Kiel 1918 bis 1939, das Ostufer, Arbeitersiedlungen zwischen den Kriegen

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Arbeitersiedlungen zwischen den Kriegen 1918 bis 1939

Einleitung

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges, waren die Stadtteile auf dem Ostufer, einst geprägt von den drei großen Werften, von den wirtschaftlichen Folgen des Versailler Friedensvertrages besonders betroffen. Den Werften gelang es nur sehr langsam sich auf Handelsschiffbau und Schiffsreparatur umzustellen. Die Werften versuchten aber auch mit anderen schiffbaufremden Aufträgen, wie Motoren- und Eisenbahnbau, die Beschäftigung in den Betrieben abzusichern. Trotz aller Bemühungen stieg die Zahl der Arbeitslosen in Kiel stark an.

Ab 1920 stabilisierte sich der Kieler Arbeitsmarkt aber wieder. Infolge des Wiederaufbaus der deutschen Handelsflotte und durch günstige Wechselkurse (Inflation) erhielten die Werften wieder Aufträge aus dem In- und Ausland. Das deutsche Schiffbauprogramm lief 1923 aus und die Kieler Werften mussten sich dem internationalen Wettbewerb stellen. 1925 kam es weltweit zu einer Schiffbaukrise. Dieser Krise traf auch die Kieler Werften und in stieg die Zahl der Menschen ohne Beschäftigung wieder an. Hinzu kam dann 1929 auch noch die Weltwirtschaftskrise. Zum Jahreswechsel 1926/1927 stieg die Zahl der Arbeitslosen auf über 15.000. Der Abbau von Arbeitsplätzen ging weiter und 1932/1933 waren mehr als 30% aller Kieler Erwerbstätigen ohne Beschäftigung. Die wirtschaftliche Einbrüche in der Werftindustrie wirkten sich auch auf die Kieler Wirtschaft aus.

Bis Kriegsende entwickelten sich die Kieler Stadtteile, Gaarden, Ellerbek und Wellingdorf wie 1901 im Stadterweiterungsplan von Joseph Stübben vorgesehen. In Kiel herrschte wie bereits vor dem Krieg weiterhin eine große Nachfrage nach preiswerten, modernen Wohnraum. Zunächst war aber auch die Stadt Kiel nach Kriegsende gezwungen sich an neue wirtschaftlichen Gegebenheiten und an veränderte Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau anzupassen, da diese auch die Anforderungen an die Stadtarchitektur veränderten. Zunächst wurden zahlreiche neue Wirtschafts- und Verwaltungsbauten errichtet, die vor allem dem Hafenbereich architektonisch ein neues Gesicht gaben. Ein weiteres Ergebnis dieser Neuorientierung war aber auch der Rückzug der Marine und privater Investoren aus dem Kieler Wohnungsbau. Um diese Verluste auszugleichen, mussten sich verstärkt die Stadt Kiel, Genossenschaften und Bauvereine im Wohnungsbau engagieren. Größere Bauvorhaben wurden sowohl am Stadtrand und in der Innenstadt realisiert.

Neben diesen Veränderungen der wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen für Neubauten in Kiel gab es zusätzlich aber auch noch eine Änderung in der Architekturauffassung. Dominierte bisher nach dem Stadterweiterungsplan von Joseph Stübben in Kiel der Großmiethausbau, wurde durch den Stadtbaurat Willy Hahn 1922 eine vollkommen neue Stadtplanung entwickelt die sich an der Heimatschutzarchitektur orientierte. Da aber auch in den zwanziger Jahren weiterhin eine große Nachfrage nach preiswerten und modernen Wohnungen herrschte, wurden zunächst die Bauprinzipien der Heimatschutzarchitektur am südwestlichen Rand der Innenstadt unweit des Exerzierplatzes angewandt. 1921/1922 konnte nach Plänen der Architekten Ernst Prinz, Heinrich Hansen und Heinrich Stav konnte das Grundstück zwischen Schülperbaum, Prüne und Sandkuhle mit zweigeschossigen Reihenhäusern bebaut werden. Nach dem Kriege setzte sich die Heimatschutzarchitektur in großem Stile durch.

Quellen:

Geschichte der Stadt Kiel / Jürgen Jensen und Peter Wulf, 1991 Neumünster, Wachholtz

-          Peter Wulf, Kiel wird Großstadt (1867-1933), S.213-S.222

-          Peter Wulf, die Stadt auf der Suche nach ihrer Bestimmung (1918-1933), S.305-S.312

-          Peter Wulf, die Stadt in der nationalsozialistischen Zeit (1933-1945), S.359-367

Das Umfeld 1918 bis 1933

Mit dem preußischen Wohnungsgesetz vom 28. März 1918 bekannte sich erstmals der Staat zu seiner Verantwortung auf dem Gebiet der Wohnungsversorgung. Das Gesetz verpflichtete Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern zur Einrichtung von Wohnungsämtern. Die Stadt Kiel ging aber davon aus, dass durch den Personalabbau bei der Reichsmarine auch viele Familien Kiel verlassen werden und somit genügend freier Wohnraum zur Verfügung stehen würde. Daher verzichtete man zunächst auf die Einrichtung eines Wohnungsamtes. Da diese Annahme der Stadt Kiel sich aber nicht bestätigte hatte, musste auch die Stadt Kiel am 1. Oktober 1919 ein Wohnungsamt einrichten und zahlreiche Wohnungsmangelverordnungen erlassen.

Das Reichsheimstättengesetz von 1920 regelte den finanziell öffentlich geförderten Kleinwohnungsbau. Mit diesem Gesetz sollte jeder Familie der Erwerb von Wohneigentum oder aber einem Stück Gartenland zur Selbstversorgung ermöglicht werden. Neben dem neuen Wohnungsamt richtete man daher auch ein neues Städtebau und Siedlungsamt (Ltg. Willy Hahn) in Kiel ein. Das neue Wohnungsamt übergab diverse Aufgaben zur Thematik Wohnungsbau / Siedlungsbau an das neue von Hahn geführte Amt. Auf der Grundlage des Reichsheimstättengesetz erbaute die Stadt Kiel selbst Wohnungen oder nahm vorhandenen Wohnraum in städtische Verantwortung.

Bis Kriegsende entwickelten sich die Kieler Stadtteile, Gaarden, Ellerbek und Gaarden wie im Stübbenplan vorgesehen. Nach Kriegsende musste sich die Stadt Kiel nun aber wirtschaftlich neu orientieren. Nach Kriegsende herrschte in Kiel wie bereits vor dem Krieg weiterhin ein großer Bedarf nach preiswerten, aber auch modernen Wohnraum. Daher mussten sich sowohl die Stadt Kiel wie auch die Genossenschaften und Bauvereine verstärkt im Wohnungsbau engagieren, da sowohl Marine und private Investoren als mögliche Bauherren nicht zur Verfügung standen. Es setzte nach Kriegsende sowohl innerstädtisch wie auch am Stadtrand eine rege Bautätigkeit ein.

Neben den neuen wirtschaftlichen und auch finanziellen Veränderungen im Kieler Wohnungsbau, setzte aber auch ein Umdenken des anzuwendenden Architekturstils ein. Wie es sich schon vor dem Ersten Weltkrieg abzeichnete, setzte sich nach dem Kriege die Heimatschutzarchitektur durch. In Kiel wird der Stadtbaurat Georg Pauly durch den 1921 gewählten neuen Technischen Stadtrat Willy Hahn im März 1922 abgelöst. Willy Hahn stand der Idee der Heimatschutzarchitektur, wie auch einer Reihe jüngerer Architekten (u.a. Johann Theede und Ernst Prinz), aufgeschlossen gegenüber. Willy Hahn entwickelte eine an die neuen, modernen Ideen angepasste Stadtplanung, die auch bereits die später eingemeindete Gemeinde Neumühlen-Dietrichsdorf miteinbezog.

Hinweis:

Neben dem Wohnungsbau wurde aber auch der Bau von der Geschäfts- und Verwaltungsbauten in Kiel durch die Heimatschutzarchitektur bestimmt.

Quellen:

Geschichte der Stadt Kiel / Jürgen Jensen und Peter Wulf, 1991 Neumünster, Wachholtz

-    Peter Wulf, Kiel wird Großstadt (1867-1933), S.213-S.222

-    Peter Wulf, die Stadt auf der Suche nach ihrer Bestimmung (1918-1933), S.305-S.312

-    Peter Wulf, die Stadt in der nationalsozialistischen Zeit (1933-1945), S.359-367

Daniel Roth: Gefolgschaftsbetreuung Zur betrieblichen Sozialpolitik der Deutsche Werke Kiel AG im „Dritten Reich“, S.279ff in Demokratische Geschichte Band 13 Essay 9

SVGKStG Band 48 Hrsg. Jürgen Jensen, 2004, Dörte Beier Kiel in der Weimarer Republik, S130 – S.137

Das Umfeld 1933 bis 1939

Auf Grundlage des Wohnungssiedlungsgesetz vom September 1933 wurde von der neuen Reichsregierung auch der Städte- und Wohnungsbau zentralistisch geregelt. Voraussetzungen für die Umsetzung des Gesetzes war die Erarbeitung eines Wirtschaftsplanes. Daher wurde am 1. August 1935 in Kiel eine Stadtplanungsstelle eingerichtet.

Nach der 1933 erfolgten Machtübernahme erarbeiteten die neuen Machthaber eine, auf dem des Stübben-Plan und auf den vom Stadtbaurat Hahn projektierten und teilweise begonnenen Flachbau- und Grüngürtelzonen basierende und an die neue Ideologie angepasste, neue Stadtplanung. Auch die existierende grobe Einteilung in Wohngebiete, Industrie- und Mischgebiete wurde beibehalten. Weiterhin wurde aber auch der Verkehrsplanung vor dem Hintergrund der sich entwickelnden Mobilität (Autoverkehr) bei den weiteren Planungen eine starke Bedeutung beigemessen.

Entgegen den zwanziger Jahren wurden die Vorgaben die Bauplanung aber durch eine Reihe von Gesetzen und Verordnungen sehr viel strikter, wurden enger gefasst und die Einzelheiten der Ausführung genauer festgelegt. Es waren nur Bauten zugelassen, die der nationalsozialistischen Ideologie nicht in irgendeiner Hinsicht widersprachen. Gebäude im Stile des Bauhauses waren nun nicht mehr genehm. Und schließlich ging die private Bautätigkeit stark zurück, während die Baugenossenschaften, der Werkswohnungsbau und der kommunale und staatliche Wohnungsbau ihre Aktivitäten in großem Stile ausweiteten.

Durch die erfolgte Machtübernahme und der damit verbundenen militärischen Aufrüstung, stieg der Bedarf an Arbeitskräften auf den Kieler Werften an. Für die neuen nach 1934 in Kiel beschäftigten Arbeitskräfte stand aber kein ausreichender Wohnraum zur Verfügung. Der in der Weimarer Republik geschaffene Wohnraum, während der Weltwirtschaftskrise wurde die Bautätigkeit eingestellt, reichte nicht aus.

Zunächst sollten zur Schaffung neuer Wohnungen noch freie, städtische Flächen bebaut werden. Weiterhin dachte man aber auch in Kiel, um der akuten Wohnungsnot entgegen treten zu können, über die Eingemeindung weiterer Randgemeinden nach. Die Bebauung der neuen geplanten Wohngebiete, der Weg zur Arbeitsstätte sollte hier relativ kurz sein, umfasste nach Möglichkeit auch die Errichtung von Reihenhäuser und Einzelhäuser.

Mit der beginnenden Aufrüstung wurde auch vielfach Wohnungsbau, Verkehrswege und die Ausrichtung der Bebauung wieder an die Wünsche der Marine angepasst. Der Versuch in der Weimarer Republik die Stadt Kiel wirtschaftlich, unabhängiger von Reichsmarine, Werften und Schiffbauindustrien aufzustellen wurde abgebrochen. 1939 bei Kriegsausbruch war Kiel industriell wie 1914 einseitig auf die Reichs-/Kriegsmarine ausgerichtet.

