Erster Weltkrieg

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Die „SMS Dresden“ unter der Levensauer Hochbrücke im Kaiser-Wilhelm-Kanal.

Der Erste Weltkrieg wurde von 1914 bis 1918 in Europa, dem Nahen Osten, in Afrika, Ostasien und auf den Weltmeeren geführt und forderte rund 17 Millionen Menschenleben. Er begann am 28. Juli 1914 mit der Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien, der das Attentat von Sarajevo vom 28. Juni 1914 vorausgegangen war. Er endete mit dem Waffenstillstand von Compiègne am 11. November 1918.[1]

Kiel als Marinehafen

Nach der Deutschen Reichsgründung wurden die Hafenanlagen von Kiel und Wilhelmshaven zu Reichskriegshäfen bestimmt. Das seit 1865 bestehende preußische Marinedepot wurde zur Kaiserlichen Werft Kiel, die wiederum nach Gründung des Deutschen Kaiserreiches 1871 in Kaiserliche Werft umbenannt wurde. Kaiser Wilhelm II., selbst begeisterter Segler, war mit seiner Yacht „Meteor“ ein regelmäßiger Gast der Kieler Woche.[2]

Ab 1915 wurde der Krieg durch massenhaft durchgeführte Kriegsnagelungen finanziert, mit denen die Bevölkerung für die Kriegskosten spenden konnte. Solche Aktionen fanden in Österreich-Ungarn und im gesamten deutschen Kaiserreich statt.[3] In Kiel wurde ab dem 22. September 1915 ein hölzernes U-Boot benagelt, das in einem Pavillon auf dem Alten Markt ausgestellt war. Ein goldener Nagel kostete 100,00 Mark, ein silberner Nagel 10,00 Mark und ein eiserner Nagel 1,00 Mark.

Der Seekrieg im Ersten Weltkrieg wurde auf allen Weltmeeren ausgefochten, hatte seinen Schwerpunkt jedoch in der Nordsee und im Einsatz von U-Booten. Die hochgerüstete deutsche Überwasserflotte spielte aufgrund von Deutschlands geopolitischer Lage und dem Mangel an überseeischen Flottenstützpunkten[4] keine aktive Rolle, sondern lag weitgehend untätig in den Häfen. Es kam also nicht zur allseits erwarteten Entscheidungsschlacht, lediglich zur Skagerrakschlacht (1916), die als „größte Seeschlacht der Weltgeschichte“ bezeichnet wurde; beide Seiten reklamierten den Sieg für sich. Mitentscheidend für den Ausgang des Ersten Weltkrieges war allerdings indirekt die unterschätzte U-Boot-Waffe, da Deutschlands Erklärung des unbeschränkten (d.h. gegen alle Schiffe gerichteten) U-Boot-Krieges auch neutrale Schiffe bedrohte und den Eintritt der USA in den Krieg auslöste.[5]

Novemberrevolution

Am 30. September 1918 hatte Admiral Reinhard Scheer, der Leiter der im August gebildeten Seekriegsleitung, die Hochseeflotte ohne Angaben von Gründen in Wilhelmshaven zusammengezogen. Der Operationsplan sah am 30. Oktober einen Nachtvorstoß der gesamten Flotte vor. Bei Tagesanbruch sollten sowohl die flandrische Küste als auch die Themsemündung angegriffen werden. Da die britische Flotte mit großer Wahrscheinlichkeit dann den Rückzug zur Deutschen Bucht abschneiden würde, erwartete man am Spätnachmittag des zweiten Operationstages die große Seeschlacht. Die Admiräle sahen eine gewisse Siegeschance, planten also nicht von vornherein eine „Todesfahrt“ für 80.000 Seeleute; eine solche wurde jedoch als wahrscheinlichere Variante billigend in Kauf genommen. Nach dem entsprechenden Flottenbefehl vom 24. Oktober kam es am 27. Oktober zu Befehlsverweigerungen auf einigen der größten Schiffe. Admiral Franz von Hipper stellte daher am 29. Oktober den Befehl zum Auslaufen zurück und beorderte die Flottengeschwader zu ihren jeweiligen Standorten. Das besonders unruhige III. Flottengeschwader lief am 1. November in Kiel ein, wo 47 Matrosen, die als Haupträdelsführer galten, in Haft genommen wurden. Aus Protestaktionen gegen diese Maßnahme, bei denen am 3. November sieben demonstrierende Arbeiter und Soldaten erschossen wurden, entwickelte sich der Kieler Arbeiter- und Matrosenaufstand.

Die Novemberrevolution erfasste in rascher Folge Stadt um Stadt. Kaiser Wilhelm sah sich erstmals offiziell mit der Forderung nach seiner Abdankung konfrontiert. Da trotz einer vagen Zusage des Kaisers die konkrete Abdankung nicht folgte, gingen am 9. November die Berliner Großbetriebe in den Generalstreik, große Menschenmassen mit roten Fahnen zogen in Berlin durch die Straßen, die auf vielen öffentlichen Gebäuden gehisst wurden. Reichskanzler Max von Baden gab am Morgen eigenmächtig die Abdankung des Kaisers und den Thronverzicht des Kronprinzen bekannt und übergab sein Amt an Friedrich Ebert. Am frühen Nachmittag rief der SPD-Politiker Philipp Scheidemann - ohne Rücksprache mit Friedrich Ebert, der noch keine Festlegung auf eine bestimmte Staatsform wollte - von einem Balkon des Reichstagsgebäudes die deutsche Republik aus. Damit war er dem Führer der Spartakusgruppe (später Spartakusbund, dann KPD), dem ehemaligen SPD-Reichstagsabgeordneten Karl Liebknecht, zuvorgekommen, der später am Nachmittag vor dem Berliner Schloss die freie sozialistische Republik Deutschland proklamierte.

Vom 29. Oktober bis zum 4. November fand in Paris eine Konferenz der Kriegskoalition statt, in der über die Waffenstillstandsbedingungen beraten wurde. Am 11. November unterzeichneten beide Delegationen den Waffenstillstand von Compiègne. Der Waffenstillstand war zunächst auf 36 Tage begrenzt, beendete jedoch faktisch den Krieg.

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