Kieler Leuchtturm

Der Leuchtturm in der Kieler Bucht, 2002

Gedanken zum Bau des Kieler Leuchtturms[Bearbeiten]

Von einem Zeitzeugen, Mitwirkenden und Ideengeber.

Der Kieler Leuchtturm wurde am 5. Juli 2014 46 Jahre. Die WSD Lübeck, die Lotsenbrüderschaft, wie auch die Stadt feierten am 6. Juli 2007 40 Jahre Kieler Leuchtturm. Der Turm war für die Zeit vor 50 Jahren ein außergewöhnliches Bauwerk der Ingenieur-Baukunst. Heute stellt man fest, dass dieses Bauwerk, sowohl im Innland, als auch im Ausland - nicht nur durch die Kieler Woche - großes Ansehen genießt und sich großer Beliebtheit erfreut. Mein Anliegen ist es, Ihnen einmal die Gedanken eines Kalkulators nahe zu bringen, der ein so außergewöhnliches Bauwerk für seine Baufirma kalkulieren soll, diesen Auftrag für seine Firma hereinholen soll, gegen starke Konkurrenz seiner Mitbewerber.

Die Vorgeschichte[Bearbeiten]

Die Wasser-und Schiffahrtsverwaltung des Bundes, seinerzeit vertreten durch die WSD Kiel hatte den Bau des Kieler Leuchtturmes ausgeschrieben. Als ein kreisrundes Turmfundament von 20 m Durchmesser, in Spundwand-Bauweise, mit einem ca. 35,0 m hohen Leuchtturm in Stahlbetonbauweise. Ohne Lotsenstation!! Die Lotsen wollten keine Lotsenstation auf dem Turm. Wie man heute weiß, wollen die Lotsen diesen ihren Turm nicht wieder hergeben.

Aber nun zu den Gedanken eines Kalkulators: Zugegeben, ein so außergewöhnliches, mit großen Wetter-Risiken belastetes Bauvorhaben, war für den Kalkulator eine große Herausforderung. Die Ausschreibungs-Unterlagen waren sehr umfangreich, Vorbemerkungen, Qualitätsvorgaben, Erläuterungen besonderer Art, Leistungsverzeichnis, Lageplan und umfangreiche zeichnerische Unterlagen wie Längs- u. Querschnitt und verschiedene Details.

Gedanken zur Bauausführung[Bearbeiten]

Der Bau vor Ort(!) auf hoher See, bei den Wetter-Risiken, das war klar, geht nur von einer Hubinsel aus. Also wurde eine verfügbare Hubinsel gesucht. Es gab derzeit keine verfügbare Hubinsel. Diese Möglichkeit schied also aus.

Warum Hubinsel? Man muss sich vorstellen, ca. 12,5 Seemeilen vor der Küste Kiels, dem Bauort des Turmes, steht immer eine unruhige See, mit einem Wellenhub von 0,0 bis zu 5,0 Metern Höhe, bei ständig wechselnden Windstärken und Windrichtungen. Hier eine auf einem Ponton schwimmende Pfahlramme verankern, eine Transportschute mit den zu rammenden Spundwänden längsseits legen, damit man eine kreisrunde Spundwand von 20 m Durchmesser rammen kann, sehr riskant! Ein sehr, sehr schwieriges Unterfangen.

Eine Besonderheit, die berücksichtigt werden musste: Bauhandwerker gehören der Bauberufsgenossenschaft an, die bestimmt, dass diese nur bis zur Windstärke 4, auf der Baustelle arbeiten dürfen. D. h. morgens um 5.00 Uhr das Seewetteramt anrufen, welche Wetterlage am Tag zu erwarten sei, bis Windstärke 3 durften wir die Leute vor Ort bringen, d. h. mit einem Schlepper waren es 2 Std. Fahrt zur Baustelle. Wenn sich die Wetterlage verschlechtern würde, rief das Seewetteramt von sich aus an und sagte holt eure Leute wieder ab, es briest auf; d. h. 10-20 Leute mit dem Schlepper wieder abholen und an Land bringen, ohne dass diese Leute eine nennenswerte Leistung erbracht hätten.

Man kann dieses Risiko natürlich abschätzen, zumal es auch Wetterkarten über 60 Jahre zurückliegend gab, aber konnten diese Aufzeichnungen helfen, gerade wenn man einen Turm bauen will, auf hoher See, dann kommt das Wetter in dem Jahr ganz anders! Man kann als Kalkulator für jedes Bauwerk einen Preis finden, unter Berücksichtigung der Gegebenheiten und unter Einschluß eines gewissen Risikozuschlages,

  • der a) der Baufirma einen gewissen erforderlichen Gewinn verspricht,
  • der b) konkurrenzfähig ist, um den Auftrag zu bekommen,
  • und c) das dem Auftraggeber zur Verfügung stehende Budget nicht überschreitet.

Also machten wir uns sofort auf die Suche eine andere Lösung für den Bau des Turmes zu finden. Es war klar, das von der WSD ausgeschriebene Bauwerk musste kalkuliert und angeboten werden, um überhaupt ein Sonderangebot offerieren zu können.

I.) Hubinsel nicht verfügbar
Hier wurde bereits klar: es musste die Möglichkeit gefunden werden, einen Schwimmkörper an Land zu bauen, um die Seewetterrisiken auszuschalten.