Der Kieler Arbeitsmarkt erreichte bis Mitte der 30er Jahre durch die einsetzende Aufrüstung den Status der Vollbeschäftigung. Durch weitere Aufrüstung verbunden mit den geplanten Kriegsvorbereitungen der Jahre 1938 und 1939 steigerte sich auch in Kiel der Bedarf an Arbeitskräften erheblich. Dieses führte letztendlich zu einem weiteren Zuzug von Arbeitskräften und verschärfte so den ab 1930 sich bereits abzeichnenden Wohnungsmangel.

Den kurzfristigen Bedarf an neuen Wohnungen für Wehrmachtsangehörige und Rüstungsarbeiter bezifferte die Kriegsmarine, allein auf dem Kieler Ostufer auf 8500. Für die Jahre 1940 bis 1945 plante man auf dem Ostufer sogar den Neubau von mehr als 14000 Wohnungen.

Erst spät ab Mitte der 1930er Jahre, obwohl alles auf eine zu erwartende steigende Nachfrage nach Wohnraum durch neu hinzukommende Arbeitskräfte in der Kieler Rüstungsindustrie hinwies, versuchte zunächst die Stadt Kiel im Jahre 1936 durch Gründung der Kieler Wohnungsbaugesellschaft (KWG) die Wohnungsknappheit abzumildern. Die KWG nahm sehr schnell eine führende Rolle in Wohnungsbau in Gaarden-Ost ein. Der Zuzug zusätzlicher Arbeitskräfte und deren Familien nach Kiel, ausgelöst von der anlaufenden Aufrüstung, hielt weiter an. Aber erst ab Juli 1938 trafen sich erst Stadt- und Provinzvertreter mit der Marine und den Werften, um eine Lösung für das Problem des Wohnungsmangels zu finden.

Nach Gründung des städtische Wohnungsunternehmens Kieler Wohnungsbaugesellschaft (KWG), entschloss sich auch die Deutsche Werke Kiel AG (DWK) sich im größeren Umfang am Werkswohnungsbau zu beteiligen. Die DWK gründete im April 1937 die Tochtergesellschaft Kieler Werkswohnungen GmbH (KWW), die mit einem Stammkapital von 1,5 Millionen Reichsmark ausgestattet wurde.

Hinweis:

Auch für die Arbeiter der DWK gab es im Sommer 1938 bei weitem nicht genug Wohnungen. Allein bis 1939 wurde der Neubaubedarf für Beschäftigte des Kieler Werks auf 3390 beziffert, bis 1945 rechnete man mit einem Bedarf von 5650 weiteren Wohnungen.

Zwischen 1936 und 1939 konnte man insgesamt elf neue Bauvorhaben realisieren. Neben der stadteigenen Kieler Wohnungsbaugesellschaft (KWG) traten das DWK Tochterunternehmen Kieler Werkswohnungen (KWW) und die Fried. Krupp Germaniawerft als Bauherren auf. Am Germaniaring (heute Ostring) in Gaarden wurde vom Kruppschen Wohnungsbau die Arbeitersiedlung (Kruppsche Siedlung) bis an die Preetzer Chaussee erweitert. An der Bielenbergstraße, an der Bothwellstraße und an der Werftstraße erbaute die Kieler Werkswohnungen (KWW) weitere neue Wohnungen. Daneben erbaute der Ellerbeker Bauverein in Ellerbek neuen Wohnraum am Tröndelweg / Poppenrade und nördlich der Lütjenburger Straße.

Im Kieler Stadtgebiet stand durch den anhaltenden Bauboom kein weiteres freies Bauland mehr zur Verfügung. So waren die angrenzende Gemeinden gefordert weiteres Bauland außerhalb der Stadtgrenzen auszuweisen. Die Kieler Bauverwaltung (Magistratsoberbaurat Herbert Jensen) sahen hier die Gemeinde Elmschenhagen als ein geeignetes neues Siedlungsgebiet an. Daher beschloss die Preußische Staatsregierung im Dezember 1938 die Eingemeindung der Gemeinde Elmschenhagen zum April 1939 in die Stadt Kiel.

Quellen:

Daniel Roth: Gefolgschaftsbetreuung Zur betrieblichen Sozialpolitik der Deutsche Werke Kiel AG im „Dritten Reich“, S.279-S.282 in Demokratische Geschichte Band 13 Essay 9

Peter Wulf Die Stadt in der nationalsozialistischen Zeit (1933 bis 1945) Seite 365-366

MKStG 77/1, 1991, S 3-25, Ulrike Weber-Karge, Wohnungsbau in Gaarden 1880-1950

Die Gemeinden des Ostufers zwischen den Weltkriegen

Hinweis:

Mit der Werftansiedlung und dem nachfolgenden Werftausbau veränderte sich der dörfliche Charakter der Siedlungen am östlichen Ufer der Kieler Förde grundlegend. Die ehemaligen Fischersiedlungen und Bauerndörfer mussten entsprechendes Bauland für dringend benötigte Wohnungen zur Verfügung stellen. Mit den neuen Arbeitersiedlungen und der damit verbundenen Ansiedlung von Handel und Handwerk nahmen die betroffenen Gemeinden städtischen Charakter an. Die enge, wirtschaftliche Verbindung mit der Stadt Kiel und die Anbindung an das städtische Verkehrsnetz, führten letztendlich zum Verlust der Kommunalen Selbstverwaltung. Schon 1901 wurde daher die Gemeinde Gaarden-Ost nach Kiel eingemeindet und 1910 folgten dann bereits die Gemeinden Gaarden-Süd, Ellerbek und Wellingdorf. Lediglich Neumühlen-Dietrichsdorf mit der Siedlung Oppendorf blieben noch bis zum 30. April 1924 eigenständig. Seit dem 1. Mai 1924 wurde Neumühlen-Dietrichsdorf dann aber ebenfalls ein Stadtteil der Landeshauptstadt Kiel.

Neumühlen-Dietrichsdorf

Am 27. Mai 1907, nach langen und schwierigen Verhandlungen wurden die Gemeinden Dietrichsdorf und Neumühlen zur Landgemeinde Neumühlen -Dietrichsdorf vereinigt. Auch nach der Vereinigung schritt die Entwicklung, hin zu einem modernen Vorort, bis zum Kriegsbeginn weiter voran. Neben der Wohnbebauung wurden u.a. Straßen gepflastert und Fußwege mit Gaslaternen angelegt. Der Heikendorfer Weg entwickelte sich zu einer für die Gemeinde wichtigen Einkaufsstraße. Am Probsteier Platz wurden noch vor dem Ersten Weltkrieg die Brodersdorfer Straße parallel zur Quittenstraße angelegt und über die Turnstraße mit ihr verbunden.

Die 1910 an der verlängerten Quittenstraße erbaute öffentliche Volksbadeanstalt mit Turnhalle und die 1913-15 erbaute Mädchenschule an der Tiefen Allee waren die letzten öffentlichen Neubauten in Neumühlen-Dietrichsdorf vor dem Ersten Weltkrieg. Außer der Fertigstellung von privaten Mietshäusern an der Quittenstraße (Nr. 3 bis 11) wurde die weitere Bebauung des neu geplanten Quartiers am Probsteier Platz wegen des Kriegsbeginns 1914 erst einmal beendet.

Neue Impulse für den Wohnungsbau in Neumühlen-Dietrichsdorf nach 1920

Hinweis:

Am 30. Mai 1924 beschließt der Preußische Landtag die Eingemeindung der Gemeinde Neumühlen-Dietrichsdorf in die Stadt Kiel rückwirkend zum 1. Mai 1924. Somit war Neumühlen-Dietrichsdorf ein weiterer Kieler Stadtteil.

Nach dem Beginn des Ersten Weltkrieges ruhte in der Gemeinde zunächst der Wohnungsbau. Erst ab Mitte der 1920er Jahre nahm dieser dann wieder Fahrt auf. So wurden kurz nach der Eingemeindung die Baulücke an der Quittenstraße von der Stadt Kiel geschlossen. Das städtische Hochbau- und Siedlungsamt (Ltg. Willy Hahn) realisierte dieses Bauvorhaben (drei Wohnhäuser, 4 Etagen, Probsteier Platz 6/11/12) nach eigenen Plänen 1925/1926. Ebenfalls entstand an der südlichen Seite vom Poggendörper Weg nach Plänen von Arnold Bruhn ein 11 Reihenhäuser umfassender Wohnblock (Nr. 2-28).

Hinweis:

Ab Juli 1938 versuchten Vertreter von Provinz, Stadt Kiel, Kriegsmarine und Werften gemeinsam das Problem der Wohnungsknappheit zu lösen. Von der Kriegsmarine wurde ein kurzfristigen Bedarf an neuen Mietwohnungen für Wehrmachtsangehörige und Rüstungsarbeiter auf dem Ostufer von gut 8.500 Wohneinheiten gefordert, langfristig (bis 1945) sollten sogar über 14.000 neue Wohneinheiten zur Verfügung stehen.

Der sich zuspitzende Wohnungsmangel wurde unter anderem dadurch hervorgerufen, dass die Deutschen Werke erst sehr spät, im Gegensatz zu den zu den Howaldtswerken und der Germaniawerft, mit dem Bau eigener Werkswohnungen begann. Im April 1937 gründete die Werksleitung der DWK eine werkseigene Wohnungsbaugesellschaft, die Kieler Werkswohnungen GmbH (KWW). Bereits Ende 1938 konnten in der Bielenbergstraße und den im Stadtteil Gaarden neu angelegten Straßen von der KWW 523 Wohnungen errichtet werden.

Zitat: aus 100 Jahre Howaldt, 1938, Howaldtswerke AG, Seite 209, letzter Absatz

"Verzweifelt ringt die Werft, von den Deutschen Werken vorbildlich unterstützt, um ihre großen Wohnungsbauvorhaben;

Neben den Bauvorhaben

•              in Gaarden Bielenbergstraße, Werftstraße, Bothwellstraße, Mühlenstraße und Georg-Pfingsten-Straße

•              in Ellerbek Poppenraderweg

•              in Friedrichsort Gorch-Fock-Str.

•              in Elmschenhagen-Süd

errichtete die KWW noch ab 1938 im Auftrag der Kriegsmarinewerft 104 Werkswohnungen in Dietrichsdorf. Auch wurde der Siedlungsbau fortgesetzt und 289 neue Siedlungshäuser wurden errichtet. Die KWW konnte bis 1940 für die Kriegsmarinewerft insgesamt 1651 Wohnungen errichten."

Zitat Ende.

Probsteier Platz 1936 bis 1938

Quelle:

Denkmaldatenbank Schleswig-Holstein Denkmal-Bezeichnung: Sachgesamtheit: Quartier am Probsteier Platz Kreis/kreisfreie Stadt: Kiel Gemeinde: 24149 Kiel, Landeshauptstadt Wohnplatz/Ortsteil: Neumühlen-Dietrichsdorf Straße: Probsteier Platz u.a. Denkmal-Art: Wohnbau Denkmal-Funktion: Wohnsiedlung Objektnummer: 23969

Lageplan_Probsteier_Platz.pdf, Landeshauptstadt Kiel, Sachgesamtheit: Quartier am Probsteier Platz

Landesamt für Denkmalpflege Schleswig-Holstein Stand: 18. Februar 2022 Projektion: Gauß-Krüger Kartenhintergrund: DTK 5

Ab 1936 wurde in Kiel zur Beseitigung der Wohnungsknappheit, ein umfangreiches neues Wohnungsbauprogramm begonnen. Im Rahmen dieses Bauprogramms erweiterte die Kieler Wohnungsbaugesellschaft mbH zwischen 1936-1938 das Quartier am Probsteierplatz. Die einheitlich gestalteten Backsteinhäuser waren so angeordnet, dass der Blick Richtung Süden auf Schwentinemündung und Wellingdorf nicht eingeschränkt wurde. Gleichzeitig legte man am südlichen Hang zur Tiefen Allee eine Treppe an.

