Carl Imhoff

Aus Kiel-Wiki
Carl Imhoff, unbekanntes Jahr

Carl Johann Ferdinand Imhoff (* 13. November 1863 in Kiel; † 22. Dezember 1926 in Kiel) war ein Kieler Bauunternehmer und Architekt.

Leben und Wirken

Carl Imhoff stammte aus bescheidenen Verhältnissen; sein Vater war Sparkassenkassierer. Nach dem Besuch der Realschule in Kiel absolvierte er die Baugewerkschule Eckernförde (1883-1885), von der er mit einem „guten, teils vorzüglichen“ Examen abging.[1] 1884 erhielt er seinen Gesellenbrief als Maurer.

Kurzzeitig arbeitete Imhoff tatsächlich als Maurer, wohl um praktische Erfahrungen zu sammeln. Es folgten Reisen durch Deutschland, die Schweiz und Italien, wie ein Skizzenheft mit architektonischen Eindrücken belegt. 1890-1891 studierte er in Johannes Otzens „Meister-Atelier“ für Architektur an der Preußischen Akademie der Künste in Berlin.[2]

Dieser Werdegang entspricht dem anderer Architekten seiner Zeit, in der eine formelle Architektenausbildung noch in den Anfängen steckte.[3] Die Baugewerkschulen bildeten ihre Schüler für das Entwerfen und Bauen von kleineren Häusern und Dorfschulen mit vorgegebenen Gestaltungselementen aus. Wer architektonisch höher hinaus wollte, besuchte eine Hochschule.[4] Mit Blick auf diese doppelte Ausbildung nannte Imhoff sich stets „Architekt und Maurermeister“.

1892 gründete Carl Imhoff sein eigenes Baugeschäft in Kiel. Mit ihm profitierte er in der Folgezeit von dem enormen Bedarf an neuen Bauten und öffentlicher Infrastruktur in der rasanten Entwicklung Kiels zur Großstadt. Dabei errichtete er sowohl Wohn- und Geschäftshäuser als auch repräsentative Villen, wie das Haus Buchenhagen.[5] Manche seiner Bauten stehen noch heute und prägen das Stadtbild Kiels mit. Dies gilt insbesondere für das Kieler Rathaus, dessen Mauerwerk von Imhoffs Firma ausgeführt wurde.[6]

Im Rückblick war Carl Imhoff zu seiner Zeit ein namhafter Kieler Architekt und Bauunternehmer. Allerdings gehörte er nicht zu den (meist auswärtigen) Architekten, denen die Stadt in der Kaiserzeit wesentliche neue architektonische Impulse verdankte (wie z. B. Hermann Billing, Robert Curjel oder Karl Moser).[7]

Grab von Carl Imhoff auf dem Kieler Südfriedhof

Carl Imhoff war mit Dorothea Arp (1872-1948) aus der Kieler Holzhandelsfirma L. Arp & Sohn verheiratet.[8] Nach seinem Tod wurde sein Baugeschäft von der Witwe und einem Geschäftsführer und später von seiner Tochter Anne Liese Imhoff (1901-1979) weitergeführt. Es bestand bis 1972.

Bauwerke in Kiel

Heute unter Denkmalschutz

Carl Imhoff entwarf Gebäude in Kiel, die heute unter Denkmalschutz stehen:[9]

  • Wohn- und Geschäftshaus, Alter Markt 8 (1893/94)
  • Wohnhaus, Adalbertstr. 25 (um 1905)
  • Wohn- und Geschäftshaus, Sophienblatt 1 (1906/07)
  • Wohnhaus, Jungfernstieg 44 (1900/01)[10]

Weitere Gebäude

Zu seinen denkmalgeschützten Gebäuden in Kiel kommen desweiteren folgende ohne Denkmalschutz hinzu:[11]

  • mehrere nebeneinanderliegende Wohnhäuser in der Adalbertstr. 13-29 (1902-1907)
  • Adolfplatz 8/Düppelstr. 68 (1903) (wo die Firma Carl Imhoff am Adolfplatz 8 später ihre Geschäftsräume hatte)

Einzelnachweise

  1. Peter Genz, Bauen über die Region hinaus: Architekten aus der Baugewerkschule Eckernförde 1868 – 1968; o.O. Wachholtz Verlag, 2006.
  2. Einzelne persönliche Unterlagen, wie das Skizzenheft, sowie andere Quellen sind im Stadtarchiv Kiel verwahrt.
  3. Julia Witt, Architekturlehre an den Kunstakademien in der Weimarer Republik, in: Carola Ebert, Eva Maria Froschauer, Christiane Salge (HG.), Vom Baumeister zum Master, Formen der Architekturlehre vom 19. bis ins 21. Jahrhundert, Forum Architekturwissenschaft Band 3, Universitätsverlag der TU Berlin, 2019
  4. Peter Genz, Bauen über die Region hinaus: Architekten aus der Baugewerkschule Eckernförde 1868 – 1968; o.O. Wachholtz Verlag, 2006, S. 5. Hans-Günther Andresen, Bauen in Backstein, Schleswig-Holsteinische Heimatschutz-Architektur zwischen Tradition und Reform (Zur Ausstellung der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek, 2. Juli – 27. August 1989); Heide, Verlag Boyens & Co., 1989, S.26-27.
  5. 1906 erbaut für den Ostasien-Kaufmann Philipp Lieder (1857 – 1930), im Zweiten Weltkrieg zerstört, heute Konsul-Lieder-Allee 17 in Kitzeberg. Nach 1933 beherbergte es ein nationalsozialistisches Schulungslager für Studenten. Siehe Peter Wulf, Die Erziehung zum „politischen Studenten“, Das Schulungslager Buchenhagen / Kitzeberg 1933 bis 1938, in: Zeitschrift der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte, Band 145, Husum, Matthiesen Verlag, 2020, S. 150-151. https://studeo-ostasiendeutsche.de/deutsche-in-ostasien/china?view=article&id=1514:lieder-philipp-adolph&catid=21 https://tsingtau.org/kurze-geschichte-des-prinz-heinrich-hotels-in-qingdao/
  6. Eva-Maria Karpf, 100 Jahre Kieler Rathaus 1911 – 2011, Hrsg. Landeshauptstadt Kiel, 2011, Seite 24.
  7. Dieter-J. Mehlhorn, Architekturführer Kiel; Berlin, Dietrich Reimer Verlag, 1997.
  8. Günter Finke, Probsteier Geschlechter, 2. Teil, Folge 17, Die Familie des Malers, Bildhauers und Lyrikers Hans Arp aus Wendtorf (Sonderdruck aus „Deutsches Familienarchiv“, Band 72), Neustadt a.d. Aisch, Verlag Degener & Co., 1978.
  9. Schleswig-Holstein, Landesamt für Denkmalpflege, https://opendata.schleswig-holstein.de/dataset/1da4374a-5399-4a25-9661-3fd1f04cb170/resource/4cd6bcc6-77d3-4830-80ea-cf144626a08d/download/landeshauptstadt-kiel.pdf
  10. Eintrag in der Denkmaldatenbank Schleswig-Holstein, abgerufen am 27. April 2026
  11. Lutz Wilde / Landesamt für Denkmalpflege Schleswig-Holstein (Hrsg.), Kulturdenkmale in Schleswig-Holstein, Band 1, Landeshauptstadt Kiel, Neumünster, Wachholtz Verlag, 1995; Dieter-J. Mehlhorn, Architekturführer Kiel; Berlin, Dietrich Reimer Verlag, 1997, S. 16, 81.