Christian-Albrechts-Universität

Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
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Motto Pax optima rerum
([lat.]: Der Frieden (ist) das beste der Güter)
Gründung 1665
Trägerschaft staatlich
Ort Kiel
Bundesland Schleswig-Holstein
Staat Deutschland
Präsident Lutz Kipp
Studenten 26.000
(Wintersemester 2016/2017)
Mitarbeiter 3.305 (2015) (ohne Klinikum)
davon Professoren 404
Netzwerke Verbund Norddeutscher Universitäten
Website www.uni-kiel.de

Die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel ist die einzige Volluniversität und das wissenschaft­liche Zentrum von Schleswig-Holstein. Hier studieren mehr als 24.000 junge Menschen, hier lehren und forschen rund 2.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Von den Agrarwissenschaften bis zur Zahnmedizin bildet sie in derzeit 185 Studiengängen und zirka 80 verschiedenen Fächern aus. Zu den vier Gründungsfakultäten Theologie, Recht, Medizin und Philosophie kamen im Lauf der Zeit vier weitere hinzu: Natur- und Geisteswissenschaften, Wirtschaft, Agar- und Ernährungswissenschaft sowie Tech­nik. Während ihrer langen Geschichte ist die Christian-Albrechts-Universität eng mit der Stadt Kiel verwachsen. Gemeinsam mit dem Klinikum ist sie heute die größte Arbeitgeberin der Region. Sie versteht sich als moderne Volluniversität verbundener Wissenschaftskulturen.[1][2]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Universität Kiel trägt ihren Namen nach ihrem Gründer, dem Herzog Christian Albrecht von Schleswig-Holstein-Gottorf, der sie im Jahre 1665 – nur siebzehn Jahre nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges – für sein Herzogtum ins Leben rief.

Erste Planungen[Bearbeiten]

Bereits sein Vater, Herzog Friedrich III. (1597-1659), der Gründer von Friedrichstadt, hatte 1641 gemeinsam mit dem dänischen König Christian IV. beabsichtigt, eine Universität zu gründen, weil es angesichts der Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges für Studenten aus dem Land immer schwerer wurde, geeignete Studienmöglichkeiten zu finden. Der Herzog war den Wissensschaften gegenüber sehr aufgeschlossen, trat in mancher Hinsicht als Mäzen auf und wollte eine Ausbildungsstätte für die Elite im eigenen Lande schaffen. Die Stände verweigerten damals jedoch die Zustimmung und vertagten die Sache auf bessere Zeiten.

Realisierung[Bearbeiten]

Nach dem Westfälischen Frieden (1648) gelang es dem Herzog, beim Kaiser Ferdinand III. ein Privileg für die Gründung einer Universität zu erwirken, Der Zweite Nordische Krieg (1655-1661) machte dies jedoch wiederum unmöglich. Der Krieg endete für die Herzogtümer mit dem Vertrag von Oliva am 3. Mai 1660. Friedrich III. war bereits im Ausgust 1659 in Tönning gestorben und so fiel seinem Sohn und Nachfolger, Herzog Christian Albrecht, die Verwirklichung des Planes zu. Als politischer Gestalter diente ihm dabei war der Minister Johann Adolf Kielmannn Freiherr von Kielmannsegg, der schon unter seinem Vater tätig gewesen war.

Es wurde darauf verzichtet, die Stände zur Finanzierung der Universität heranzuziehen. Die Kosten wurden allein vom gottorfschen Landesteil aufgebracht, und zwar aus den Einsparungen der gerade untergehenden Bordesholmer Klosterschule, die zuletzt ein humanistisches Gymnasium gewesen war, sowie weiteren Einnahmen aus dem Amt Bordesholm. So standen aus dem Staatshaushalt jählich 6.000 Taler zur Verfügung, durch die die Gehälter gedeckt waren. Sachmittel gab es keine. Allerdings diente gleichzeitig die Bordesholmer Klosterbibliothek als Grundstock der Universitätsbibliothek.