Die vier in Ost- / Westrichtung angelegten Wohnblocks an der Tiefen Allee wurden nicht von der KWG errichtet. Alle weiteren zwischen 1936 und 1938 im Umfeld des Probsteier Platz erbauten Wohnhäuser mit begrünten Vorgärten wurden durch die Kieler Wohnungsbaugesellschaft mbH errichtet. Die zwei- bis viergeschossigen Backsteinhäuser wurden nach einem einheitlichem Schema erbaut. Sowohl südlich wie auch nördlich wurde das Quartier von begrünten Freiflächen begrenzt.

Dietrichsdorfer Höhe

Ab 1938 wurden dann auch von der KWW die zur Bebauung freigegebenen Flächen nördlich der Hermannstraße erschlossen. Zunächst legte man ab der Einmündung Bernhardstraße / Hermannstraße eine neue Straße im Bogen in Richtung Norden bis zum Langen Rehm an. Die neu erschlossenen Grundstücke wurden dann entsprechend mit Doppelhäusern bebaut.

Diese neue mit Reihenhäuser bebaute Arbeitersiedlung lag nördlich der Grundstücksflächen des Arbeiter Bauvereins an der Hermannstraße. Die Siedlung wurde als Dietrichsdorfer Höhe bezeichnet. Für die neu angelegte Straße zwischen Bernhardstraße und Langer Rehm wurde 1938 ebenfalls der Name Dietrichsdorfer Höhe festgelegt.

Quelle:

www.kiel.de Kieler Straßenlexikon, bis 2005 Hans-G. Hilscher, ab 2005 fortgeführt von Dietrich Bleihöfer, ab 2022 von Frank Mönig, Amt für Bauordnung, Vermessung und Geoinformation der Landeshauptstadt Kiel, Stand: Januar 2021.

Afrika-Viertel

Ab 1938 wurde in Neumühlen-Dietrichsdorf mit der Bebauung der freien Fläche zwischen Heikendorfer Weg und Langer Rehm durch die Kieler Werkswohnungen GmbH begonnen. Das Afrika Viertel wurde auch noch während des Zweiten Weltkrieges weiter gebaut. Die meisten Neubauten wurden zerstört bzw. beschädigt aber nach Kriegsende nach den ursprünglichen Plänen wieder aufgebaut.

Nach einem ab 1935 vom Kieler Stadtplanungsamt unter dem Magistrat-Oberbaurat Herbert Jensen (1900-1968) erarbeiteten Konzeptes sollte nördlich des alten Dietrichsdorfer Ortskerns ein neues Wohngebiet für Arbeiter der Kieler Howaldtswerke (April 1939 – Juli 1943 Kriegsmarinewerft Kiel) erbaut werden.

Mit der Realisierung dieses Bauvorhabens auf einem leicht abfallenden Gelände zwischen Langer Rehm und Heikendorfer Weg wurde die Kieler Werkswohnungen GmbH beauftragt. Planung und Entwurf dieser neuen Wohnsiedlung wurden unter Leitung des Architektenbüros Ernst Prinz*. Ernst Prinz  und eine weitere Gemeinschaft Kieler Architekten (Otto Bade, Arnold Bruhn, Otto Christophersen, Karl Doormann, Robert Resch, Ernst Stoffers und Diedrich Suhr) erreichten es, dass die Bauarbeiten schon 1938 begannen und auch nach Kriegsbeginn weiter fortgeführt wurden.

*Bereits 1924 war Herbert Jensen im Architektenbüro von Ernst Prinz angestellt

Um das neue Baugebiet zu erschließen, wurden insgesamt sechs neue Straßen angelegt. Der damalige von der NSDAP beherrschte Magistrat verfügte, vor dem Hintergrund das durch die Reichspropaganda der im Reich vorhandene Kolonialrevisionismus unterstützt wurde, dass die neuen Straßen nach führenden Vertreter der deutschen Kolonialpolitik des Deutschen Kaiserreiches in Afrika benannt wurden. Die Tatsache das diese Namen für Völkermord, Sklaverei und persönlicher Grausamkeit stehen wurde ignoriert oder verdrängt. Die Straßennamen wurden im April 1939 durch den Polizeipräsidenten Kiel in den entsprechenden Straßenbenennungsakten festgelegt. Nachfolgend eine Aufzählung (in alphabetischer Reihenfolge) der festgelegten Straßennamen:

·        Ritter-von-Epp-Straße / Verdieckstraße

·        Lettow-Vorbeck-Straße / Hertzstraße

·        Lüderitzstraße

·        Carl-Peters-Straße / Albert-Schweitzer-Weg

·        Nachtigalstraße

·        Wißmannstraße

·        Woermannstraße

In Bezug auf die Namensgebung der neu angelegten Straßen wurde die neue Arbeitersiedlung zwischen dem Langen Rehm und dem Heikendorfer Weg auch als Afrika-Viertel bezeichnet wurde. Von den sieben neuen Straßen wurden bereits 1945 die Ritter-von-Epp-Straße in Verdieckstraße, nach dem SPD-Politiker und Gewerkschaftler Willi Verdieck und die Lettow-Vorbeck-Straße in Hertzstraße, nach dem Physiker Heinrich Hertz umbenannt.

Die Nachtigalstraße wurde als zentrale Achse zwischen der Straße Langer Rehm und einer gegenüber der Einmündung in die Lettow-Vorbeck-Straße (Hertzstraße) angelegten Aussichtsplattform konzipiert. Die Nachtigalstraße, vom Langen Rehm nach Westen durchlaufend war und ist die zentrale West - / Ost Achse im sogenannten Afrika-Viertel.

Die westliche Nord-Süd Achse im neuen Wohnquartier, die seit 1904 nach dem Werftbesitzer Bernhard Howaldt benannte Bernhardstraße wurde 1939 durch den Polizeipräsidenten in Lettow-Vorbeck-Straße umbenannt. Am südlichen Ende der Straße bestand eine Sichtverbindung zur Adolf-Reichwein-Schule. 1947 wurde dann die Lettow-Vorbeck-Straße in Hertzstraße umbenannt.

Die als östliche Nord-Süd Achse ebenfalls 1939 neu angelegte Ritter-von-Epp-Straße wurde 1947 in Verdieckstraße umbenannt. Am südlichen Ende der Straße (Bauernhof) bestand Sichtkontakt zum Schulgebäude an der Tiefen Allee.

Die Wohnblocks der neuen Arbeitersiedlung verfügten über minimal zwei bzw. maximal fünf Etagen. In den Blocks standen, unterschiedlich variiert, einheitliche Zwei- und Dreizimmerwohnungen zur Verfügung. Die Fassaden der Wohnblocks wurden, entsprechend der Anordnung an den neu angelegten Straßen unterschiedlich ausgeführt. Die Mehrheit der Wohnhäuser des neuen Wohnquartiers wurden bei den Alliierten Luftangriffen zerstört oder beschädigt, nach 1945 aber erfolgte nach den ursprünglichen Plänen der Wiederaufbau.

Wellingdorf

Im Stadtteil Wellingdorf hielten sich die Wohnungsbauaktivitäten zwischen den Kriegen in Grenzen.

Die kleine Gemeinde Wellingdorf, zwischen Ellerbek und Neumühlen gelegen, konnte sehr lange ihren dörflichen Charakter bewahren. Im Gegensatz zu den anderen Gemeinden am Kieler Ostufer siedelten sich hier keine großen Industrie- und Schiffbaubetriebe an. Die erste Gewerbeansiedlung war die Verlegung der Kalkbrennerei von A. C. Hansen von Ellerbek nach Wellingdorf.

So wie in den anderen Gemeinden wurde in Wellingdorf 1910 der Landhaus-Bauverein-Wellingdorf gegründet. Das Vereinsziel war es den Mitgliedern zu einem Eigenheim zu verhelfen. Der Bauverein erwarb ein Gelände nördlich der Kiel-Schönberger-Eisenbahn. Bereits im Jahre 1908 wurde der am Ende der Schönberger Straße an der Schwentine entlangführende Weg in Richtung Klausdorf (Schmiedestraße/Wehdenweg) gepflastert und die Grundstücke zwischen Schönberger Straße und dem Schmiedegrundstück an die Kanalisierung angeschlossen. Ausgehend vom Wehdenweg legte man im Jahre 1911 die Oppendorfer Straße (heute Flüggendorfer Straße) und die Schönkirchener Straße (heute Passader Straße) an. 1912 folgten dann noch die Rosenfelder Straße und die Dobersdorfer Straße. Nach Abschluss der Erschließungsarbeiten konnten dann am südlichen Schwentineufer bereits ab 1912 entlang des Wehdenweges und der nach Süden führenden Rosenfelder Straße Siedlungshäuser nach Plänen des Architekten Johann Theede erbaut werden.

Auf verhältnismäßig kleinen Grundstücken wurden hier Einzel-, Doppel- und Dreifamilienhäuser errichtet. Die Bebauung des Geländes des Bauvereins Wellingdorf wurde bereits nach dem Kriegsende 1919 fortgesetzt. 1919 wurde zunächst die Raisdorfer Straße angelegt und 1921 folgte dann noch die Neumühlener Straße. Durch die Erschließung neuer Grundstücke konnte die Bebauung der Siedlung weiter fortgesetzt werden. Der letzte Bauabschnitt wurde 1937/38 mit Siedlungsbauten nach den Plänen von Otto Christophersen an der Neumühlener Straße abgeschlossen.

Straßen im Siedlungsgebiet südliche Schwentine:

  • 1904        Wehdenweg

Verlauf: zunächst bis Schmiedestraße (Verbindung Schönberger Straße/Wehdenweg), dann Schönberger Straße-Schmiedestraße-Wehdenweg-Stadtgrenze, ab 1906 Schönberger Straße-Stadtgrenze

1911        Oppendorfer Straße, 1926 dann Rastorfer Straße, 1930 dann Flüggendorfer Straße

Verlauf: ab Wehdenweg / 1921 Wehdenweg-Neumühlener Straße/Passader Straße

1911        Schönkirchener Straße, 1925 dann Passader Straße

Verlauf: ab Wehdenweg-Neumühlener Straße/Flüggendorfer Straße

1912        Rosenfelder Straße

Verlauf: ab Wehdenweg, 1921 Wehdenweg-Neumühlener Straße

1912        Dobersdorfer Straße

Verlauf: ab Rosenfelder Straße, 1919 Rosenfelder Straße-Raisdorfer Straße

1919        Raisdorfer Straße

Verlauf: ab Wehdenweg, 1921 Wehdenweg-Neumühlener Straße

1921        Neumühlener Straße

Verlauf: ab Rosenfelder Straße-Raisdorfer Straße, 1940 Flüggendorfer Straße/Passader-Wehdenweg

Ellerbek

In Ellerbek lebten um 1860 ca. 500 Einwohner. Mit dem sich abzeichnenden wirtschaftlichen Aufschwung stieg diese Zahl im Jahre 1904 auf 7.500 an. Die staatliche Kaiserliche Werft, war gesetzlich nicht verpflichtet Beiträge an die Gemeinde abzuführen. Die enge, wirtschaftliche Verbindung mit der Stadt Kiel und die Anbindung an das städtische Verkehrsnetz, führten letztendlich zum Verlust der kommunalen Selbstverwaltung. Das Steueraufkommen der zugezogenen Bevölkerung war bei weitem nicht kostendeckend. So war und blieb Ellerbek bis zur erfolgten Eingemeindung auf Unterstützung von Seiten des Fiskus besonders im Schul- und Armenwesen angewiesen. Daher wurde Ellerbek 1910 eingemeindet. Die enge, wirtschaftliche Verbindung mit der Stadt Kiel und die Anbindung an das städtische Verkehrsnetz haben letztendlich zum Verlust der Kommunalen Selbstverwaltung geführt.

Die weitere Aufrüstung und die damit verbundene Werfterweiterung führte zu einem steigenden Bedarf an Arbeitskräften auf der Kaiserlichen Werft. Die neuen Arbeitskräfte, die mit ihren Familien zuwanderten benötigten entsprechenden Wohnraum. Die steigende Nachfrage nach bezahlbaren Wohnraum war, trotz des sprunghaften Bevölkerungswachstums, im Vergleich zu anderen Großstädten in Kiel beherrschbar, da die Stadt Kiel ausreichend Bauland für den Wohnungsbau zur Verfügung stellte.

