Nord-Ostsee-Kanal

Die Schleusen in Holtenau

Der Nord-Ostsee-Kanal (NOK; internationale Bezeichnung Kiel Canal, bis 1948 in Deutschland Kaiser-Wilhelm-Kanal) verbindet die Nordsee / Elbmündung mit der Ostsee (Kieler Förde). Diese Bundeswasserstraße[1] ist nach Anzahl der Schiffe die meistbefahrene künstliche Wasserstraße der Welt. 2012 passierten sie 34.690 Schiffe.[2]

Der Kanal durchquert auf knapp 100 km das Bundesland Schleswig-Holstein von Brunsbüttel bis Kiel-Holtenau und erspart den etwa 900 km längeren Weg um die Nordspitze Dänemarks durch Skagerrak und Kattegat.

Die erste Verbindung zwischen Nord- und Ostsee für seegängige Schiffe war der 1784 in Betrieb genommene und 1853 in Eiderkanal umbenannte Schleswig-Holsteinische Canal.[3]

Beschreibung[Bearbeiten]

Der Kanal gehört zu den spiegelgleichen Seekanälen und wird an beiden Enden durch Schleusen gegen die wechselnden Wasserstände (verursacht durch Gezeiten oder Windstau) der Nordsee und der Ostsee abgeschlossen. Die Endpunkte befinden sich in Brunsbüttel an der Elbe (km 0,38) und in Kiel-Holtenau an der Kieler Förde (km 98,64). Sie liegen 98,26 km auseinander (Luftlinie 85,5 km). Die Fließgewässerkennziffer 5978 ordnet den Kanal offiziell dem Flusssystem der Elbe zu.


Schleusen[Bearbeiten]

Die Schleusen an beiden Enden des Kanals, sowohl in Brunsbüttel als auch in Kiel-Holtenau, haben jeweils zwei kleine Schleusenkammern (Alte oder Kleine Schleuse) und zwei große Schleusenkammern (Neue oder Große Schleuse).

Geschichte[Bearbeiten]

1886 billigte der Reichstag ein Gesetz zum Bau des Nord-Ostsee-Kanals und am 3. Juni 1887 erfolgte die Grundsteinlegung durch Kaiser Wilhelm I. in Kiel-Holtenau; leitender Ingenieur war Otto Baensch. Bis zu 8900 Arbeiter bewegten circa 80 Mio. m³ Erdreich. Der Kanal war in dieser ersten Ausbaustufe an der Oberfläche 66,7 m, an der Sohle 22 m breit und 9 m tief.

Am 21. Juni 1895 konnte Kaiser Wilhelm II. nach acht Jahren Bauzeit den nach seinem Großvater „Kaiser-Wilhelm-Kanal“ benannten neuen Wasserweg eröffnen.

Bereits in den Jahren 1907 bis 1914 war wegen des gewachsenen Verkehrsaufkommens eine erste Kanalerweiterung notwendig. Der Kanal wurde um 2 m vertieft und die Sohlenbreite verdoppelt.

1948 wurde der Kaiser-Wilhelm-Kanal in Nord-Ostsee-Kanal umbenannt, wie er schon in der Planungs- und Bauphase bezeichnet wurde; im internationalen Verkehr heißt er jedoch weiterhin „Kiel Canal“. Von 1965 bis 2000 wurde der Kanal zum zweiten Mal erweitert. Zum Schutz der Böschung wuchs die Breite an der Oberfläche von der Schleuse Brunsbüttelkoog bis zum Kanalkilometer 80 (Weiche Königsförde) auf 162 Meter. Auf der so genannten Oststrecke von dort bis zur Schleuse Holtenau von beließ man es zunächst beim Kanalquerschnitt von 1914, weil die Böschung dort hinreichend standfest war.

Dadurch fehlen dort Ausweichmöglichkeiten, so dass die Oststrecke zum Engpass geworden ist. Der Ausbau auf die Breite von 167 m soll dort ab 2020 erfolgen.

Bereits am 7. Oktober 2006 wurde das neue elektronische Verkehrslenkungssystem, in das 13,5 Mio. Euro investiert wurden, eingeweiht. Es hatte die Zentralisierung der Leitstelle in Brunsbüttel zur Folge.

Ökologie[Bearbeiten]

Der Bau des Kanals hatte insbesondere schwere Auswirkungen auf den Wasserhaushalt der Eider. Diese wurde durch den Kanalbau von ihrem Oberlauf abgeschnitten. Dadurch verringerte sich insbesondere die Strömung Richtung Meer. Der Einfluss der Nordsee wurde dominant, Deiche zur Sturmflutsicherung mussten bis Rendsburg gebaut werden. Zudem trägt der Flutstrom mehr Sedimente, insbesondere Faulschlamm in die Eider, als die Ebbe und die nun wesentlich schwächere natürliche Strömung wieder heraustragen, der Fluss drohte zu versanden, was wiederum das Sturmflutrisiko erhöhte. Durch den Bau der Schleuse Nordfeld 1937 konnte das Problem für den Mittellauf der Eider gelöst werden, insgesamt hat sich der Wasserhaushalt der Eider jedoch bis heute nicht vom Kanalbau erholt.

