Kieler Carillon

Ein Carillon ist ein Glockenspiel, das von einem Spieltisch aus gespielt wird. Bei den Glocken handelt es sich typischerweise um Kirchenglocken, die chromatisch im Halbtonabstand gestimmt sind und mehrere Oktaven umfassen. Der Spieltisch ähnelt demjenigen einer Orgel. Er besitzt ein Manual und ein Pedal. Tasten und Pedale sind aber gröber und die Tasten können auch einzeln mit der Faust gespielt werden. Der Spieltisch befindet sich typischerweise eine Etage unterhalb der Glocken und ist durch Seilzüge mit diesen verbunden. Die Glocken ertönen, indem sie mit einem Hammer angeschlagen werden oder ihre Klöppel von den Seilzügen bewegt werden.

Kieler Carillon[Bearbeiten]

In Deutschland gibt etwas mehr als 40 Carillons. Eines davon befindet sich in Kiel, im Turm der ehemaligen Klosterkirche, in der Falckstraße 9. Die Klosterkirche wurde bis auf ihren Turm im Zweiten Weltkrieg zerstört.[1]

In der Glockenstube des damals funktionslosen Kirchturms des Kieler Klosters wurde 1999 das Kieler Carillon errichtet. Es besitzt 50 Glocken mit Gewichten von 620 bis 15 kg und einem Gesamtgewicht von 4135 kg. Sie wurden durch Spenden finanziert und bis auf die Bourdonglocke bei der Karlsruher Glocken- und Kunstgießerei für das Carillon hergestellt wurden. Damit umfasst es vier Oktaven. Als Bourdonglocke wird die Hauptglocke eines Carillons oder eines Kirchengeläuts bezeichnet. Die Bourdonglocke des Kieler Carillons ist seine einzige historische Glocke. Sie wurde 1928 gegossen und hat den Krieg im Turm der Klosterkirche hängend überstanden. Die Gesamtherstellung des Carillons lag bei der Firma Otto Buer aus Neustadt/Holstein.[2]

Der Tonumfang des Instruments geht von a1 bis a5. Ursprünglich endete er eine Quarte tiefer bei e5; die fünf höchsten Töne konnten 2005, sechs Jahre nach der Einweihung, ergänzt werden. Zu diesen 49 Tönen im Halbtonabstand kommt mit g1 das einen Ganzton tiefer liegende Bourdon als 50. Glocke dazu. Es dient gleichzeitig als Läuteglocke des Klosters. Das Carillon kann außer vom Spieltisch aus auch computergeteuert automatisch bespielt werden.[3]

Konzerte und Traditionen[Bearbeiten]

Seit der Einweihung des Carillons am 18. September 1999 wird es von dem mittlerweile im Ruhestand befindlichen Arzt Dr. Gunther Strothmann und von anderen Carilloneuren bespielt. Dr. Strothmann wurde damals vom Nordelbischen Kirchenamt zum Kieler Carilloneur ernannt und spielt regelmäßig am ersten Sonnabend jedes Monats. Die thematischen Konzerte sind jahreszeitlich orientiert; die Sommerkonzerte werden meist von internationalen Gästen dargeboten.

Um 12, 15 und 18 Uhr wird das Carillon nach dem Glockengeläut der Klosterglocke automatisch bespielt. Das jahreszeitliche Programm orientiert sich dabei am Kirchenjahr. Nach dem Mittagsgeläut ist der Lutherchoral "Verleih uns Frieden gnädiglich" ein fester Bestandteil, genauso wie er auch zur Eröffnung jedes Konzerts erklingt.

Reguläre Carillonkonzerte gibt es am ersten Sonnabend des Monats 11:00 Uhr - 11:30 Uhr und bei anderen Anlässen. [4]

Siehe auch[Bearbeiten]

Kieler Kloster

Weblinks[Bearbeiten]

Karte „Falckstraße 9“ auf dem Online-Stadtplan der Stadt Kiel, aufrufbar auf kiel.de

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bechreibung des Carillons bei kielerkloster.de, abgerufen am 17. März 2017
  2. Ausführliche Beschreibung durch die Herstellerfirma, abgerufen am 14. Mai 2018
  3. Weitere Detaildaten zum Carillon bei glockenspielvereinigung.de, abgerufen am 17. März 2017
  4. Kieler Carillon auf kielerkloster.de, abgerufen am 24. September 2018