Am 10. April 1920 wurde Emil Lueken (1919-1948) zum Oberbürgermeister in Kiel gewählt. Mit Unterstützung der SPD und des Oberbürgermeisters Emil Lueken wurde am 9. April 1921 Willy Hahn zum ersten besoldeten Technischen Stadtrat der Stadt Kiel gewählt. Lueken und Hahn strebten eine Neuorganisation der Bauverwaltung der Stadt Kiel an. Am 6. April 1922 wurde das Städtebau- und Siedlungsamt mit dem Hochbauamt zu einer Dienststelle zusammengefasst. Unter der Leitung von Willy Hahn wurde ein Hochbau- und Siedlungsamt eingerichtet. 1920, nach der Direktwahl von Emil Lueken zum Oberbürgermeister und 1922 nach der Ernennung von Willy Hahn zum Stadtbaurat in Kiel keimte neue Hoffnung hinsichtlich einer neuen Städtebaupolitik auf.

Ausgehend vom Klausdorfer Weg in Wellingdorf wurden zwei neue Straßen angelegt.

Straßen im Siedlungsgebiet Klausdorfer-Weg

1925        Hangstraße (Verbindung vom Klausdorfer Weg bis Hagener Straße, ab 1936 bis Peter-Hansen Straße)

1926        Hagener Straße (Verbindung Klausdorfer bis Hangstraße)

Bereits 1922 hatte der neue Stadtbaurat ein städtisches Bauprojekt entwickelt, das für das Siedlungsgebiet Klausdorfer Weg zwischen Hangstraße und Hagener Straße sowie Klausdorfer Weg die Errichtung von verschiedenen Siedlungshäusern durch das städtische Hochbau- und Siedlungsamt vorsah. Mit diesem neuen Bauvorhaben waren sechs Jahre Baustillstand beendet. Die Stadt Kiel (Hochbau- und Siedlungsbauamt) übernahm die Ausführung und Finanzierung der geplanten Häuser. Das Eigentumsrecht an diesen Häusern im Heimatschutzstil behielt ebenfalls die Stadt und dem Ellerbeker Bauverein wurde die spätere Verwaltung der Häuser übertragen. Das Bauvorhaben Siedlungsgebiet Klausdorfer Weg wurde 1927 abgeschlossen. Ergänzend zu den Siedlungsbauten errichtete der Ellerbeker Bauverein an der östlichen Straßenseite (zur Peter-Hansen-Straße)der Hagener Straße ab 1927 zweigeschossige Vierfamilienhäuser mit Walmdächern und Stallanbauten.

Für Gaarden und Ellerbek plante Willy Hahn eine Erweiterung der bereits vorhandenen, kleinen Grünflächen zur Verbesserung der Wohnqualität. Bei neuen Vorstadtsiedlungen sollten auch immer entsprechenden Grünanlagen in der Planung berücksichtigt werden. Das an ein neu geplantes Bauvorhaben des Ellerbeker Bauvereins angrenzende Schwanenseegelände wurde daher Anfang der 1920er Jahre von der Stadt Kiel aufgekauft und zu einem öffentlichen Park umgestaltet. Weiterhin wurde das Gelände über die Bahnlinie hinaus bis zum südlich gelegenen Tröndelsee aufgeforstet (heute Stadtrat-Hahn-Park).

Die vom Hochbau- und Siedlungsbauamt errichtete  Siedlung am Klausdorfer Weg sollte um ein weiteres Siedlungsgebiet zwischen der Lütjenburger Straße, dem Ellerbeker Weg und der Kiel-Schönberger Eisenbahnlinie erweitert werden. Aus diesem Grund planten der Ellerbeker Bauverein und Stadtbaurat Hahn 1927 den Bau einer Arbeitersiedlung mit 2500 Wohnungen. Diese Reihenhaussiedlung sollte architektonisch dem Dessauer Bauhausstiels entsprechen. Die geplanten Reihenhäuser hatten flache Dächer und verputzte Fassaden. Es gab heftige Diskussionen in der Ratsversammlung und im Magistrat über diese neuem Pläne und der damit verbundenen Abwendung von der bisherigen Heimatschutzarchitektur. Da 1929 eine knappe Mehrheit gegen die Pläne von Hahn stimmte, wurde das Projekt aber nicht realisiert werden.

Die Kieler Werkswohnungen GmbH plante in Ellerbek 1938 nördlich der Kiel-Schönberger Eisenbahnlinie, den Bau einer Arbeitersiedlung „Wohnanlage am Poppenrader Weg“. Das neue Siedlungsgebiet wurde begrenzt von den Straßen Poppenrader Weg, Posadowskystraße und Drewsstraße. Zunächst legte man 1939 zwischen Poppenrader Weg und Posadowskystraße die drei Verbindungsstraßen Röhbarg, Hollwisch und Sören an. Zwischen diesen drei neuen Straßen wurde im gleichen Jahr mittig die Verbindungsstraße De Twiel angelegt. Die von nach den Plänen von Otto Schnittger erbaute Arbeitersiedlung umfasste insgesamt 28 Wohnblocks mit kleinen zwei Zimmer Wohnungen.

Straßen im Siedlungsgebiet Poppenrader Weg

1939        Hollwisch, Röhbarg, Sören (Verbindung Poppenrader Weg bis Posadowskystraße)

1939        De Twiel (mittige Verbindungsstraße Röhbarg, Hollwisch und Sören)

Quelle:

SVGKStG Band 29 Hrsg. Jürgen Jensen, 1995, Wilde, L. Denkmaltopographie Landeshauptstadt Kiel, S. 166, 448

SVGKStG Band 48 Hrsg. Jürgen Jensen, 2004, Dörte Beier Kiel in der Weimarer Republik, S 250 ff

Ellerbeker Bauverein

Nach den im Mai und Juni 1889 veränderten Rahmenbedingungen erkannte der Staat seine Verantwortung für die Versorgung mit Wohnraum an und unterstützte den gemeinnützigen Wohnungsbau finanziell Durch flankierende Maßnahmen wurden auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau für Baugenossenschaften verbessert. 1889 kam es in Ellerbek zur Gründung des „Arbeiter-Bauverein für Ellerbek und Umgebung". Die Geschäftsanteile des Bauvereins (je 150 RM, max. 10 Anteile) konnten lediglich von Belegschaftsmitglieder der Kaiserlichen Werft erworben werden. Die Geschäftsanteile wurden über einen monatlichen Mindestbeitrag von einer Reichsmark angespart und das Guthaben entsprechend verzinst. 117 Mitglieder erwarben bereits am Gründungstag Geschäftsanteile. Trotzdem war der Ellerbeker Bauverein aber auf weitere finanzielle Unterstützung der LVA Schleswig-Holstein, dem Reichsamt des Innern und dem Reichsmarineamt angewiesen.

Gleich nach seiner Gründung entwickelte der Arbeiter-Bauverein eine rege Bautätigkeit. Dem Ellerbeker Bauverein gelang es, um von Bodenspekulationen verschont zu bleiben seinen bereits vorhandenen Grundbesitz um neue, günstige Grundstücke erheblich zu erweitern. Die neuen Bauflächen lagen mehrheitlich auf Ellerbeker und Wellingdorfer Gebiet. Daher verlegte der Bauverein seinen Wirkungskreis von Gaarden Ost nach Ellerbek. 1901 trat der Ellerbeker Bauverein dem Revisionsverband Schleswig-Holsteinischer Baugenossenschaften bei und man änderte den des Bauvereins in „Arbeiterbauverein in Ellerbek“ um.

Ende des Jahres 1909 verfügte der Bauverein über einen Grundbesitz von insgesamt 111,2 Hektar. Mit diesem umfangreichen Grundbesitz konnte der Ellerbeker Bauverein seinen Mitgliedern preiswertes Bauland anbieten und  die Ellerbeker Siedlung dehnte sich bis 1909 über die Regionalbahn Kiel-Schönberg bis zum Alten Elmschenhagener Weg bzw. bis zum Alten Ellerbeker Weg aus.

Der Ellerbeker Bauverein errichtete bis 1914 insgesamt 943 Häuser, wobei von diesen Häusern bereits 141 in das Eigentum der Erwerber (Genossenschaftsmitglieder) übergegangen sind. Das neue Siedlungsgebiet in Ellerbek/Wellingdorf bot den Bewohnern im Vergleich zu den Arbeiterquartieren in Gaarden eine sehr hohe Lebensqualität. Die Ausstattung der neuen Häuser und die Infrastruktur der neuen Siedlung verbesserten grundlegend die Wohnsituation der Arbeiter in Ellerbek.

Anmerkungen:

Alle Grundstücke der Siedlung waren an die Kanalisation angeschlossen. Ab 1899 wurde die Siedlung des Bauvereins auch an das Netz der Gaardener Gasanstalt angeschlossen. So konnte für die Bewohner die Straßenbeleuchtung und auch das Kochen mit Gas sichergestellt werden. Der Versuch des Bauvereins die neuen Gebäude an die Wasserversorgung der Stadt Kiel anzuschließen, scheiterte und daher übernahm dann ab 1904 das Wasserwerk der Gemeinde Dietrichsdorf die Wasserversorgung der Ellerbeker Siedlung. Weiterhin wurden ab 1912 alle Grundstücke mit Elektrizität versorgt. Als erste Einkaufsmöglichkeit wurde 1893 ein Geschäft für Kolonialwaren fertiggestellt. Bäckerei, Schlachterei und Räucherei folgten. Der Bauverein bezog im Jahr 1900 ein eigenes Geschäftshaus an der Ecke Ringstraße/Hollmannstraße. Der Neubau beherbergte zur Verwaltung der Vereinsangelegenheiten eine Geschäftsstelle mit einem Sitzungssaal und drei Personalwohnungen. Im Juli 1914 weihte der Werft Frauenverein an der Prinzenstraße einen Kindergarten (Dorotheen Kindergarten) ein.

Quelle:

SVGKStG Band 48 Hrsg. Jürgen Jensen, 2004, Dörte Beier Kiel in der Weimarer Republik, S 224ff

Das Siedlungsgebiet des Ellerbeker Bauvereins nach 1919

Quellen

SVGKStG Band 48, 2004, Kiel in der Weimarer Republik, Dörte Beier S 246 ff

SVGKStG Band 29 Hrsg. Jürgen Jensen, 1995, Lutz Wilde, Denkmaltopographie Landeshauptstadt Kiel, S. 76-77

Die 1910 vollzogene Eingemeindung Ellerbeks wirkte sich für den Bauverein nachteilig aus. Die neuen, hohen städtischen Abgaben führten dazu, dass rund 100 Hausanwärter ihre Anwesen aufgeben mussten. Weiterhin beklagte der Bauverein die Umständlichkeit und die Unübersichtlichkeit der Kieler Verwaltung. So hatte man zusammen mit Studenten der Eckernförder Baugewerkschule für das neue Wellingdorfer Baugebiet einen Erweiterungsplan erarbeitet. Der Bauverein wollte spätestens 1912 mit den Erschließungsarbeiten beginnen. Nach erfolgter Eingemeindung zum 1. April 1910 beharrte die Stadt Kiel auf die konsequente Anwendung der städtischen, planerischen Grundsätze. Der im Mai 1910 bei der Stadt Kiel eingereichte Erweiterungsplan wurde vom Magistrat nicht genehmigt. Die sehr unterschiedlichen Vorstellungen von städtischen Behörden und Arbeiter Bauverein führten dazu, dass vor Kriegsbeginn 1914 mit den Erschließungsarbeiten nicht mehr begonnen wurde.

Eine Genossenschaft wie der Ellerbeker Bauverein war, wegen den eigenen begrenzten finanziellen Möglichkeiten auf städtische Unterstützung angewiesen. Die Bautätigkeit des Ellerbeker Bauvereins war nach dem Kriegsende noch bis 1925 sehr eingeschränkt. Zwischen 1920 und 1925 konnten, bedingt durch Inflation und Einführung der Rentenmark, neue Bauvorhaben zwar geplant, aber nicht realisiert werden.

