Elmschenhagen: Unterschied zwischen den Versionen

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Elmschenhagen war rund 700 Jahre lang ein winziges Kirchdorf, das nur einige wenige Höfe im Bereich [[Dorfstraße]], [[Im Dorfe]] und [[Haselbusch]] besaß und zum Kloster Preetz, später zum Kreis Plön gehörte. Noch 1850 hatte es nur 315 Einwohner.
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Erst der Aufstieg Kiels zur Werft- und Marinestadt führte dazu, dass sich daran etwas änderte. Zunächst zogen Arbeiter und Ingenieure der Kruppschen Werft nach Elmschenhagen, das den Ruf einer Gartenstadt vor den Toren von Kiel bekam. Im Jahr 1900 hatte das Dorf bereits 724 Einwohner; landwirtschftliche Flächen wurden zunehmend aufgesiedelt. 1922 wurde das Rathaus im [[Jettkorn]], heute städtische Kindertagesstätte, gebaut. Bereits 1929 gab es Verhandlungen um eine Eingemeindung nach Kiel.
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Die Kriegsvorbereitungen des NS-Staates taten dann ab 1933 ein Übriges. Die Bautätigkeit in Elmschenhagen wurde verstärkt, um gezielt Wohnraum für Mitarbeiter der Werften zu schaffen, der in Kiel fehlte. Als das Dorf zum [[1. April]] [[1939]] durch Verordnung des Oberpräsidenten aus dem Kreis Plön herausgelöst und in Kiel eingemeindet wurde, hatte es bereits 6 000 Einwohner.
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In Elmschenhagen-Nord entstanden daraufhin 1&nbsp;800 Wohnungen um den [[Andreas-Hofer-Platz]] als Zentrum und mit dem [[Tiroler Ring]] als Umfassungsstraße. In Elmschenhagen-Süd entstanden anschließend unter Einsatz von französischen Kriegsgefangenen insgesamt 2&nbsp;000 Wohnungen südwestlich des ''Egerländer Platzes'' (seit 1947 [[Bebelplatz]]). Ein dritter Bauabschnitt Elmschenhagen-Ost mit ebenfalls 1&nbsp;800 Wohnungen konnte kriegsbedingt nicht mehr gebaut werden.<ref>Lang/Peters/Sönnichsen/Ziefuß in: ''Kiel zu Fuß – 17 Stadtteilrundgänge durch Geschichte und Gegenwart'', VSA-Verlag, 1. Auflage 1989, Rundgang 15, S. 201 ff.</ref><ref>[https://www.kn-online.de/Kiel/Elmschenhagen-Vom-Bauerndorf-zum-Stadtteil Stadtteilserie] der Kieler Nachrichten (Teil IV vom 12.08.2012); bei kn-online.de abgerufen am 11.09.2019</ref>
  
 
== Öffentliche Spielflächen ==
 
== Öffentliche Spielflächen ==

Version vom 11. September 2019, 21:57 Uhr

Fläche: 666,4 hadep1
Einwohner: 17.220[1] (31. Dez. 2017)
Eingemeindung: 1. April 1939
Postleitzahlen: 24146 (Süd), 24147 (Nord)
Vorwahl: 0431
Bild von Elmschenhagen

Elmschenhagen ist ein Stadtteil der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt Kiel.

Durch den Verlauf der Bundesstraße 76, die in diesem Abschnitt den Namen Preetzer Chaussee trägt, ist der Stadtteil räumlich zerschnitten in die Teile Elmschenhagen-Nord und Elmschenhagen-Süd. Eine Verknüpfung dieser beiden Teile stellt der Elmschenhagener Kreisel her.

Geschichte

Elmschenhagen war rund 700 Jahre lang ein winziges Kirchdorf, das nur einige wenige Höfe im Bereich Dorfstraße, Im Dorfe und Haselbusch besaß und zum Kloster Preetz, später zum Kreis Plön gehörte. Noch 1850 hatte es nur 315 Einwohner.

