Schwedische Kirche

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Ansichtskarte von 1926 mit Außen-und Innenansicht der Kirche

Die Schwedische Kirche war eine zwischen den Weltkriegen in Kiel bestehende Seemannskirche. Als eine Kirche die zur schwedischen Staatskirche gehörte, war sie evangelisch-lutherisch.

Vorgeschichte

Seit den 1830er-Jahren gab es ausgewählte schwedische Schiffe, auf denen der Schiffsführer als Bethelkapitän berechtigt war, eine Bethelflagge zu führen. Die Bethelflagge hatte während der gesamten Hafenzeit des Schiffes am Großmast gehisst zu sein. Es gab unterschiediche Bethelflaggen; eine historische Form bestand aus einer weißen Flagge mit einem roten Kreuz und dem Bibelvers aus 1. Mos. 21,34 ("... Komm herein, du Gesegneter des HERRN! Warum stehst du draußen? ...").[1]

Das Flaggenrecht war für den Bethelkapitän mit der Verpflichtung verbunden, in jedem Hafen, in dem andere skandinavische Schiffe lagen, auf seinem Schiff am Sonntag einen Gottesdienst für die Besatzungen dieser Schiffe abzuhalten. Der Name dieser Tradition leitete sich vom Namen des biblischen Ortes Beth El ("Haus Gottes") her; das betreffende Schiff diente somit als Haus Gottes.

Ende der 1870er-Jahre gab es nur noch zwei Bethelkapitäne so dass andere Wege zur geistlichen Versorgung der schwedischen Seeleute gefunden werden mussten. 1876 entsandte die Schwedische Kirche daher erstmals zwei Seemannspastoren dauerhaft nach Kiel und nach West Hartlepool in England.

Die 1884 als Skandinaviska Bethelföreningen i Sverige gegründete schwedische Seemannsmission führte ab 1907 den vereinfachten Namen Svenska Betelföreningen.

Schwedische Kirche in Kiel

Spätestens ab 1926 verfügte die Kirche über ein eigenes Gebäude im Eisenbahndamm 10 (heute Kaistraße. Das zweistöckige Haus umfasste sowohl die Kirchenräume als auch die Wohnung des Pastors und war mit seinem Mittelgiebel und der vom Hafen weither lesbaren Aufschrift "Svenska Kyrkan" ein markantes Wahrzeichen des Eisenbahndamms.

Von 1913 bis 1931 wirkte Pastor Carl-Gösta Lagerfelt an der Schwedischen Kirche. Er war von 1917 bis 1924 gleichzeitig Lektor an der Kieler Universität. 1931 ging er zurück nach Schweden und übernahm dort als Pfarrer die Gemeinde in Näshulta bei Eskilstuna.[2]

1934 war an der Kirche Pastor Rudolf Stjernquist tätig.

1940 verzeichnet das Adressbuch als Hausbesitzer Die Leitung der Seemannsvorsorge der schwedischen Kirche (Stockholm). Die schwedische Kirche wird nur noch an letzter Stelle neben mehreren weiteren Nutzern des Hauses genannt, darunter auch der Deutsche Verlag mit seiner Kieler Geschäftsstelle. Beim Deutschen Verlag handelte es sich um den enteigneten Ullstein-Verlag, der dem Zentralverlag der NSDAP angegliedert worden war.[3] Ein Pastor wird 1940 nicht aufgeführt, lediglich die Verwaltung des Gebäudes wird durch "Pastor R. Huldgard, (Stettin)" wahrgenommen. Ob es noch eine gottesdienstliche Nutzung gab, geht daraus nicht hervor.

Bei den Bombenangriffen am 4. und 5. Januar 1944 wurde das Gebäude am Eisenbahndamm zerstört.

Bilder

Einzelnachweise

  1. Information zur Bethelvereinigung in der schwedischen Wikipedia, gelesen am 17. März 2018
  2. Biografische Notiz zu Carl-Gösta Lagerfelt in der schwedischen Wikipedia, gelesen am 17. März 2018
  3. Information zum Deutschen Verlag bei de.wikipedia.org, gelesen am 17. März 2018