Nach Fertigstellung der vom Hochbau- und Siedlungsbauamt der Stadt Kiel errichteten Siedlung am Klausdorfer Weg konnte der Ellerbeker Bauverein bereits 1927 an der Ostseite der Hagener Straße zweigeschossige Vierfamilienhäuser mit Walmdächern und Stallanbauten errichten. Die Ausführung und Finanzierung der Siedlung Klausdorfer Weg übernahm die Stadt Kiel. Die Verwaltung der Häuser wurde dem Ellerbeker Bauverein übertragen. Auf dieser Grundlage konnten nach über sechs Jahren Baustillstand die ersten Neubaupläne realisiert werden.

Anmerkung:

Neben den wirtschaftlichen und den sozialen Veränderungen nach Kriegsende deutete sich auch in der Architektur schon vor Kriegsbeginn ein Wandel zur Heimatschutzarchitektur an. Diese neue Ausrichtung der Architektur auf die Heimat, arbeitete zunächst vor allem mit Backstein und wollte die ursprünglichen Formen der Heimat bewahren. In dem bis 1912 erschlossenem Baugebiet an der Drewsstraße realisierte der Ellerbeker Bauverein nach Plänen der Kgl. Baugewerkschule aus Eckernförde diese neuen Ideale der Heimatschutzarchitektur zum ersten Mal.

Eine neue vom Ellerbeker Bauverein und Stadtbaurat Hahn 1927 geplante Arbeitersiedlung mit 2500 Wohnungen zwischen der Lütjenburger Straße, dem Ellerbeker Weg und der Kiel-Schönberger Eisenbahnlinie konnte wegen städtischer Vorbehalte nicht realisiert werden.

Quelle:

75 Jahre GHG Kiel Ost, Abschnitt 1914: der erste stolze Rückblick des jungen Vereins

SVGKStG Band 48 Hrsg. Jürgen Jensen, 2004, Dörte Beier Kiel in der Weimarer Republik, S 224ff

SVGKStG Band 29 Hrsg. Jürgen Jensen, 1995, Wilde, L. Denkmaltopographie Landeshauptstadt Kiel, S. 448

In Verbindung mit der Erweiterung / Aufforstung der Schwanensee-Grünanlagen bis an den Tröndelsee und die Nutzung der Grünanlage als öffentliche Parkanlage wurde Ende der 1920er hinter dem Bahnübergang Franziusallee eine durch die Parkanlage führende Verbindungsstraße (Lütjenburger Straße) bis an den alten Ellerbeker Weg angelegt. In den Jahren zwischen 1930 – 1935 schaffte der Ellerbeker Bauverein entlang der Lütjenburger Straße weiteren Wohnraum.

Als erstes Bauvorhaben errichtete der Ellerbeker Bauverein nördlich am Hang der Lütjenburger Straße insgesamt 69 Wohnungen und eine Großwaschanstalt. Hier wich erstmalig der Bauverein von dem bisherigen Siedlungsbau ab und baute moderne Mietwohnungen die landesweit Beachtung fanden.

Nach der Machtübernahme wurde die Finanzsituation der Baugenossenschaften zunächst von der neuen Regierung erheblich stabilisiert und verbessert. Durch die nach 1933 einsetzende Aufrüstung und die daraus resultierende erhöhte Zuwanderungen zusätzlicher Arbeitskräfte, steigerte sich auch die Nachfrage nach modernen Wohnraum. Der einsetzende Bauboom erlaubte dem Bauverein eine weitere Erschließung des nördlich der Lütjenburger Straße gelegenen Baugebietes mit neu angelegten Straßen. Der der Ellerbeker Arbeiterbauverein erbaute hier das sogenannten Ostholsteinviertel. Von 1934 bis 1939 wurden durch den Ellerbeker Bauverein 220 Häuser, 218 Mietwohnungen und zwei Ladengeschäfte erbaut.

Quelle:

75 Jahre GHG Kiel Ost, Abschnitt 1914: der erste stolze Rückblick des jungen Vereins

SVGKStG Band 48 Hrsg. Jürgen Jensen, 2004, Dörte Beier Kiel in der Weimarer Republik, S. 228/255

SVGKStG Band 29 Hrsg. Jürgen Jensen, 1995, Wilde, L. Denkmaltopographie Landeshauptstadt Kiel, S. 450

Straßen im Ostholsteinviertel

1930        Lütjenburger Straße (ab Franziusallee - Ellerbeker Weg)

1936        Peter-Hansen Straße (ab Klausdorfer Weg - Lütjenburger Straße)

1936        Selenter Straße (ab Lütjenburger Straße – Peter-Hansen-Straße)

1936        Nissenstraße (ab Klausdorfer Weg – Selenter Straße)

Quelle:

www.kiel.de Kieler Straßenlexikon, bis 2005 Hans-G. Hilscher, ab 2005 fortgeführt von Dietrich Bleihöfer, ab 2022 von Frank Mönig, Amt für Bauordnung, Vermessung und Geoinformation der Landeshauptstadt Kiel, Stand: Januar 2021.

Als letztes Bauvorhaben begann der Ellerbeker Bauverein noch 1940 mit dem Wohnungsbau an der Nissenstraße Dieses Baugebiet (171 Wohnungen, 1 Bäckerei) wurde noch vor Kriegsende bezugsfertig. Sehr viele der zwischen 1889 und 1939 vom Ellerbeker Bauverein in Wellingdorf, Gaarden und Ellerbek errichteten Siedlungshäuser und Arbeiterwohnungen wurden durch die Bombenangriffe der 40er Jahre zerstört oder schwer beschädigt. Sehr viele der zerstörten Gebäude wurden in der Nachkriegszeit nach den alten Plänen aber wieder aufgebaut.

Auf Anweisung der Regierung mussten sich im Jahre 1942 insgesamt fünf Baugenossenschaften (Dietrichsdorf, Oppendorf, Klausdorf, Kronsburg, Kroog) dem Ellerbeker Bauverein anschließen. Der neue Bauverein erhielt den Namen „Gemeinnützigen Heimstätten-Genossenschaft Kiel-Ost eG“.

Elmschenhagen – vom Dorf zur Gartenstadt

Die Gemeinde Elmschenhagen gehörte zum Kloster Preetz und wurde 1286 erstmals als „Elvereshagen“ erwähnt. 1327 wurde Elmschenhagen selbständiges Kirchdorf auch für die Gemeinden Ellerbek und Gaarden-Ost. 1844 mit dem Ausbau der Preetzer Chaussee und 1866 mit der neuen Eisenbahnlinie Kiel-Ascheberg veränderte sich das dörfliche Leben. Als nach 1871 die Bevölkerungszahlen in Kiel anstiegen, wandelte sich auch Elmschenhagen vom reinen Bauerndorf zu einer städtischen Arbeitersiedlung. Die Einwohnerzahl von Elmschenhagen erhöhte sich von 1.000 Einwohner um 1903auf 3.360 Einwohner im Jahre 1914 und auf 6.300 Einwohner im Jahre 1933.

Durch die steigenden Einwohnerzahlen musste die Gemeindevertretung Elmschenhagens zusätzliche Investitionen für neue Infrastrukturmaßnahmen (u. a. neue Straßen, zusätzliche Schuleinrichtungen) vornehmen. Daraufhin beantragte die Gemeindevertretung die Eingemeindung Elmschenhagens in die Stadt Kiel. Diesem Antrag wurde aber von der Verwaltung in Berlin nicht entsprochen.

Ab 1933 stieg die Einwohnerzahl in Kiel wieder stetig an (1933/218.335, 1935/233.497, 1939/265.443). Nach Beginn des Zweiten Weltkrieges lebten im Jahre 1942 insgesamt rund 306.000 Einwohner in der Stadt. Kiel konnte diesen Bevölkerungszuwachs, u. a. auch wegen fehlender Bebauungsflächen, nicht mehr allein bewältigen. Daraufhin wurde zum 1. April 1939 durch das preußische Staatsministerium und dem Oberpräsidenten der Provinz Schleswig-Holstein die Eingemeindung Elmschenhagens mit der Siedlung Kroog angeordnet. Mit der Eingemeindung im Frühjahr 1939 verlor Elmschenhagen sehr schnell seinen vorstädtischen Charakter.

Quelle:

Christa Geckeler, Kieler Erinnerungstage Dezember 1938, Beginn der Bauplanung für die Gartenstadt Elmschenhagen-Süd, 01. Dezember 2008

Zitierlink: https://www.kiel.de/erinnerungstage?id=96

Gartenstadt Elmschenhagen

Schon bereits vor der offiziellen Eingemeindung Elmschenhagens, hatte sich die Stadt Kiel (Magistratsoberbaurat Herbert Jensen) als Standort für den weiteren Bau einer Arbeitersiedlung die Nachbargemeinde Elmschenhagen ausgesucht. Nach Meinung Jensens konnte man in Elmschenhagen die Anbindung der neuen Siedlungen an die städtische Infrastruktur gewährleisten. Außerdem war die Versorgung mit Gas, Strom und Wasser und die Entsorgung der Abwässer abgesichert.

Das zu planende und von der Marine beauftragte Bauvorhaben Gartenstadt Elmschenhagen wurde das größte Bauvorhaben im Stadtgebiet vor dem Zweiten Weltkrieg und sollte mittels dreier, unabhängiger Bauvorhaben (Elmschenhagen Nord, Elmschenhagen Süd und Elmschenhagen Ost) realisiert werden. Für Beschäftigte der Kieler Kriegsmarinewerft (Zusammenschluss Howaldtswerke/Marinearsenal) wurde ab 1939 die Gartenstadt Elmschenhagen-Nord von der Siedlungsbaugesellschaft Hermann und Paul Frank, Hamburg, entworfen und erbaut. Das Baugebiet Elmschenhagen-Süd wurde ab 1939 von der Kieler Werkswohnungen GmbH für Beschäftigte der Deutschen Werke und der Kriegsmarinewerft erbaut. Schon vor der vollzogenen Eingemeindung erhielten die Architekten Schaeffer-Heyrothsberge, Magdeburg/Berlin den Auftrag mit den Planungen für die Gartenstadt Elmschenhagen Süd zu beginnen. Für das Bauvorhaben Elmschenhagen Nord diente die Gartenstadt Kleinborstel bei Hamburg als Vorbild. Der dritte Bauabschnitt Elmschenhagen Ost (Bauträger Kieler Wohnungsbaugesellschaft) wurde, wegen der Kriegsereignisse, nicht mehr realisiert.

Anmerkungen:

Ebenso wie bei der Stadtplanung setzte die nationalsozialistische Stadtverwaltung auch bei der Bebauung - bei der Anordnung und Verteilung der Bauten, bei den Bauformen, den Baumaterialien und dem Bauschmuck - die Tradition der zwanziger Jahre fort, ohne dass dies je erwähnt worden wäre. Im Wohnungsbau wurde die aufgelockerte Bauweise mit höchstens dreigeschossigen Häusern, mit Wohnhöfen und Grünflächen, wie sie an den Ringstraßen im Westen der Stadt und im Wohnviertel an der Schill- und Kleiststraße praktiziert worden war, unverändert beibehalten. Auch die Idee der Gartenstadt, die in den zwanziger Jahren als Leitidee des Siedlungsbaues galt, wurde beim Bau der großen Wohnsiedlungen in Elmschenhagen wieder aufgenommen. Und selbst die Idee der Gemeinschaftsbauten, die in der Zeit der Weimarer Republik aus dem Geist eines auch sozial verpflichteten Bauens entwickelt worden war, wurde nach 1933 beibehalten, fortgeführt, nun allerdings im Sinne der nationalsozialistischen Gemeinschaftsideologie umgedeutet.

Von der grundlegenden Struktur waren beide Siedlungsgebiete identisch geplant. Ein zentraler Platz mit Ladenhäusern, Verwaltungsgebäuden und Gemeinschaftseinrichtungen war Mittelpunkt der Siedlung. Zwei Alleen (Reichenberger Allee/Süd, Wiener Allee/Nord) bildeten die zentrale Achse, die beide Gebiete miteinander verband. Im gesamten Bereich gab es verschiedene Hausgrößen und Hausformen. Die Gebäude waren Backsteinbauten. Durch eine unterschiedliche Bebauung wurden verschiedene Formen mit Wohnhöfen und vielen Grünanlagen geschaffen. Anlage und Ausgestaltung der Gartenstadt orientierte sich an den Ideen der Gartenstadtbewegung, obwohl, durch die hohe Bebauungsdichte der städtische Charakter hervorgehoben wurde.