Erst der Aufstieg Kiels zur Werft- und Marinestadt führte dazu, dass sich daran etwas änderte. Zunächst zogen Arbeiter und Ingenieure der Kruppschen Werft nach Elmschenhagen, das den Ruf einer Gartenstadt vor den Toren von Kiel bekam. Im Jahr 1900 hatte das Dorf bereits 724 Einwohner; landwirtschftliche Flächen wurden zunehmend aufgesiedelt. 1922 wurde das Rathaus im Jettkorn, heute städtische Kindertagesstätte, gebaut. Bereits 1929 gab es Verhandlungen um eine Eingemeindung nach Kiel.

Die Kriegsvorbereitungen des NS-Staates taten dann ab 1933 ein Übriges. Die Bautätigkeit in Elmschenhagen wurde verstärkt, um gezielt Wohnraum für Mitarbeiter der Werften zu schaffen, der in Kiel fehlte. Als das Dorf zum 1. April 1939 durch Verordnung des Oberpräsidenten aus dem Kreis Plön herausgelöst und in Kiel eingemeindet wurde, hatte es bereits 6 000 Einwohner.

In Elmschenhagen-Nord entstanden daraufhin 1 800 Wohnungen um den Andreas-Hofer-Platz als Zentrum und mit dem Tiroler Ring als Umfassungsstraße. In Elmschenhagen-Süd entstanden anschließend unter Einsatz von französischen Kriegsgefangenen insgesamt 2 000 Wohnungen südwestlich des Egerländer Platzes (seit 1947 Bebelplatz). Ein dritter Bauabschnitt Elmschenhagen-Ost mit ebenfalls 1 800 Wohnungen konnte kriegsbedingt nicht mehr gebaut werden.[2][3]

Öffentliche Spielflächen

Bushaltestellen

Fotos

Sagen

In der Sagensammlung von Johann Georg Theodor Grässe findet sich:

Die Wilsower Mühle
"Bei dem Kirchdorfe Elmschenhagen liegt ein See, dessen blaue Krystallfläche einen anmuthigen Anblick gewährt, wenn man auf der Eisenbahn von Kiel nach Preetz fährt. Vor 40 Jahren war aber der See viel größer und um 1600 soll er eine viermal so große Fläche als jetzt eingenommen haben. Die ihn umgebende Gegend, mit Holz und Sumpf bewachsenes Morastland, scheint ihm den Namen Wildsee (Wilse, jetzt Wellsee) verschafft zu haben. Die seit Jahren schon trocken gelegten Seen Moorsee und Boocksee gaben ihm ihren Ueberfluß an Wasser so reichlich, daß die aus ihm entspringende Wildau (Wilsowe) zu Zeiten ungeheuer anschwoll und weit über ihre Ufer trat. An diesem Waldbach in einer von hohem Wald eingerahmten Wiese, noch jetzt Mühlenteich genannt, lag ums Jahr 1516 eine dem Nonnenkloster zu Preetz gehörige Mühle, so still und friedlich, wie man sich nur eine Waldmühle denken kann.
Der Müller, seine Frau und Tochter lebten glücklich und zufrieden bei einander, denn sein Zins ans nahe Kloster war nicht schwer. So war jener fünfzig Jahre, seine Tochter achtzehn alt geworden. Nur eins betrübte ihn, daß er keinen Sohn hatte, auf den er seine von seinem Vater und Großvater bereits bewohnte Mühle übertragen konnte. Sein Wunsch sollte jedoch auf andere Weise erfüllt werden, ein aus dem Reich zugereister Knappe wußte das Herz seiner Tochter zu gewinnen, und wenn auch an Mitteln arm, war der junge Mann doch an Sparsamkeit reich. Mit ruhiger Zuversicht für die Zukunft ihrer Tochter schieden ein paar Jahre später die Alten aus der Welt.
Aber von nun an änderte sich der Sinn des neuen Müllers. Er mahlte, metzte, häufte Gulden auf Gulden und mit dem Zuwachs seines Vermögens erwuchs seine Sparsamkeit zu Habsucht und Geiz. Seine junge Frau verzehrte sich in Gram und folgte bald den Eltern ins Grab.