Neben Kiel stand auch die Residenzstadt Schleswig als Standort für die neue Universität zur Diskussion, letztlich fiel die Wahl aber auf das größere und wirtschaftlich bedeutendere Kiel. Der wirtschaftliche Vorteil für Kiel bestand darin, dass es mit den Professoren und Studenten eine beträchtliche Zahl von konsumierenden Einwohnern dazugewann, die dem ansässigen Gewerbe keine Konkurrenz machten. Im Gegenzug musste die Stadt akzeptieren, dass die Universität eine Einrichtung mit eigener Rechtsetzung war, die der städtischen Polizeigewalt und Gerichtsbarkeit nicht unterstand und überdies Steuerfreiheit genoss.

So gingen der Gründung der Universität zähe Verhandlungen voraus, in denen die Stadt sich auch verpflichtete, das Universitätsgebäude beizusteuern. Hierfür stand das ehemalige Franziskanerkloster zur Verfügung, das zuletzt als Armenhaus gedient hatte. Es lag hinter der Klosterkirche und umfasste mit seinen Hof und den Obst- und Gemüsegärten den Bereich der heutigen Falckstraße bis hinunter zum damels noch größeren Kleinen Kiel. Für die Nutzung als Universität war es erforderlich, die Klostergebäude umzubauen; die kleinen Räume der Armenwohnungen mussten zusammengelegt und Decken gestützt werden, um Hörsäle für die vier Fakultäten zu schaffen. Der Herzog stiftete dafür 25 Eichbäume aus dem Bordesholmer Forst.

Die Bauarbeiten waren erst 1665 abgeschlossen. Bis dahin waren durch Kielmann Professoren und weiteres Universitätspersonal - vom Pedell bis hin zum Buchbinder und zum Barbier - berufen und durch Aufrufe Studenten angeworben worden, die neue Universität zu besuchen.

Eröffnung[Bearbeiten]

Das Eröffnungsdatum war schließlich der 5. Oktober 1665. Dieser Tag war eingebettet in eine viertägige Eröffnungsfeier.

Sie begann damit, dass der Herzog mit seinem Gefolge am 3. Oktober über Eckernförde, aus Schleswig kommend, Kiel erreichte. Der Zug mit Leibgarde, Trommlern und Trompetern, Soldaten und Dienerschaft zog vom Kuhberg aus durch die Stadt zum Kieler Schloss, wobei sich unterwegs der Reihe nach die Stadtoberen, die Professoren und Studenten sowie Abteilungen der Bürgerwehr anschlossen.

Am Folgetag wurden lediglich die Professoren vereidigt.

Am 5. Oktober zog ein ähnlicher Zug wie bei der Ankunft des Herzogs vom Schloss zur Nikolaikirche. In einer sechsstündigen Veranstaltung, umrahmt von Musik, Festpredigt und Gemeindegesang, wurden in vielen lateinischen Ansprachen die Privilegs- und Gründungsurkunden verlesen und dem Herzog gehuldigt. Es wurde verkündet, dass der Herzog die Rektorenwürde für sich und seine Nachkommen beanspruche und zum ersten Prorektor den Professor der Theologie Peter Musäus bestimmt habe.

Der letzte Tag, der 6. Oktober, diente der symbolischen Arbeitsaufnahme der Universität. Zunächst wurde in Anwesenheit des Herzogs das Universitätsgebäude eröffnet, indem im Hörsaal der theologischen Fakultät fünf lateinische Reden der Professoren zum Thema der Universität und des Herzogs gehalten wurden. Als die Professoren den Herzog hinausgeleiten, ließ dieser seine Soldaten einen Ring um jene schließen, als Zeichen dafür, daß er Professoren und Universitätsprivilegien stets schützen werde. Der Tag endete mit einem Fest im Schloss, zu dem auch die Studenten eingeladen waren.

Am Folgetag verließ der Herzog die Stadt wieder und reiste nach Gottorf zurück.[3]

Kieler Schloss[Bearbeiten]

Durch die Initiative Katharinas der Großen, die ab 1762 das Herzogtum Holstein verwaltete, hatte die Universität ein Aufschwung: Das Kollegiengebäude von den Baumeister Ernst Georg Sonnin, der bereits das Kieler Schloss umbaute, wurde 1767/1768 an der Kattenstraße (heute teilweise Burgstraße) u.a. mit Hörsälen und Bibliothek errichten. Als Katharina 1773 ihre Ansprüche auf Holstein aufgegeben und das Herzogtum an Dänemark übergeben hatte, hatte das Schloss seine Funktion als Herrschaftssitz verloren und die Kieler Universität konnten durch ihren wachsende Raumbedarf zunehmend das Schloss belegen.