Gartenstadt Elmschenhagen Nord

Das Baugebiet für diese neue Siedlung lag nördlich zwischen der Preetzer Chaussee und dem Ellerbeker Weg. Die Straßen in Elmschenhagen Nord erhielten Namen aus der 1938 annektierten Ostmark (Österreich). Die nördliche Gartenstadt wurde von einer Ringstraße (Tiroler Ring) umschlossen und die Mittelachse der Siedlung bildete die Wiener Allee. Als Siedlungszentrum und als Veranstaltungszentrum war der Andreas-Hofer-Platz gedacht. Um diesen Platz herum etablierte sich auch das kommerzielle Zentrum der neuen Gartenstadt.

Die Wohnhäuser der neuen Gartenstadt waren zweigeschossige Reihenhäuser mit Vorgärten und kleinen Nutzgärten. Die Häuser hatten eine Größe von 92qm und 60qm. Für ältere Mieter standen aber auch 48qm große Dreizimmerwohnungen zur Verfügung.

Gartenstadt Elmschenhagen Süd

Die Planungen für das Bauvorhaben Elmschenhagen-Süd standen im Kontext mit der ab 1938 von dem Büro Paul und Hermann Frank, Hamburg, entworfenen Siedlung Elmschenhagen-Nord. Eine weitere geplante dritte Siedlung, Elmschenhagen-Ost, kam kriegsbedingt nicht mehr zur Ausführung. Die südlich der Preetzer Chaussee gelegene Gartenstadt Elmschenhagen-Süd wurde ab 1939 nach Entwürfen von Paul Schaeffer-Heyrothsberge von der Kieler Werkswohnungen GmbH errichtet. Die rund 2.000 geplanten Wohnungen waren für Beschäftigte der Deutschen Werke und der Kriegsmarinewerft gedacht.

Die Häuser der neuen Siedlung wurden ebenfalls aus rotem Backstein gebaut. Neben einigen Reihenhauszeilen wurden überwiegend zweigeschossige Mietshäuser mit vier Wohnungen erbaut. Auf die Umsetzung der Gartenstadtidee verzichtete man. Die durch Zeilen- und Blockrandbebauung entstanden Freiflächen wurden aber begrünt.

Alle Straßen und Plätze der neuen Siedlung wurden nach sudetendeutschen Orten benannt. Die Hauptachse der Siedlung war die Reichenberger Allee, die die Preetzer Chaussee mit der Elmschenhagener Allee verband. Die Teplitzer Allee war als Hauptachse für die nicht mehr realisierte Gartenstadt Elmschenhagen-Ost geplant.

Als Zentrum der Gartenstadt Elmschenhagen-Süd diente der Egerländer Platz (heute Bebelplatz). Der Egerländer Platz war als zentraler Punkt von Elmschenhagen-Süd geplant. Diese Planungen konnten wegen des Krieges nicht umgesetzt werden

Es wurden neben Zweizimmerwohnungen mit Wohnküche für junge und ältere Ehepaare, auch Vierzimmerwohnungen für Eltern mit Kindern errichtet.

Quellen:

SVGKStG Band 29 Hrsg. Jürgen Jensen, 1995, Lutz Wilde, Denkmaltopographie Landeshauptstadt Kiel, S. 93-95

Christa Geckeler, Kieler Erinnerungstage Dezember 1938, Beginn der Bauplanung für die Gartenstadt Elmschenhagen-Süd, 01. Dezember 2008

Gaarden

Der heutige Stadtteil Gaarden bestand ursprünglich aus der Gemeinde Gaarden Ost (1212 Hemminghestorp, klösterliches Gaarden) die zum Kloster Preetz (Kreis Plön) gehörte und der Gemeinde Gaarden Süd (1402 Wulvesbrook, fürstlich Gaarden) die ab 1907 zum Kreis Bordesholm gehörte. Die Grenze zwischen diesen beiden Gemeinden bildete die südlich der Preetzer Chaussee vom Langsee in die Hörn fließende Mühlenau. Eine weitere Trennung der beiden Gemeinden manifestierte sich durch den Bau des Eisenbahndammes der 1844 eröffneten Eisenbahnlinie von Kiel nach Altona.

Als Folge der Werftansiedlungen und der laufenden Erweiterung stieg der Bedarf an Arbeitskräften auf den Werften. Der dringend benötigten Wohnraum für die neuen Werftarbeiter und dem damit verbundenen Bauboom setzte sich in beiden Gemeinden rasant eine städtische Bebauung durch. Das Gelände zwischen beiden Gemeinden wurde immer enger erschlossen und Gaarden Ost und Gaarden Süd wuchsen immer dichter zusammen. Lebten in beiden Gemeinden 1860 lediglich 400 Einwohner waren es 1910 schon 30.427 Einwohner an. Die Gemeinde Gaarden-Ost (klösterliches Gaarden) wurde am 1. April 1901 in Kiel eingemeindet und die Gemeinde Gaarden-Süd (fürstlich Gaarden) folgte im Jahre 1910.

Das fürstliche Gaarden und das klösterliche Gaarden entwickelten sich bis zum Kriegsbeginn 1914 unterschiedlich. eine Entwicklung wie das durch. Zum Ende der 1890er Jahre wurde für beide Gemeinden eine abgestimmte Stadtplanung durch den Kreis Plön (Gaarden Ost) und der Stadt Kiel (Gaarden Süd) erarbeitet. Die Stadt Kiel hatte ihre Planung für Gaarden Süd bereits im Stübbenplan festgeschrieben.

Zunächst musste durch die Ausdehnung der Germaniawerft eine Erweiterung der bereits bestehenden Wohngebiete in Gaarden Ost geplant und nach der Eingemeindung realisiert werden. Die Bebauung der neuen Wohngebiete in Gaarden Ost wurden geprägt vier bis fünfgeschossigen Miethäusern und glichen der Bebauung der Arbeitersiedlungen auf dem Westufer. Am Rand dieser verdichteten Bebauung, an dem ersten Abschnitt der neu angelegten Ringstraße Germania Ring, zwischen Blitz- und Helmholtzstraße, befanden sich die von Krupp erbauten Werkswohnungen. Weitere Teilstücke des Germania Rings wurden erst nach dem ersten Weltkrieg angelegt.

Entsprechend dem Stübbenplan sollte Gaarden Süd als Verbindung zwischen den westlichen und den östlichen Stadtteilen dienen. Zunächst entstand nach 1900 südöstlich der alten Lübecker Chaussee an der Grenze zu Gaarden Ost ein neues dicht bebautes neues Wohnviertel und um den Joachimsplatz herum entstand ein neues Gemeindezentrum.

Beide Gaardener Gemeinden zeigen unterschiedliche Lösungsansätze der Schaffung von Wohnraum für eine größere Anzahl von Menschen auf. In Gaarden Ost wurde mit einer verdichteten Bebauung mehrgeschossiger Mietwohnhäuser in Blockrandbebauung reagiert und in Gaarden Süd dominierte der Siedlungsbau.

Nach Kriegsende 1918 zogen sich die privaten Bauunternehmer aus dem Wohnungsbau. Diese Aufgabe fiel jetzt den Kommunen, gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaften und-genossenschaften und vor allem in Gaarden Ost auch der Industrie zu.

Hinweis:

Erstmals mit dem preußischen Wohnungsgesetz von 1918 bekannte sich der Staat zu seiner Verantwortung auf dem Gebiet der Wohnungsversorgung. Die Schaffung von Kleinwohnungen wurde durch das Wohnungsgesetz in den Verantwortungsbereich des Staates übertragen. Weiterhin sah es eine nach gesundheitlichen und sozialen Gesichtspunkten geordnete Wohnungsaufsicht und Wohnungspflege durch die Einrichtung kommunaler Wohnungsämter vor. Der Kleinwohnungsbau sollte aber auch finanziell durch den Staat gefördert werden. Das Reichsheimstättengesetz von 1920 hatte zum Ziel, jeder Familie eigenen Wohnbesitz, zumindest aber ein Stück Gartenland zur Selbstversorgung zu ermöglichen. Aus diesem Grunde wurden die Kommunen verpflichtet, Bodenvorratswirtschaft zu betreiben, um Land für Siedlungen und Nutzgärten zur Verfügung stellen zu können. Infolge des Heimstättengesetzes begannen die Gemeinden selbst Wohnungen zu bauen bzw. in städtische Verantwortung zu übernehmen.

Quelle:

Breit, Günther, Christa Geckeler, Dörfer des Ostufers werden Stadtteile der Großstadt Kiel, in: Das Gymnasium Wellingdorf. Eine Schule auf dem Ostufer, 1914-1989, Mitteilungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 75, S. 30-66

Christa Geckeler, Kieler Erinnerungstage: 23. Mai 1867 | Errichtung einer Marinewerft in Ellerbek und des Erscheinungsdatums 23. May 2007

Walter Ehlert, 2021, Das historische Gaarden, Bauernland wird Industriestandort, Husum, S. 28 - 33

SVGKStG Band 29 Hrsg. Jürgen Jensen, 1995, Lutz Wilde, Denkmaltopographie Landeshauptstadt Kiel, S. 62-64, S. 54 – 59

MGKStG Band 77-1, 1991, Ulrike Weber-Karge, Wohnungsbau in Gaarden 1880-1950

Das Siedlungsgebiet entlang der Von-der-Goltz-Allee (Hamburger Chaussee-Barkauer Weg) war ursprünglich für villenartige, offenen Bauweise vorgesehen. Mit der Bebauung in diesem Abschnitt begann man erst zum Ende der 1890er Jahre.

Die Idee des Siedlungsbaus ging letztlich aus der Gartenstadtbewegung hervor. Das Gelände in Gaarden Süd zwischen Hamburger Chaussee und Barkauer Weg (heute Neuer Hamburger Straße) war kaum besiedelt. Mit dem Ziel einkommensschwachen Familien den Erwerb von kleinen Siedlungshäusern zu ermöglichen war bereits 1915 mit Unterstützung der Stadt Kiel der Gemeinnützige Bauverein Gartenstadt Kiel GmbH gegründet worden. Der Bauverein Gartenstadt Kiel konnte erst nach Beendigung mit der Erschließung des Baugebietes für die Gartenstadt Vieburg beginnen. Es wurden die Straßen Petersburger Weg, Finkelberg und Vieburger Weg angelegt. Die Siedlungshäuser wurden nach Plänen von Hans Schnittger gebaut. Die Siedlung Gartenstadt Vieburg wurde 1925 fertiggestellt.

Paul Schwanebeck, Albert von Maybach und Johannes Spolert gründeten auf dem Friedrichsberg westlich des Barkauer Weges die Eisenbahnersiedlung Gaarden-Süd. Der 1900 gegründete Eisenbahnbau- und Sparverein erbaute nach Plänen von Johann Theede 1921/22 zunächst 24 Doppelhäuser an der Schwanebeckstraße und an der Spolertstraße. Weitere Doppelhäuser wurden in den 20er Jahren auch an der Maybachstraße und am Flintbeker Weg erbaut. Im Gegensatz zur Siedlung Vieburg blieben die Häuser der Eisenbahnersiedlung in Gaarden Süd Mietshäuser und gingen nicht in das Eigentum des Erwerbers über.

Hinweis:

heutiger Eigentümer: Wohnbaugesellschaft Norden, Nachfolgerin des Eisenbahnbau- und Sparvereins

Eine weitere Baugenossenschaft, die Siedlungsgenossenschaft für Kriegsbeschädigte und Hinterbliebene GmbH Kiel Süd, ließ als Bauträger an der südlichen Hälfte des Krusenrotter Weges, in der Pestalozzistraße und in der Diesterwegstraße Zwei- und Dreifamilienhäuser errichten. Noch bis in die fünfziger Jahre wurden die Siedlungshäuser mit Glockendach in diesem Baugebiet erbaut. Neben diesen Siedlungshäusern errichtete die gleiche Baugenossenschaft 1931 mehrere Mietsreihenhäuser , mit bis zu 25 Wohnungen pro Block an der Fröbelstraße.

