wirkenden Zustand. Damit verließ die Winterhude Kiel am 4. November 1949 endgültig.[2][Anm. 1]

Anmerkungen

  1. Das Datum folgt Jürgen Jensen (siehe Einzelnachweise). Heinz Burmester (s. ebd.) datiert dies ohne Tagesdatum bereits auf 1948. Dem widerspricht aber, dass es im Kieler Stadtarchiv Fotos vom Februar 1949 gibt, welche die Winterhude noch an der Blücherbrücke zeigen.

Einzelnachweise

  1. Burmeister, Heinz: "Ein deutsches Vollschiff für die Fernost-Fahrt", Deutsches Schiffahrtsarchiv 12, 1989, S. 65-98. Online beim Deutschen Schifffahrtsmuseum
  2. Jensen, Jürgen: "Kieler Zeitgeschichte im Pressefoto", Neümünster (Wachholtz), 2. Aufl. 1985, ISBN 3-529-02673-5, S. 113 und 133.