Ähnliche Auswirkungen hatte der Bau auch auf andere vom Kanal durchtrennte Fließgewässer, etwa die Wilsterau, die zunehmend verschlickt, oder die Holstenau, die ungefähr parallel zum Kanal verläuft und durch ihn in drei Teile getrennt wurde. Auch die Gieselau wurde vom NOK durchtrennt.

Touristik[Bearbeiten]

Der befestigte Betriebsweg am Kanal ist für Fußgänger und Radfahrer freigegeben und ermöglicht beidseitig nahezu auf voller Länge steigungsfreie Radtouren in nächster Nähe zu den Schiffen. Das Übersetzen auf die jeweils andere Kanalseite mit einer der zahlreichen Fähren ist kostenlos. Dies hatte bereits Kaiser Wilhelm in einer Anordnung verfügen lassen, um eine größere Akzeptanz in der Bevölkerung zu erreichen, da die künstliche Wasserstraße ältere Verkehrswege durchschneidet.

Die Radwege am Nord-Ostsee-Kanal sind Teil der im Mai 2004 eröffneten Deutschen Fährstraße, einer rund 250 Kilometer langen Ferienstraße, die von Bremervörde an der Oste bis Kiel führt.

Bilder[Bearbeiten]

Brücken, Fähren[Bearbeiten]

Kanalquerungen sind grundsätzlich für den querenden Verkehr kostenlos. Das heißt zum Beispiel nicht nur, dass die Fähren gratis benutzt werden können, auch bei Eisenbahnstrecken wird der Unterhalt der Brücken vom Bund bezahlt.

Mittlerweile gibt es zehn Hochbrücken über den Kanal. Vier davon befinden sich in oder bei Kiel:

  • Doppelbrücke in Kiel-Holtenau:
    Die Brücken führen die B 503, die hier auch als innerstädtische Kieler Verkehrsverbindung dient, über den Kanal.
    Die östliche Brücke wurde 1969 bis 1972 neben der dort bereits seit 1912 bestehenden Prinz-Heinrich-Brücke erbaut. Dadurch bekam die Bundesstraße dort für jede Richtungsfahrbahn eine Brücke, damit sie den steigenden Straßenverkehr in die nördlich des Kanals liegenden Stadtteile Holtenau, Friedrichsort, Pries und Schilksee bewältigen konnte. Dies war insbesondere für die Segelolympiade 1972 in Schilksee notwendig geworden. Daher wird sie auch als Olympiabrücke bezeichnet
    Die westliche Brücke war ursprunglich eine Stahl-Fachwerk-Konstruktion, die ab 1909 durch Friedrich Voß gebaut worden war. Sie wurde in den Jahren 1992 bis 1995 durch eine Schwesterbrücke der Olympiabrücke ersetzt. Beim Abbruch der alten Brücke kam es am 2. August 1992 zu einem Unfall, als ein Kran unter der Last eines 40 m langen Fachwerk-Brückenteils abknickte, das 280 t schwere Stahlteil herunterfiel und dabei einen weiteren Kran mitriss. Kräne und Brückenteile fielen auf die Uferstraße am Holtenauer Kanalufer. Trotz des spektakulären Unfalls und der vielen Zuschauer, die am Sonntagabend die Demontage des Mittelteils der Brücke beobachten wollten, entstand nur Sachschaden.[4]
    Hauptartikel: Prinz-Heinrich-Brücke
  • Doppelbrücke bei Levensau:
    Die Brücken führen die B 76, die dort von Kiel nach Eckernförde führt, über den Kanal.
    Die historische Levensauer Hochbrücke von 1893/94 bekam 1980/83 eine Nachbarbrücke. Anders als in Holtenau nimmt die Neubaubrücke beide Fahrtrichtungen der bis Gettorf autobahnähnlich ausgebauten Bundesstraße auf, während die Straße auf der alten Brücke, über die auch die Eisenbahnlinie nach Eckernförde und Flensburg führt, zur Kreisstraße herabgestuft wurde.
    Die historische Brücke wurde bereits 1953/54 an die Erfordernisse des Verkehrs angepasst, indem die imposanten Brückenportale abgebrochen wurden, um die Straße zu verbreitern. Die Unterteile der ehemaligen Brückentürme dienen als Widerlager für den Fahrbahnträger und als Fledermaus-Überwinterungsquartier.
    Im Zuge der Kanalverbreiterung wird die Brücke erneuert werden. Dafür muss auch das nördliche Widerlager beseitigt werden, um Platz für den Kanal zu schaffen. Das südliche soll, wenn auch ohne statische Bedeutung für die neue Brücke, als Fledermausquartier erhalten bleiben.
    Hauptartikel: Levensauer Hochbrücke

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Verzeichnis E, Lfd.Nr.38 der Chronik, Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes
  2. nach Angaben der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Nord
  3. Weitere Informationen zum Thema „Nord-Ostsee-Kanal“ in der deutschsprachigen Wikipedia
  4. Zwei Videos Video 1, (2:48 Minuten) und Video 2 (5:17 Minuten) zum Unfall beim Brückenabriss, bei YouTube, abgerufen am 7. Februar 2019