Judenhäuser

Stolpersteine der Familie Weber

Im Zuge der nationalsozialistischen Judenverfolgung mussten ab Herbst 1939 in vielen Städten jüdische Bürger zwangsweise aus ihren Wohnungen in bestimmte Häuser umziehen und wurden dort, nicht selten mit mehreren Familien in einer Wohnung, auf engstem Raum zusammengepfercht. Solche Häuser wurden allgemein als Judenhäuser bezeichnet.

In Kiel dienten hierzu die Häuser Kleiner Kuhberg 25 und Feuergang 2 im Gängeviertel. Die Häuser hatten noch 1934 dem jüdischen Kaufmann Alter Weber gehört, der dort neben dem Betrieb seiner Gebrauchtwarenhandlung auch einen Betsaal eingerichtet hatte. Dort trafen sich vor allem die aus dem Osten stammenden Juden zum Gottesdienst.

1940 war der Eigentümer der Häuser bereits die Stadt Kiel, nachdem Alter Weber im Zuge der "Arisierung" zum Verkauf gezwungen worden war. Die Stadt wies dort anschließend eine Reihe von jüdischen Familien ein.

Im Dezember 1941 wurden etliche Bewohner der beiden Häuser, darunter auch die Familie von Alter Weber, nach Riga deportiert, wo sie durch Zwangsarbeit umkamen oder ermordet wurden. Im Juli 1942 wurden fast alle damals noch in Kiel lebenden Juden vom Kleinen Kuhberg 25 aus nach Theresienstadt deportiert.

Anschließend wohnten nur noch im Haus Feuergang 2 einige Juden, darunter Heinz Salomon, der im Februar 1945 von Hamburg aus ebenfalls nach Theresienstadt transportiert wurde. Salomon überlebte den Zweiten Weltkrieg. Er kehrte als erster Jude nach dem Krieg nach Kiel zurück und gehörte 1946 dem ernannten ersten schleswig-holsteinischen Landtag an.

Die beiden Häuser wurden 1943 duch Bomben vollständig zerstört. Heute befindet sich an jener Stelle ein Teil des Vorplatzes der Sparkassen-Arena. Auf der anderen Seite des Kleinen Kuhbergs (vor Haus Nr. 28) wurden 2013 und 2014 insgesamt 15 Stolpersteine zum Gedenken an ehemalige Bewohner der Häuser angebracht.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Stolpersteine in Kiel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Weitere Informationen zum Thema „Judenhäuser“ in der deutschsprachigen Wikipedia