Hinweis:

Die Siedlungsgenossenschaft für Kriegsbeschädigte und Hinterbliebene GmbH Kiel Süd nannte sich ab 1936 nur noch Siedlungsgenossenschaft Kiel Süd

Zwischen 1929 und 1933, mit der Weltwirtschaftskrise kam der öffentlich geförderte Wohnungsbau zum Erliegen. Die neuen Machthaber nach 1933 verfolgten weiterhin das Ziel, durch den staatlich geförderten Siedlungsbau den Arbeiter an den eigenen Grund und Boden zu binden. Ein weiterer Gedanke hierbei war aber auch den Grad der Selbstversorgung zu steigern. Mit dem Beginn der erneuten Aufrüstung entspannte sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt und der Erwerb von Wohneigentum wurde als Auszeichnung für verdiente Volksgenossen und Anhänger der NSDAP dargestellt. Innerhalb neuer Siedlungen wurden neben Mietwohnungen (sog. Volkswohnungen) und auch Eigenheime angeboten.

Ab 1936 wurde dann als Erweiterung der Gartenstadt Vieburg auf dem Gelände der früheren städtischen Ziegelei ab 1936 am Sandberg und am Baumweg die Volkswohnungen Petersburger Hof errichtet. Als Bauträger dieser neuen Siedlung, trat die 1936 von der Stadt gegründete Kieler Wohnungsbaugesellschaft (KWG) auf. Die KWG wird anschließend dann auch sehr bald führende Rolle im Mietwohnungsbau in Gaarden-Ost übernehmen.

Die verschiedenen Häuser wurden nach Plänen des Kieler Ingenieurs Wilhelm Bentz erbaut. Die neu angelegten Straßen wurden bis 1945 nach Parteigrößen der NSDAP in Schleswig-Holstein benannt. Der Volksmund nannte diese neue Siedlung daher auch SA Siedlung.

Hinweis:

Nachfolgende Straßen wurden 1936 neben der lediglich nach Süden verlängerten Pestalozzistraße neu angelegt:

Hermann-Schmidt-Straße (ab 1945 Krummbogen) ab Krusenrotter Weg

Karl-Radke-Straße (ab 1945 Holunderbusch) zwischen Pappelweg und Krummbogen

Martin-Martens-Straße (ab 1945 Heckenrosenweg) zwischen Pestalozzistraße und Hamburger Chaussee

Otto-Streibel-Straße (ab 1945 Pappelweg) zwischen Pestalozzistraße und Krummbogen

Richard-Menzel-Straße (ab 1945 Hagebuttenweg) zwischen Heckenrosenweg und Krummbogen

Am Hagebuttenweg und am Pappelweg wurden Doppel- und Siedlungshäuser mit Einliegerwohnung und Stallanbau errichtet. Am Krummbogen wurden weitere Einfamilienhäuser, die vier bis fünf Wohnräume sowie Bad und WC umfassten, errichtet.

Durch die erneute Aufrüstung konnte auch für die Kieler Werftbetriebe erneut die Vollbeschäftigung erreicht werden. Mit der Umstellung auf Kriegswirtschaft kam es dann auch in Kiel zu einem größeren Arbeitskräftemangel. Die Stadtplaner der neuen Machthaber gaben das Ziel auf, jedem Arbeiter und seiner Familie ein Leben auf eigenem Grund und Boden zu ermöglichen. Die Absicht hierbei war, den Arbeiter in seiner knapp bemessenen Freizeit nicht noch mit zusätzlicher Gartenarbeit zu belasten. In der neuen Planungsphase sollte die Verbindung zur Natur mit der Einrichtung von begrünten Innenhöfen und freien Flächen erreicht werden. Auch in Kiel verschärfte sich der bereits vorhandene Wohnungsmangel durch den Zuzug auswärtiger Arbeitskräfte nochmals drastisch.

Hinweis:

Auch für die Arbeiter der DWK gab es im Sommer 1938 bei weitem nicht genug Wohnungen. Allein bis 1939 wurde der Neubaubedarf für Beschäftigte des Kieler Werks auf 3390 beziffert, bis 1945 rechnete man mit einem Bedarf von 5650 weiteren Wohnungen.

Zunächst reagierte die Stadt Kiel und gründete 1936 die Kieler Wohnungsbaugesellschaft (KWG) um die eingetretene Wohnungsknappheit abzumildern. Nach Gründung der Kieler Wohnungsbaugesellschaft (KWG) wurde auch die Deutsche Werke Kiel AG (DWK) aktiv und gründete im April 1937 die Tochtergesellschaft Kieler Werkswohnungen GmbH (KWW) (Stammkapital von 1,5 Millionen Reichsmark) um sich auch am Werkswohnungsbau zu beteiligen.

Die KWG nahm sehr schnell eine führende Rolle in Wohnungsbau in Gaarden-Ost ein. Der Zuzug zusätzlicher Arbeitskräfte und deren Familien nach Kiel, ausgelöst von der anlaufenden Aufrüstung, hielt weiter an. Aber erst ab Juli 1938 trafen sich erst Stadt- und Provinzvertreter mit der Marine und den Werften, um eine Lösung für das Problem des Wohnungsmangels zu finden. Zwischen 1936 und 1939 konnte man insgesamt elf neue Bauvorhaben realisieren. Neben der stadteigenen Kieler Wohnungsbaugesellschaft (KWG) traten das DWK Tochterunternehmen Kieler Werkswohnungen (KWW) und die Fried. Krupp Germaniawerft als Bauherren auf. Am Germaniaring (heute Ostring) in Gaarden wurde vom Kruppschen Wohnungsbau die Arbeitersiedlung (Kruppsche Siedlung) bis an die Preetzer Chaussee erweitert. An der Bielenbergstraße, an der Bothwellstraße und an der Werftstraße erbaute die Kieler Werkswohnungen (KWW) weitere neue Wohnungen. Neben den Wohnungsbauaktivitäten in Gaarden konnte aber auch der Ellerbeker Bauverein neuen Wohnraum am Tröndelweg / Poppenrade und nördlich der Lütjenburger Straße schaffen.

Quellen:

Daniel Roth: Gefolgschaftsbetreuung Zur betrieblichen Sozialpolitik der Deutsche Werke Kiel AG im „Dritten Reich“, S.279-S.282 in Demokratische Geschichte Band 13 Essay 9

Peter Wulf Die Stadt in der nationalsozialistischen Zeit (1933 bis 1945) Seite 365-366

MKStG 77/1, 1991, S 3-25, Ulrike Weber-Karge, Wohnungsbau in Gaarden 1880-1950

Werkswohnungsbau in Gaarden ab 1937

In Gaarden standen noch entsprechende Baulücken in unmittelbarer Nähe zu den Werften für eine Verdichtung der Bebauung zur Verfügung. Weiterhin stand in Gaarden, angrenzend an das bebaute Wohngebiet, noch ausreichend Bauland für den weiteren notwendigen Wohnungsbau zur Verfügung. Somit war es möglich von 1936 bis 1939 elf größere Wohnungsbauvorhaben in kürzester Zeit zu realisieren. Es wurden in dieser Zeit mehrere Hundert Zweizimmerwohnungen (nicht größer als 50qm) fertiggestellt.

Aber auch für die Einwohner, die aus dem Arbeitsprozess ausgeschieden waren, musste die Stadt Wohnraum zur Verfügung stellen. Daher errichtete das städtische Hochbauamt an der Blitzstraße 20-22 und 21/23 zwei größere Rentnerheime mit Ein- und Eineinhalbzimmerwohnungen. Der größere südliche Teil der Anlage verfügte über einen zur Straße geöffneten Gartenhof.

Quellen:

SVGKStG Band 29 Hrsg. Jürgen Jensen, 1995, Lutz Wilde, Denkmaltopographie Landeshauptstadt Kiel, S. 420

Bauvorhaben der Kieler Wohnungsbaugesellschaft (KWG)

  • An der östlichen Bielenbergstraße (4-12) errichtete 1937/1938 nach Plänen von Arnold Bruhn die KWG einen viergeschossigen Backsteinwohnblock.
  • Nach den Plänen des Magistratsbaurates van Engelen wurde 1937auf dem Baugrundstück zwischen Germaniaring (Ostring) 124-136,  Kirchenweg 63-69 und Hertzstraße (Röntgenstraße) 2-16  für die Kieler Wohnungsbaugesellschaft (KWG) eine zusammenhängende Wohnanlage mit 145 Kleinwohnungen um einen gemeinsamen begrünten Innenhof Gartenhof erbaut.
  • An der westlichen Einmündung des Kirchenweges in den Germaniaring/Ostring erbaute die Kieler Wohnungsbaugesellschaft (KWG) nach den Plänen von Ernst Prinz 1938 zwei schlichte Eckhäuser (Kirchenweg 59-61, 52-56). Diese Wohnblocks wurden werden auch entlang des Ostrings nördlich bis an die Helmholtzstraße und südlich bis an die Gazellestraße weitergeführt.

Quellen:

SVGKStG Band 29 Hrsg. Jürgen Jensen, 1995, Lutz Wilde, Denkmaltopographie Landeshauptstadt Kiel, S. 418

SVGKStG Band 29 Hrsg. Jürgen Jensen, 1995, Lutz Wilde, Denkmaltopographie Landeshauptstadt Kiel, S. 434

SVGKStG Band 29 Hrsg. Jürgen Jensen, 1995, Lutz Wilde, Denkmaltopographie Landeshauptstadt Kiel, S. 428

Bauvorhaben der Kieler Werkswohnungen GmbH (KWW)

  • Ab 1937 begann die Kieler Werkswohnungen GmbH mit den Bauarbeiten für die nach Plänen des Berliner Architekten Alfred Schild gestaltete Arbeitersiedlung Kiel-Bielenberg. In der Bielenbergstraße und den angrenzenden, neu angelegten Straßen (Ascheberger Straße, Eutiner Straße, Lensahner Straße, Oldenburger Straße und verlängerte Hofstraße) wurden bis Ende 1938 bereits 523 zwei und zweieinhalb Zimmerwohnungen bezugsfertig. Die langgezogenen drei- bis viergeschossiger Wohnblocks wurden sehr einheitlich gestaltet. Um das Gefälle des Geländes auszugleichen, wurden an der Ascheberger Straße 16-20 eine Terrasse angelegt und die Eingangstüren in der Eutiner Straße waren über einen baumbestandenen Hang und mehrerer langer Außentreppen erreichbar.
  • Im Rahmen des Projektes Arbeitersiedlung Kiel-Bielenberg erbaute die Kieler Werkswohnungen GmbH ab 1937 an der östlichen Bielenbergstraße (16-36) errichtete die KWW drei schlichte Backsteinhäuser, die sich an den Neubau der KWG anschlossen.
  • Ab 1938 wurde nach den Plänen des Magdeburger Architekten Paul Schaeffer-Heyrothsberge an der südlichen Bothwellstraße von der KWW für Arbeiter der Deutschen Werke viergeschossige Backsteinbauten (an der Einmündung Stoschstraße fünfgeschossig). Auf der gegenüberliegenden Straßenseite wurden zwei Durchgänge angelegt, über die man von der Bothwellstraße aus die zur gleichen Zeit an der Von-der-Gröben-Straße errichteten Querblöcke erreichen konnte.
  • Ein weiteres Bauvorhaben geplant vom Kieler Architekten Fritz Kröger wurde auf der östlichen Seite von der Reeperbahn 20-36, der verlängerten Mühlenstraße 12-14, 20a-38 sowie entlang der abschließenden Georg-Pfingsten-Straße 10-18,13-15,19 im Jahre 1938/39 von der Kieler Werkswohnungen GmbH (KWW) zusammen mit der Baugenossenschaft Kiel-Gaarden verwirklicht. Die Anbindung der drei- und viergeschossige Wohnhäuser an die bestehende Bebauung und die Eckbauten wurden als quergestellte um ein Geschoß erhöhte Gebäude erbaut. Durch das starke Gefälle an der westlichen Mühlenstraße wurde diese Seite nicht bebaut. Somit stehen die Fassaden dieser neuen Gebäude an der östlichen Mühlenstraße als Visitenkarte für den Stadtteil Gaarden.