Zwei Jahre war's her, seitdem die Müllerin ihr Haupt ins Grab gelegt, der Winter war hart gewesen, viel Schnee hatte die Felder gedeckt und man war in den März gekommen. Der Westwind jagte die feuchten Nebel der See über's Land, die um Mittag sich schon in Regen lösten. Jemehr der kurze Tag sich zum Abend neigte, desto stärker fiel der Regen und wie es dunkel ward, goß es vom Himmel in Strömen. Der Schnee löste sich und die Wildau brauste wild durch's Thal.
Um Mittag war klein Dorchen vom Hause geschieden, sie war eines Bauern Tochter, eine Waise. Die böse Stiefmutter hatte sie arg geschlagen, darum nahm sie ihr Erbtheil, 30 Gulden in ein Tuch geknotet, und verließ raschen Schrittes die Heimath. Sie kam von Erpesfelde und wollte zu ihrer Tante nach Ronning (jetzt Rönne), doch Schnee und Regen hinderten ihr Fortkommen. Mit Noth und Mühe erreichte sie die Mühle, wo derzeit die einzige Brücke über den Bach führte.
Der Müller, den Schritt des Mädchens hörend, erfragte bald Ziel und Zweck ihrer Reise. Seine Einladung, die Nacht hier zu bleiben und am nächsten Tage ihre Reise zu vollenden, ward von derselben mit Dank angenommen. »Das Mädchen hat 30 Gulden in baarem Gelde, ja wären die mein«, dachte der Müller, »so hätte ich 200 und wäre ein reicher Mann!« Der Gedanke läßt ihm keine Ruhe und reift schnell zur That. Er öffnet die Schleusen seiner Mühle, der geschwollene Bach setzt sie in raschen Gang, daß funkensprühend die Steine sich drehen, und mit starkem Arme das schlafende Kind ergreifend, stürzt er dasselbe kopfüber in das Wasser: ein Schrei und zermalmt sind die Glieder. Das Geld ist sein!
Aber die Wildau hat den Schrei gehört; sie zerbricht die Wehr, sie unterspült den Damm und reißt die Mühle in die Tiefe.
Am andern Morgen fanden die Nachbarn das kleine Mädchen mit sauber gewaschenen Gliedern auf einer Insel der Wildau sanft gebettet, Müller und Mühle waren verschwunden, und nur einen Theil des Dammes, eine Menge Pfähle und Trümmer des Mühlsteins konnte man noch sehen.
Niemand aber hat die Mühle wieder aufbauen wollen.[4]

Weblinks

Einzelnachweisen

  1. Kiel Statistischer Bericht Nr. 257: Kieler Zahlen 2017, herausgegeben von der Landeshauptstadt Kiel, Bürger- und Ordnungsamt, Abteilung Statistik. Die Statistischen Jahrbücher (ab 2000) sind als PDF-Dateien abrufbar auf der Seite www.kiel.de.
  2. Lang/Peters/Sönnichsen/Ziefuß in: Kiel zu Fuß – 17 Stadtteilrundgänge durch Geschichte und Gegenwart, VSA-Verlag, 1. Auflage 1989, Rundgang 15, S. 201 ff.
  3. Stadtteilserie der Kieler Nachrichten (Teil IV vom 12.08.2012); bei kn-online.de abgerufen am 11.09.2019
  4. Johann Georg Theodor Grässe: Sagenbuch des Preußischen Staates 1–2, Band 2, Glogau 1868/71, S. 1069-1070 auf zeno.org