Die Akademischen Heilanstalten auf dem Krankenberg plante seit den 1850er den Campus nördlich des Schlossgartens. Umgesetzt ab 1860 ist es jetzt der Campus des Standortes Kiel des Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Kiel. Erhalten ist die ehemalige Gebäranstalt (heute Frauenklinik, Michaelisstraße 5) von 1862.

CAU in preußischer Zeit[Bearbeiten]

Durch die Annexion Schleswig-Holsteins durch Preußen 1867 und des dänisch-preußischen Krieges 1870 / 1871 gingen die Studierendenzahlen zuerst zurück, doch durch den Aufbau Kiels als Marinestadt blühte die Universität wieder auf: Zwischen 1876 und 1900 verfünfachte sich die Zahl auf 1081 Immatrikulierte.

Der Campus der Kieler Universität war 70 Jahre lang in Düsternbrook. Sichtbarer Ausdruck waren die Universitäts- und Klinikgebäuden nördlich des Schlosses: die Architekten Martin Gropius und Heino Schmieden bauten das neue Kollegiengebäude (1876, im 2. Weltkrieg stark beschädigt, Ruine 1954 gesprengt, Neugestaltung des Geländes zog sich bis 2012 hin), das Zoologisches Museum (1878-1880, der Gropis-Bau) und die Universitätbibliothek (1881-1884, heute die Medizin- und Pharmaziehistorische Sammlung.
Die Kunsthalle (1907-1909) entwarf Georg Lohr.[4]

1931 errichtete der CAU neben dem Kollegiengebäude das Gefallenen-Ehrenmal von Gustav August Munzer,

Vermögende Professoren der Universität hatten ihre Haus im Villenviertel.

Bauliche Erneuerung[Bearbeiten]

Von 2016 bis 2026 soll etwa ein Drittel der 225 000 m² Gebäude-Nutzfläche der Universität saniert oder erneuert werden.

Dies betrifft insbesondere und zuerst die sogenannten Angerbauten aus den 1960er-Jahren. Dabei handelt es sich um sechs langgestreckte, sechsstöckige Rotsteingebäude mit je einem Hörsaal, die eine Vielzahl von Instituten beherbergen. Die Gebäude gruppieren sich um eine zentrale Grünanlage, den Anger. Die in die Jahre gekommenen Gebäude machten in den vergangenen Jahren vor allem dadurch Schlagzeilen, dass sie wegen ihrer Fassadenschäden ab Windstärke 8 gesperrt werden müssen.

Die Erneuerung soll während des laufenden Universitätsbetriebes geschehen, indem Freiflächen und Parkplätze neu bebaut werden und dann die alten Gebäude beseitigt werden. Insgesamt besteht derzeit (2016) ein Sanierungsstau von 400 Millionen Euro.[5]

Bilder[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Christian-Albrechts-Universität zu Kiel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Weitere Informationen zum Thema „Christian-Albrechts-Universität“ in der deutschsprachigen Wikipedia
  2. Universitätsportrait auf uni-kiel.de
  3. Carl Rodenberg, "Die Gründung der Universität Kiel am 5. Oktober 1665", in: Arthur Gloy, "Aus Kiels Vergangenheit und Gegenwart", Kiel (Robert Cordes Verlag), 1925, S. 77-101
  4. Klaus Gereon Beuckers, Gebaute Bildungspolitik. Die architektonische Entwicklung der CAU, S. 178 ff. in: Oliver Auge (Hrsg.), Christian-Albrechts-Universität zu Kiel: 350 Jahre Wirken in Stadt, Land und Welt, Wachholtz Kiel 2015; PDF-Datei auf Multimediale Archiv- und Publikationsserver der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, abgerufen am 20. Dezember 2018
  5. Kieler Nachrichten vom 07. September 2016