Quellen:

SVGKStG Band 29 Hrsg. Jürgen Jensen, 1995, Lutz Wilde, Denkmaltopographie Landeshauptstadt Kiel, S.418,420,432

MGKStG Band 77-1, 1991, Ulrike Weber-Karge, Wohnungsbau in Gaarden 1880-1950, S.3 bis S.25

Bauvorhaben der Friedrich Krupp Germaniawerft

Kruppsche Siedlung

Der Germaniaring (heute Ostring) wurde ab 1900 zwischen Preetzer Straße und dem Brook ausgebaut. Der Straßenausbau ermöglichte es der Firma Krupp an dieser Stelle für die Beschäftigten der Friedrich Krupp Germaniawerft eine Arbeiterkolonie (Kruppsche Siedlung) bis 1902 zu errichten. In Essen, unter der Leitung von Robert Schmohl, wurden die Pläne für zehn Gebäude mit insgesamt 215 Wohnungen entworfen.

Der erste Bauabschnitte war bereits 1901 bezugsfertig und umfasste die Gebäude Blitzstraße 25-31, Germaniaring 61-85 und Preetzer Straße 46-48. Ab 1902 wurde dann auch der zweite Bauabschnitt, Germaniaring 100-112 und Greifstraße 1-9 und 4-6, bezugsfertig. Eine dritte Erweiterung der Kruppschen Siedlung erfolgte 1917 und umfasste Gebäude am Germaniaring 45-55 und 88-98 sowie an der Blitzstraße 24-48.

Nach Kriegsende, ab 1920, wurde dann der Germaniaring bis an die Segeberger Landstraße (heute Theodor-Heuss-Ring / Konrad-Adenauer-Damm) verlängert. Zwischen 1938 und 1942 wurden am unteren Germaniaring nach Plänen von Ernst Prinz weitere Kruppsche Werkswohnungen (Germaniaring 2-76) errichtet. Die neuen Häuser wurden um drei Innenhöfe angeordnet und die Hauseingänge mit keramikgerahmten Haustüren waren über den Innenhof erreichbar.

Auf der westlichen Straßenseite baute die Baufirma Kieler Wohnungen Heldmann & Co. KG für die Friedrich Krupp Germaniawerft nach Plänen von Kurt Malzahn/Kiel und Erich Zingg/Stettin weitere parallel zur Straße angeordnete Wohnblocks (Germaniaring 1-25) und der Wohnblock wurde nach bis zur Bielenbergstraße an der Segeberger Landstraße fortgeführt. An der Einmündung der Oldenburger Straße in den Germaniaring hatte man einen Bauplatz für eine Kirche (1956 – Markuskirche) freigelassen

Parallel zu den Neubautätigkeiten am Germaniaring wurden auch zwischen Preetzer Straße / Blitzstraße und Greifstraße nach Plänen von Schaeffer-Heyrothsberge weitere Kruppsche Werkswohnungen errichtet. An der Preetzer Straße bildeten die quer gestellten und die freistehenden Wohnblöcke die sog. Wohnhöfe.

Bielenbergstraße / Buschfeldstraße

Für dieses Bauvorhaben wurde zunächst 1936 die Buschfeldstraße angelegt. Nach der Erschließung des Baugebietes Preetzer Straße / Bielenbergstraße und Buschfeldstraße wurden dann auch hier, auf dem bisher unbebauten Gelände nach Plänen von Karl Doormanns weitere Werkswohnungen für die Friedrich Krupp Germaniawerft errichtet.

Zusammenfassung

Als, als Folge der Aufrüstung, sich auch der schon bereits vorhandene Wohnungsmangel in Kiel sich verstärkte, begannen u.a. auch die Kieler Werften sich verstärkt im Werkswohnungsbau zu engagieren. Wie sich dieser nicht uneigennützige Versuch Mitarbeiter an den Betrieb zu binden soll nachfolgend am Beispiel der Deutschen Werke dargestellt werden. Weiterhin ist es ersichtlich, wie die DAF (Deutsche Arbeitsfront)diese Aktivitäten auch für sich ausnutzte.


Quelle:

Daniel Roth: Gefolgschaftsbetreuung Zur betrieblichen Sozialpolitik der Deutsche Werke Kiel AG im „Dritten Reich“, S.279ff in Demokratische_Geschichte_Band_13_Essay_9.pdf

„Zitate Daniel Roth ab S.279ff, Betriebliche Wohnungsbeschaffung.

„Zitat S279“

"Die Bauarbeiten am ersten Großprojekt des DWK-Werkswohnungsbaus begannen bereits wenige Monate nach der Gründung der KWW. Bis zum Ende des Jahres 1938 waren in der Bielenbergstraße und in den daran angrenzenden, neu angelegten Straßen 523 Wohnungen mit jeweils zwei bis zweieinhalb Zimmern bezugsfertig. Von der DAF wurden die Werke im selben Jahr mit dem „Leistungsabzeichen für vorbildliche Leistung im Heimstättenwesen“ ausgezeichnet."

„Zitat S279/280“

"Wie die ehrgeizigen Bauvorhaben der folgenden Jahre und ihre rasche Umsetzung deutlich werden lassen, rückte der Werkswohnungsbau nun ins Zentrum des sozialpolitischen Engagements der DWK. Im Februar 1940 zog ein ausführlicher Artikel in der Werkszeitung Bilanz über den Umsetzungsstand der ehrgeizigen Vorhaben des DWK-Wohnungsbaus. Bis zu diesem Zeitpunkt waren in Gaarden 727 Wohnungen im Bereich Bielenbergstraße sowie in der Werftstraße, Bothwellstraße, Mühlenstraße und Georg-Pfingsten-Straße fertiggestellt worden. Auch in Ellerbek (Poppenraderweg), Friedrichsort (Gorch-Fock-Str.) und im großflächig erworbenen Neubaugebiet Elmschenhagen-Süd, damals noch jenseits der Stadtgrenze, konnten Anfang 1940 bereits 150 Wohnungen bezogen werden. Hinzu kamen noch 104 Werkswohnungen in Dietrichsdorf, die die KWW im Auftrag der Kriegsmarinewerft gebaut hatte. Daneben war der bereits vor 1937 betriebene Siedlungsbau fortgesetzt worden. Im Zusammenwirken mit anderen Bauträgern, zumeist gemeinnützigen Baugenossenschaften, waren so immerhin 289 Siedlungshäuser entstanden. Der Gesamtumfang der KWW-Wohnungsbauvorhaben, die 1940 in der Werkszeitung vorgestellt wurden, belief sich auf 4873 Wohnungen, von denen 1651 von der Kriegsmarinewerft in Auftrag gegeben worden waren. Damit waren für die Beschäftigten der DWK zwar weniger Wohnungen geplant, als man noch 1938 als Bedarf für die nächsten zwei Jahre veranschlagt hatte. Vor dem Hintergrund der kriegsbedingten Ressourcenbewirtschaftung kann der dennoch beachtliche Umfang des Bauprogrammes jedoch als eindrucksvoller Beleg dafür angesehen werden, dass dem Wohnungsbau für die Arbeiter der Kieler Rüstungsindustrie an oberster Stelle hohe Priorität zugemessen wurde. In den folgenden Jahren verlagerte sich der Schwerpunkt des DWK Werkswohnungsbaus nach Elmschenhagen-Süd, wo man mit rund 1500 geplanten Wohnungen ein ganz neues Viertel, die „Gartenstadt“, aus dem Boden zu stampfen begann.

Erst im Mai 1943 wurden in der Werkszeitung wieder Zahlen zum Durchführungsstand der KWW-Vorhaben veröffentlicht: Obwohl der Krieg „die beabsichtigte, schnelle Durchführung der Bauvorhaben zum Teil stark gehindert“ und zu Abstrichen bei ihrer „äußere[n] Gestaltung“ gezwungen habe, seien nunmehr rund 3500 Wohnungen fertiggestellt worden, davon 2500 für die Belegschaft der Deutschen Werke. Da man von der Kriegsmarine günstige Baudarlehen erhalten habe, sei es auch gelungen, die Mieten „in niedrigen Grenzen“ zu halten. Gemäß dem im Februar 1944 veröffentlichten Geschäftsbericht des Vorstandes wurde schließlich noch für das Frühjahr 1944 mit dem planmäßigen Abschluss des gesamten Werkswohnungsbaus gerechnet."

„Zitat S281/282“

"Wie konnte der Werkswohnungsbau trotz des Mangels an Arbeitskräften und Material und noch dazu vor dem Hintergrund des Krieges, den alliierte Bomberangriffe nun auch in die Kerngebiete des Reiches trugen, derart forciert werden? Zum einen ermöglichten es die guten Beziehungen von DWK und Kriegsmarinewerft zur Marineleitung überhaupt erst, die Priorität der Wohnungsbauprojekte als „kriegswichtige“ Vorhaben zu behaupten. Zum anderen wurden im Laufe des Krieges in großer Zahl ausländische Arbeiter eingesetzt. Während die Ankunft der ersten ausländischen Bauarbeiter für die Bauvorhaben der KWW in Elmschenhagen-Süd am 14. April 1939 noch in eine Phase des „Fremdarbeitereinsatzes“ fällt, in der Zwang noch nicht durchgängig als Mittel der Rekrutierung von Arbeitern und Arbeiterinnen unter den Einwohnern der besetzten Länder Europas eingesetzt wurde, ist angesichts des Übergangs zu massiven Verschleppungsaktionen seit der Ernennung Fritz Sauckels zum Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz (1943) davon auszugehen, dass es sich bei den ausländischen Bauarbeitern, deren Einsatz die Fortführung des DWK-Werkswohnungsbaus bis in die letzten Kriegsjahre hinein ermöglichte, überwiegend um deportierte Zwangsarbeiter handelte."

Zitat Ende.

Literaturverzeichnis

Ehlert, W. (2021). Das historische Gaarden, Bauernland wird Industriestandort. Husum: Husum Druck- und Verlagsgesellschaft.

Geckeler, C. (Mai 2007). Kieler Erinnerungstage 23. Mai 1867. Kiel: Stadt Kiel.

Gemeinnützige Heimstätten-Genossenschaft Kiel-Ost, Karl Behnk. (1964). 75 Jahre, Gemeinnützige Heimstätten-Genossenschaft Kiel-Ost e.G.m.b.H. Kiel: Verlag für Wirtschaftswerbung, Elmshorn.

Petersen, S. (2016). Arbeiterbewegung Kommune und Howaldtswerke. Berlin: Pro Business GmbH.

Stoy, V. (2003). Kiel auf dem Weg zur Großstadt. Kiel,: Verlag Ludwig.

Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte:

MGKStG, Band 55, 1966, Hg. Sievert, Ellerbek

Entwicklungsgeschichte Alt-Ellerbeks, Von Julius Prange, 1937, Seite 17ff

Alt-Ellerbek, Siedlung, Bevölkerung und Brauchtum 1937, Von Andreas Blass 1937, Seite 39ff

MGKStG, 1957, Heft 1/2, Radunz, Kieler Werften im Wandel der Zeit

MGKStG, 1991, Band 77-1, Ulrike Weber-Karge, Wohnungsbau in Gaarden 1880-1950, S.3 bis S.25

MGKStG, 2004, Band 82, Heft 1, Tillmann, Alt Ellerbek

SVGKStG, 1995, Band 29, Hrsg. Jürgen Jensen, 1995, Lutz Wilde, Denkmaltopographie Landeshauptstadt Kiel

SVGKStG, 2004, Band 48, Hrsg. Jürgen Jensen, Dörte Beier Kiel in der Weimarer Republik

Stadt Kiel:

www.kiel.de Kieler Straßenlexikon, bis 2005 Hans-G. Hilscher, ab 2005 fortgeführt von Dietrich Bleihöfer, ab 2022 von Frank Mönig, Amt für Bauordnung, Vermessung und Geoinformation der Landeshauptstadt Kiel, Stand: Januar 2021.


Weitere Quellen im Text erwähnt