Seefischmarkt

Der Seefischmarkt ist ein Gewerbegebiet im Stadtteil Wellingdorf. Ursprünglich war das Gelände eine Werft, die im zweiten Weltkrieg Torpedos baute und wartete, nach dem Krieg war der Seefischmarkt bis in die 1970er Jahre hinein der viertgrößte Seefischhafen und der größte Süßwasserfischhandelsplatz Deutschlands. Heute finden sich dort hauptsächlich marine und maritime Unternehmen, aber auch fischverarbeitende Betriebe sowie kleinere Firmen aus anderen Bereichen.

Geschichte[Bearbeiten]

Ursprüngliche Nutzung[Bearbeiten]

Ursprünglich war der Seefischmarkt das Betriebsgelände der Werft Stocks & Kolbe. Ab 1938 gehörte es zur Reichswerft, die dort eine Torpedowerkstatt eingerichtet hatte. Ein Großteil der heute noch genutzten Gebäude stammt aus dieser Zeit.[1]

Nutzung nach 1947[Bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg lag Kiel in Schutt und Asche. Die Versorgung mit Strom, Gas und Wasser funktionierte nicht, 5 Millionen Kuikmeter Schutt bedeckten die Stadt. Es war das erklärte Ziel der Briten, Kiel nie wieder zu einer Basis der Kriegsmarine werden zu lassen. Durch die Demontage der Kriegswerften und deren Infrastruktur gingen 60.000 Arbeitsplätze verloren. Bürgermeister Andreas Gayk setzte sich bei der Besatzungsmacht dafür ein, in Kiel eine Friedensindustrie aufzubauen. In diesem Zusammenhang wurde der Plan entwickelt, Kiel zu einem Standort der Hochseefischerei aufzubauen. Der heutige Seefischmarkt bot sich an, weil die Gebäude und die Kaianlage nahezu unversehrt waren und das Gelände mit Strom, Wasser, Gas und Schienen voll erschlossen war. Gegen die Widerstände der Briten, die das Gelände erst aus der Beschlagnahmung freigeben mussten, und der Fischereiindustrie an der deutschen Nordseeküste gelang es Gayk: Am 6. März 1948 wurde die gemeinnützige Seefischmarkt GmbH gegründet, an der das Land Schleswig-Holstein mit 48 und die Stadt Kiel mit 52% beteiligt waren.[1]

Am 27. September 1948 nahm der Seefischmarkt seinen Betrieb auf. Die Anlandungsmengen von Seefisch stiegen danach kontinuierlich an. Den Höhepunkt erreichte sie 1956 mit 43.000 t. 1960 war Kiel nach Hamburg, Cuxhaven und Bremerhaven der viertgrößte Fischereihafen Deutschlands, 4.000 Menschen hatten hier Arbeit in Fischbearbeitung, Löschbetrieben, Eisfabriken, Netz- und Kistenmachereien und Speditionen. Auch Süßwasserfische aus den Teichwirtschaften und Binnenseen des Landes wurden hier gehandelt. Kiel war der größte Handelsplatz für Süßwasserfisch in Deutschland.[1]

Krisenjahre ab 1970 und Schließung[Bearbeiten]

In der Wohlstandsgesellschaft der 1970er Jahre war Fisch nicht mehr so gefragt, die Menschen aßen lieber Fleisch. Zudem fiel der Preis durch den Import von Fischkonserven und der Standortnachteil an der Ostseeküste machte sich zusehends bemerkbar: Die Fangflotte musste auf dem Weg zu den Fischgründen in der Nordsee immer durch den Nord-Ostsee-Kanal, was Zeit und Treibstoff kostete. Die Anlandungen brachen um rund 75% ein, viele Arbeiter mussten entlassen werden. 1979 wurden Auktions- und Löschbetrieb eingestellt, 1981 das Tiefkühllager geschlossen.[1]

Nachnutzung bis heute[Bearbeiten]

Nach der Schließung setzte ein Umdenken ein: Der Seefischmarkt sollte ein Gewerbegebiet für alle Branchen werden. 1993 wurde die Seefischmarkt GmbH in Zentrum für maritime Technologie und Seefischmarkt ZTS Grundstücksverwaltung GmbH umbenannt und der Geschäftszweck entsprechend geändert. Er lautete nun:

„Ansiedlung wissenschaftlicher und technischer Forschungs- und Studieneinrichtungen auf dem Gebiet der Meereswissenschaften - dazu zählen insbesondere die Einrichtungen des Zentrums für marine Geowissenschaften (GEOMAR) und fachnah arbeitende Hochschulinstitute und Firmen – durch Vermietung bzw. Verpachtung und Verkauf der gesellschaftseigenen Grundstücke, die Vermietung und Verpachtung von gesellschaftseigenen Grundstücken an Betriebe der Fischwirtschaft.“[1]

Heute bestimmen Unternehmen aus marinen und maritmen Branchen das Bild am Seefischmarkt. Es wird aber auch weiterhin mit Fisch gehandelt. Mehrere Feinkostunternehmen und fischverarbeitende Betriebe haben hier ihren Sitz.

Mieter nach Branchen[2][Bearbeiten]

Wissenschaft[Bearbeiten]

Behörden[Bearbeiten]

Maritime Wirtschaft[Bearbeiten]

Maritime Technologie[Bearbeiten]

Fischwirtschaft[Bearbeiten]

Lebensmittelwirtschaft[Bearbeiten]

Sonstige[Bearbeiten]

ÖPNV[Bearbeiten]

  • SFK-Fördeschifffahrt: Schwentinelinie F2; Anlegestelle: Dietrichsdorf
  • Bus: Haltestelle Seefischmarkt; Linien: 11 Richtung Kiel Pillauer Straße, 200 Richtung Schönberg Ostseestraße, 100 Richtung Laboe Hafen

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Seefischmarkt (Kiel) – Sammlung von Bildern
  • seefischmarkt-kiel.de - Website der Verwaltungsgesellschaft "Zentrum für maritime Technologie und Seefischmarkt ZTS Grundstücksverwaltung GmbH
  • Kiel und sein Seefischmarkt - ein Film von Studenten der CAU über die Geschichte des Seefischmarktes mit Zeitzeugeninterview und historischen Fotos.

Quellen[Bearbeiten]