II.) Anmietung eines Trockendocks bei den Kieler Howaldtswerken
Alle Docks waren ausgebucht und standen ebenfalls nicht zur Verfügung.

III.) Anmietung der alten Schleusen in Holtenau
Ging nicht, Schleusenkammer war zu eng, die Drempelhöhe zu niedrig.

IV.) Unsere Firma ...
... hatte zu der Zeit den Auftrag, in Kiel-Holtenau den Nord-Ostsee-Kanal zu verbreitern im Bereich „Alte Eider“. Hier war die Möglichkeit gegeben, einen Schwimmkörper in einer Grube zu bauen und nach Abbaggerung des Bodens zur Verbreitung des Kanals diesen Schwimmkörper aufschwimmen zu lassen, durch den NOK an den vorgesehenen Standort zu schleppen und dort abzusenken. Auch diese Idee ließ sich aus Termin–Planungs-Gründen der Kanalverwaltung nicht realisieren, weil die Bauzeit des Turmes zu lange gedauert hätte.

V.) Eine Senk-Hebe-Bühne ...
... in den Kieler Hafen zu rammen, im Bereich der alten, nicht mehr genutzten Ölpier, war die Lösung. Hier war genügend Wassertiefe vorhanden, Eigentümer war der Bund und die Genehmigung zum Bau dort würde erteilt werden.

Montage von Leuchtturmschaft und Turmaufsatz, 1965

Diese Idee war der Durchbruch für den Kalkulator, er konnte ohne Wetterrisiko zu einem sicheren und für beide Seiten, sowohl Auftraggeber, als auch Auftragnehmer, vernünftigen Preisangebot kommen. Ein besonderer Aspekt war, der Verfasser dieses Artikels, seinerzeit Kalkulations-Sachbearbeiter, schlug vor den ca. 32,0 m hohen Leuchtturm in Aluminium zu bauen. Mein Chef war zunächst nicht begeistert, fragte mich, ob ich wohl einmal etwas von Korrosion gehört habe? Mitten im aggressiven See-Salzwasser der Ostsee; er meinte, ich sollte mir mein Lehrgeld doch wiedergeben lassen.

Ich konnte ihn jedoch davon überzeugen, dass es seewasserbeständiges Aluminium gäbe und wir könnten darüber hinaus den Turm ja noch mit Kunststoff beschichten, rot, weiß, rot, weiß. Da gab es für ihn kein Halten mehr. Die Fa. Ambau, damals in Kiel ansässig, wurde zu einem Gespräch gebeten und es war sofort klar, dass es keine Probleme geben würde, den Turm in Alu zu bauen. Das Gewicht des Turmes wurde überschlägig ermittelt und es war klar, der Schwimmkran "Hiev" der Kieler Marine, würde dieses Gewicht in einem Stück heben können. Dem Kalkulator fiel sichtlich ein Stein vom Herzen, bei dieser Bauausführung würde das unkalkulierbare Wetterrisiko gänzlich entfallen, somit eine saubere Kalkulation möglich. Das Submissions-Ergebnis zeigte, dass das Sonderangebot der Arbeitsgemeinschaft: Steffen Sohst, Kiel / B+M, Hamburg das preisgünstigste Gebot war. Die WSD prüfte das Angebot, konnte sich von der angebotenen Bauweise überzeugen lassen und erteilte der Arge: B+M , Hamburg / Steffen Sohst, Kiel den Auftrag.

Sie haben sicher bemerkt, dass die Federführung für dies Bauvorhaben, der erst genannten Fa. St.S. entzogen wurde und der zweit genannten Fa. B u. M. übertragen wurde. Dies war für die ideengebende Fa. Steffen Sohst, Kiel ein herber Schlag, für den Auftraggeber aber die richtige Entscheidung, aber das ist eine andere Geschichte.

Zu dieser Geschichte aber gehört Folgendes: Der Leuchtturm sollte aus finanziellen Gründen erst später zu einer Lotsenstation erweitert werden. Das günstige Angebot und besonders die Ausführungs-Bauweise des Projektes als Schwimmkörper auf einer mehrfach verwendbaren Senk/Hebebühne, führte dazu, dass die WSD sich entschloss, das Bauwerk in einem Zuge zu vollenden und den Zusatzauftrag erteilte, die beiden 30 m langen Seitenflügel mitzubauen.

Foto einer Intarsienarbeit des Kieler Leuchtturms

So steht der Kieler Leuchtturm heute noch, mit Hubschrauber-Landeplatz, sicherer Anlaufstation für Lotsenversetzboote, das winkelförmige Bauwerk bietet immer eine sichere, windgeschützte Seite.

Die Lotsen haben einen sicheren Arbeitsplatz, trocken und windgeschützt, werden von einer Köchin versorgt mit Kaffee, Mittag- und Abendessen und können, wenn erforderlich,auch auf dem Turm übernachten.

So hoffe ich, dass dieses Bauwerk der Nachwelt noch lange erhalten bleibt. Einen Film "Bau des Kieler Leuchtturmes" habe ich mit Genehmigung der WSD Lübeck bei You Tube eingestellt.

Gerd Newiger

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  • Artikel in den Kieler Nachrichten vom 16. Juli 1992: "25 Jahre Kieler Leuchtturm - Gerd Newiger erinnert sich an den Bau des Kieler Leuchtturms".

Bilder[Bearbeiten]